Die Route 66 – Historisch, Grenzenlos & Einmalig

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Die Route 66 ist die wohl bekannteste und mythenreichste Straße der Welt. Liebevoll wird sie auch als „Mutter aller Straßen“ bezeichnet. Für die Einen ist sie der Inbegriff der Freiheit & des Abenteuers und für die Anderen ist sie einfach nur ein Lebenstraum. Jeder echte US-Fan sollte daher die legendäre Route 66 einmal im Leben mit dem Auto, Wohnmobil oder stilecht auf einer Harley befahren haben – „Born to be wild“ eben.

Die Route 66 in Seligman, Arizona.

Die Route 66 in Seligman, Arizona.

Historisch, Grenzenlos und Einmalig

Route 66 Straßenschild mit Richtung Osten.

Route 66 Straßenschild mit Richtung Osten.

Historisch – Die erste Fahrroute Richtung Pazifik, die zum Teil schon von Siedlern mit ihren Planwagen befahren wurden, waren einfachste Wege mitten durch die Prärie der USA. Diese unbefestigte sogenannte „National Old Trails Road“ bestand seit 1912 und verband Baltimore im Osten (verschiedene Karten geben auch New York als Beginn an) mit dem Westen und wurde deshalb auch gern als Ocean-to-Ocean-Highway bezeichnet. Verschiedene Abschnitte, wie z. B. die Streckenführung durch Arizona & Kalifornien, nutzte und baute man später einfach zur Route 66 aus.

Doch bevor überhaupt an die Route 66 zu denken war, sorgte im Jahre 1915 ein Motorradfahrer namens Erwin G. Baker für eine gewaltige Schlagzeile in den Medien. Er schaffte es als erster Mensch in nur 11 Tagen die komplette USA von Küste zu Küste mit seinem Motorrad zu durchqueren. Für das Jahr 1915 war das eine gewaltige Sensation. Baker berichtete später von:

„Wege wie frisch gepflückte Äcker“

Mit dem Ende des ersten Weltkrieges im Jahre 1918 nahm plötzlich die Mobilität in den USA durch den weltweiten wirtschaftlichen Konjunkturaufschwung um ein vielfaches zu und es wurde fleißig in den Straßenbau investiert. In diesem Zuge wurde auch der Ruf nach einer befestigten durchgehenden Straße von der Ost- an die Westküste lauter. 1926 enstand so in Nordamerika die wohl wichtigste und symbolträchtigste Ost-West-Verbindung: „US Highway 66“. Die einheitliche Streckenführung und Streckenbezeichnung ist dem Straßenplaner Cyrus Stevens zu verdanken. Aus einem Brief des Leiters für öffentliches Straßenwesens vom 26. November 1926 geht hervor, dass die Zahl „66“ eine der wenigen Zahlen gewesen ist, die in den betroffenen Bundesstaaten noch nicht für eine Straße vergeben worden war. Und so kam die Route 66 schlicht & einfach zu ihrer amtlichen Bezeichnung und sollte in den darauffolgenden Jahren ( vorallem 50er und 60er) zu einer der meistbefahrensten und wichtigsten Straßen der USA werden.

Grenzenlos – Insgesamt durch 8 Bundesstaaten führte die damalige Route 66. Sie begann in Chicago, Illinois und verlief dann weiter durch die Staaten Missouri, Kansas, Oklahoma, Texas, New Mexico, Arizona und endete schließlich in Santa Monica, Kalifornien. Sie hatte eine Gesamtlänge von 3.600 km und gehörte damit zum Herzstück des inneramerikanischen Verkehrssystems.

Einmalig – Mit dem Ausbau des amerikanischen Autobahnsystems starb jedoch die Route 66 Stück für Stück ab und konnte sich zwischen den zunehmenden mehrspurigen Highways, Freeways und Interstates kaum noch halten. Angeblich war Präsident Eisenhower schwer beeindruckt von deutschen Autobahnen, so dass er die mehrspurigen Schnellstraßen errichten ließ und der Route 66 damit eine Ende bereitete. Vorallem die schnelle Interstate 40 sorgte dafür, dass nur noch wenige Autos diese einmalige Straße befuhren. Motels, Bars, Tankstellen und Restaurants die lange Zeit für das leibliche Wohl der Autofahrer auf der Route 66 sorgten, starben förmlich über Nacht aus und erinnern seit jeher nur noch an glanzvollere Zeiten. Nur wenige wissen, dass die Route 66 vielen Firmen verhalf zudem zu werden was sie heute sind. So entstand das erste McDonald’s Restaurant überhaupt direkt an der Route 66. Es wurde am 15. Mai 1940 in San Bernardino, Kalifornien eröffnet und ist heute das wohl bekannteste Fastfood-Restaurant der Welt. Nachdem das erste Motel mit dem Namen Motor Inn im kalifornischen San Louis Obispo entstand, verbreitete sich diese vereinfachte Übernachtungsform schnell für Autofahrer an der Route 66. Anschließend eroberte diese Form der Übernachtung sogar das ganze Land. Die „Mother Road“ war zudem auch Namensgeber für die Benzinmarke Philips 66, die 1927 entstand und bis heute, seit 2012 sogar auch an der NYSE, erfolgreich am Markt agiert.

Die Überreste in Seligman, AZ an der Route 66.

Die Überreste in Seligman, AZ an der Route 66.

Doch während der Zeit des Niederganges umgab die Leere der Route 66 ein Hauch von Romantik & Mystik. Das brachte vorallem die Filmindustrie auf eine großartige Idee. 1960 startete daher im amerikanischen Fernsehen die Serie Route 66 mit insgesamt 116 Folgen für 4 Jahre. Die Serie handelte von 2 jungen Männern die quer durch die USA entlang der Route 66 in einem Chevrolet Corvette Sportauto reisten und verschiedene Abenteuer erlebten und dabei auf interessante Menschen stießen. In den darauffolgenden Jahren folgten „Roadmovies“ wie Easy Rider (1969) oder Asphaltrennen (1971), die das Lebensgefühl einer ganzen Rock-Generation in den späten 60er Jahren transportieren sollten. Die Route 66 wurde mit diesen Klassikern zu einer Legende und machte sie auch bei jenen bekannt, die nie darauf reisten. Auch durch zahlreiche weltbekannte Songs erlangte der US-Highway zu seinem einmaligen Ruhm. In der Hoffnung auf eine Karriere als Musiker fuhr Bobby Troup im Jahre 1946 nach Los Angeles. Er fasste unterwegs seine eigene Aufbruchstimmung in Worte zusammen und schrieb den legendären Song „Get Your Kicks on Route Sixty Six“, welcher schnell mit Nat King Cole veröffentlicht und später unter anderen von Chuck Berry, den Rolling Stones, sowie Depeche Mode und vielen anderen Musikern interpretiert wurde.

Die Route 66 Cadillac Ranch in Amarillo, Texas.

Die Route 66 Cadillac Ranch in Amarillo, Texas.

Heute – Ein regelrechter Route-66-Tourismus brach mit den Filmen und dieser Musik aus und einstige Geschäfte die unter dem Niedergang litten, leben heute vom intensiven Merchandising. Die beliebtesten Souvenire bleiben jedoch die Route-66-Straßenschilder. Jährlich verschwinden zahlreiche Schilder auf mysteriöse Weise und das Straßenamt ist immer damit beschäftigt neue nachzudrucken und wieder aufzustellen. Die originalen Schilder aus den Anfängen dieser Straße sucht man heute somit leider vergebens und dürften sich wohl höchstens in irgendwelchen Häusern von privaten Sammlern wiederfinden. Entlang der Route 66 befinden sich heute zahlreiche Kunstwerke (Roadside Attractions) die von Besuchern magisch angezogen werden, wie z. B. die Cadillac Ranch nahe Amarillo in Texas. Hier wurden 1970 zehn Cadillacs in einer Linie und gleichen Winkel mit der vorderen Hälfte in einen Maisfeldboden eingegraben und sollen unter anderen den Beginn und Niedergang der Heckflossen-Modelle sowie die Freiheit die das Automobil auf den US-Fernstraßen mit sich brachte, symbolisieren. Eine der ersten Attraktionen, die einem auf dem Weg nach Westen begegnet ist jedoch der Gemini Giant in Wilmington, Illinois. An dieser Stelle wirbt eine aus Fiberglas überdimensionale Figur eines Raumfahrers für ein örtliches Restaurant, welcher nach dem Gemini-Raumfahrtprogramm benannt wurde. Und das sind nur einige der zahlreichen verrückten Dinge, die einem auf einer historischen Route-66-Tour begegnen werden.

Eine alte Route 66 Tankstelle in Seligman, Arizona.

Eine alte Route 66 Tankstelle in Seligman, Arizona.

Die Meisten der Wahrzeichen waren vorallem skurrile Bauwerke, wie z. B. Brücken, Hotels oder Tankstellen, von denen viele Stücke heute noch gut erhalten sind. „Return to the 50’s“ heißt es an einer der ehemaligen und nun historischen Tankstellen in Seligman (Arizona), die heute ebenfalls zu großzügigen Souvenirshops umgebaut wurden. Der Abschnitt Kingman – Seligman ist auch das besterhaltenste Stück der gesamten Route 66. Ein Schlenker auf diesem Abschnitt lohnt sich daher allemal.

Fahrtipp: Sind Sie auf dem Weg Richtung Grand Canyon und kommen aus Richtung Los Angeles oder weiter südlich aus San Diego, dann sollten Sie unbedingt auf die Interstate 40 East fahren. Automatisch kommen Sie dann in den Ort Kingman und können von dort aus auf die Route 66 Richtung Seligman, bzw. das ganze auch anders herum Richtung Kingman, fahren. Ein Abstecher auf diesen 89 Meilen der Historic Route 66 kostet Sie gerade einmal 21 Minuten mehr Fahrzeit ggüb. der Direktverbindung! Das sollte auch für Nicht-Route-66-Verrückte locker drin sein, denn hier lernt man das wahre Amerika von Grund auf Neu kennen!

 

Camping und Übernachtungen

Es gibt entlang der Route 66 zahlreiche Camping- und Übernachtungsmöglichkeiten. Die Camping- und Wohnmobil-Stellplätze sind mit Hilfe von Straßenbeschilderung: RV’s (Recreation Vehicle’s) ausgezeichnet und leicht zu finden. Hotels und Motels gibt es ebenfalls zahlreiche. Wer jedoch etwas skurrileres sucht, für den empfehle ich das Wigwam Motel in Holbrook (Arizona) oder das Wigwam Motel an der Grenze zwischen Rialto und San Bernardino in Kalifornien. Dieses Motel stammt noch aus der Blütezeit der Route 66. Es besteht aus einzelnen Tipi-förmigen Beton-Wigwams und gleicht einem typischen Indianerzelt mit extra Ausstattung, wie z. B. Doppelbett, TV & Wifi, Kühlschrank, Badezimmer mit Dusche & Fön, Telefon und Heizung. Und ja, es ist innen viel größer als von außen (lach). Weitere Annehmlichkeiten sind ein Swimmingpool, BBQ-Grill sowie Bügeleisen und-brett. Eine Übernachtung im Wigwam Motel kostet ab $67 aufwärts und ist wohl eine ideale kultige Zwischenübernachtungsmöglichkeit an der Route 66.

Das Gefährt

Motorradfahrer und Autofahrer auf ihrer Tour durch die USA.

Motorradfahrer und Autofahrer auf ihrer Tour durch die USA.

Ob auf einer Harley Davidson, in einem Cabriolet oder in einem Wohnmobil – jede Fahrvariante bietet Ihnen bestimmt 100 % Lebensgefühl. Als Wir die Route 66 befuhren, wählten wir die klassische Variante: den Mietwagen (Informationen mit Tipps und Tricks zur Buchung eines Mietwagens findet ihr hier). Da wir einfach den Platz für Koffer, Essen etc. brauchten. Aber egal auf wieviel Reifen man diese Straße befährt, es ist einfach toll zu wissen man hat sie befahren und das wohl auch bestimmt nicht zum letzten Mal. Wir sahen sehr viele Motorradfahrer die sich zu Gruppen zusammenschlossen und einfach ihren Lebenstraum entgegen heizten. Auch ein paar deutsche waren darunter, die, bei näherer Betrachtung ihres aufwändigen Route-66-Outfits wohl nur deshalb 12 oder noch mehr Flugstunden auf sich genommen haben, um einmal „die Mutter aller Straßen“ stilecht befahren zu dürfen. Wir nennen das einfach:

„The American Way of Drive“

 

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About Author

Stefanie Becker

I studied business administration with focus in marketing, communication and finance at the Martin-Luther-University Halle-Wittenberg. Even during my studies I started to work for the travel magazine TOUREAL in content marketing where I am responsible for the area USA until now.

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