Paradies auf 564 Metern

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Das familiengeführte Wein- und Vitalhotel Weinhof Kappel im Sausaler Weinland hat sich voll und ganz dem Genuss verschrieben. Die kleine Straße schlängelt sich unbeirrt hinauf auf 564 Meter über Meeresspiegel. Ein dichter Wald versperrt uns leider die Aussicht – auch den Regen wissen die Bäume geschickt vor uns zu verbergen.

75- Besitzer Dietmar Kappel im Weinkeller, Foto Petr Blaha

Nach der letzten Kurve und den letzten Baumreihen stehe ich an einer Kreuzung mit einer Steigung von gefühlten 80%. Trotz Flachländer, der ich bin, meistere ich das Anfahren am Berg erfolgreich und werde mit dem ersehnten Blick auf das Sausaler Weinland in Österreich belohnt – leider auch mit einem gigantischen Regenschauer.

Egal, denn ein paar Meter weiter, auf der linken Seite sehe ich auch schon das Ziel: das familiengeführte Wein- und Vitalhotel Weinhof Kappel. Ein paar Regentropfen später stehen wir an der Rezeption und werden herzlich von der Besitzerin Therese Kappel in Empfang genommen. Trotz mehrmaligen Widersprechens nimmt sie uns kurzerhand das Gepäck aus der Hand und trägt es leichtfüßig in den ersten Stock hinauf, wo sich unser Zimmer befindet. Eines von insgesamt 21, die alle zur Mittagssonne ausgerichtet sind. Unser geräumiges Zimmer ist in warmen Farben gehalten und wir fühlen uns sofort zu Hause. Die stylishen Nachtischlampen aus Weinflaschen unterstreichen dezent das Herzstück des Hotels: die Traube. Therese Kappel öffnet die Balkontür und wir bewundern die märchenhafte Aussicht. Es hat aufgehört zu regnen, Nebelschwaden haben sich in den Bäumen im Tal und in den Weinreben verfangen. „Direkt unter uns befinden sich unsere Weinreben“, zeigt sie uns. „Später beim Abendessen können sie unseren Weiß- und Rotwein zu den Gerichten kosten.“

25 Außenansicht, Foto Petr Blaha

Es ist erst nachmittags, zu früh, um ans Abendessen zu denken. Da das Wetter nicht gerade zu langen Touren durchs Südsteirische Weinland einlädt, entscheiden wir uns nur zu gern für die Alternative, den Wellnessbereich. Wie praktisch, dass auf dem Nachttisch bereits eine fertig gepackte Spa-Tasche mit Handtüchern, Slippern und Bademänteln steht. Mit dem Fahrstuhl fahren wir in den untersten Stock.

Hinter einer schweren Eisentür umhüllt uns direkt die angenehme Wärme des Spas. Riesige Panoramafenster im Wellnessbereich mit Saunalandschaft geben den Blick frei auf die saftige Landschaft, in die man sich auf gemütlichen Liegen hinaus träumt. Auch im Whirlpool genießt man diese himmlische Aussicht. Trotz Weitblick und Wärme zieht es mich genau dorthin, in den Garten, zum beheizten Meerwasserpool. Beim Bahnenziehen habe ich das Gefühl, den Weinbergen entgegen zu schwimmen. Vom warmen Wasser aus entdecke ich auch die steirische Winzersauna mit Weinfassl-Tauchbad. Das Besondere an ihr ist nicht nur die Lage direkt am Hang der Weinberge, sondern, dass sie ein original Massivholzhaus aus dem Jahr 1838 ist. Ein authentisches Saunavergnügen wird einem hier geboten, so auch in den Saunen im Inneren, wie z.B. die Sauna mit Aqua-Viva-Programm und dem Alpen-Fitarium. Auch bei den Beautybehandlungen kommt nur das Beste aus der Umgebung zum Einsatz. Die Traubenkosmetikmarke aus der Steiermark Vinoble sorgt mit seiner Vinotherapie bestehend aus Massagen, Peelings und Packungen für Entspannung und gepflegte Haut. Die Trauben und Kerne enthalten nämlich Polyphenole, die die Zellaktivierung fördern. Wenn man möchte, kann man sich sogar unter freiem Himmel massieren lassen …

Nach all der Entspannung wird es langsam Zeit für das Abendessen. Therese Kappel führt uns im Restaurant nach hinten zu einem Erker. Die Nebelschwaden ziehen immer weiter nach oben – die Landschaft wirkt in der Abenddämmerung gespenstisch schön. Als Aperitif bekommen wir ein Glas trockenen Haussekt in Flaschengärung – Champagner könnte nicht herrlicher auf der Zunge prickeln. Dann folgt der erste Gang: hausgebeizter Lachs mit Dillsenfsauce dazu ein „Welschriesling Klassik 2013“. Der Lachs ist wunderbar saftig und zart und weckt den Appetit nach mehr. Was folgt ist eine Sausaler Rieslingschaumsuppe mit geröstetem Schwarzbrotstreifen und ein Plausch mit Therese Kappel. Sie erzählt uns, dass sie und ihr Mann das Hotel von seinen Eltern übernommen haben und nach all den Jahren immer noch genau so glücklich ist, hier oben zu wohnen. Wenn sie einem mit leuchtenden Augen von der vielfältigen Natur berichtet und einem von den fantastischen Farbschattierungen des Waldes zu allen Jahreszeiten verschwärmt, glaubt man ihr das ohne zu zögern.

141-Kuerbismoussetoertchen mit eingelegten Essigzwetschken und Vulcanoschinken - Foto Werner Krug

Zum Hauptgang werde wir mit einer gebratenen Maishendlbrust auf Rahmpolenta mit Thymian-Honigjus verwöhnt – ein Riesling „Sausaler Urgestein“ rundet den Gang ab. Für all diese Köstlichkeiten ist übrigens der Mann von Therese, Günther Kappel, verantwortlich. Er steht aber nicht nur in der Küche, sondern ist auch Winzer und kümmert sich um den Anbau des hauseigenen Weines, Sektes und Traubensaftes. Obwohl wir uns bereits angenehm gesättigt von den vielen leckeren Gängen fühlen, freuen wir uns auf das Dessert: Créme Brulée mit Wallnusseis. Der Löffel knackt die Karamellschicht und zum Vorschein kommt eine zarte Creme mit leichtem Vanillearoma – was für ein leckeres Finale.

40-Außenpool am Tag, Foto Petr Blaha

Rundum glücklich und gesättigt wird es langsam Zeit, sich in das riesige Bett zu kuscheln. Fernab von Straßenlärm oder sonstigen Unruhestiftern schläft es sich hier wie im Paradies. Total erholt startet der Morgen, wie der Abend aufgehört hat: genussvoll! Der Regen hat sich nun endgültig verabschiedet und das Tal und die Weinberge sind eingetaucht in das warme Sonnenlicht des Morgens.

Die Erinnerung an das leckere Menü des Abends macht direkt wieder hungrig und wir gehen frühstücken. Mit einem herzlichen Lächeln begrüßt uns Therese Kappel und nimmt unsere Wünsche nach Getränken und Eierspeisen auf: frischer Kaffee mit warmer Milch und weich gekochte Eier. Das reichhaltige Frühstücksbuffet stellt Unentschlossene vor eine große Herausforderung. So mancher Supermarkt wäre neidisch auf eine solch große Auswahl an Marmeladen. „Ich mache aus allem, was mir in die Finger kommt Marmelade und Gelee“, erklärt Therese Kappel diese Auswahl. So reihen sich hier Feigenmarmelade an Trauben-Gelee, Weinbergpfirsich- an klassische Erdbeermarmelade. Was man neben der Marmelade ebenfalls unbedingt probieren muss, ist der Frischkäse verfeinert mit dem hochwertigen steirischen Kürbiskernöl – was für ein Start in den Tag!

Doch irgendwann muss leider alles einmal enden. Um die Abreise aus diesem kleinen Paradies etwas zu erleichtern, gibt es eine Abschieds-Flasche Wein von der Familie Kappel zum Daheimgenießen und dabei vom höchstgelegenen Weinanbaugebiet in Österreich zu träumen …Wem das nicht reicht, kann natürlich auch den Wein vom Weinhof Kappel hier kaufen.

70-Spa-Suite, Foto Petr Blaha

Die 21 Doppelzimmer verteilen sich auf drei Häuser. Im Stammhaus finden Sie Naturzimmer mit Vollholzmöbeln und geölt und gewachsten Parkettböden. Das Landhaus bietet Junior-Suiten, Familienzimmer und Spa-Suite mit Vollholzmöbeln in Fichte, mit Teppichboden oder Kirschholzparkett. Und das Wellnesshaus hält Winzerzimmer, eine Junior-Suite und das Harmoniezimmer (Feng-Shui orientiert) mit Vollholzmöbel in Fichte oder Spitzahorn und geöltem Bucheparkett.

Fotos Petr Blaha

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About Author

Maike Doege

Genuss und Reisen sind die beiden Leidenschaften der freien Redakteurin Maike Doege aus Norddeutschland. Als Food & Travel Autorin reist sie durch die Welt und schreibt über außergewöhnliche Locations, entspannte Wellnesstempel und exzellente Küchen.Sterne, Auszeichnungen und Preise sind ihr dabei nicht so wichtig wie Herzlichkeit. Die Autorin lässt sich gern begeistern von Menschen, die mit viel Herzblut und Leidenschaft bei der Sache sind. Als freie Redakteurin schreibt sie für verschiedene Reise-Online-Magazine und betreut zudem redaktionell Kundenmagazine.

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