Soulmade – ein überraschend anderes Hotel

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Ankommen und zu Hause sein, nur wo anders, so ist das neue, im April 2016 eröffnete, Soulmade Hotel in Garching bei München. Thomas Schlereth wollte mit dem Soulmade ein anderes Hotel, gebaut aus Holz und natürlichen Materialien schaffen.

Soulemade 3
das neue Soulmade Hotel

Hotelinhaber Thomas Schlereth

Thomas Schlereth erzählt uns, wie es dazu gekommen ist. Anfang der Neunziger Jahre war er in Amerika und ihm gefielen die aus Holz gebauten Gebäude. Als gelernter Architekt, zurück in Deutschland wollte er diese hier auch bauen, aber man war noch nicht so weit. Nach ein paar Jahren kam dann bei ihm der entscheidende Wendepunkt. Er hat mit seinem alten Auto seinen zwölfjährigen Sohn zur Schule gefahren, es war kalt und sein Auto hat mächtig gequalmt. Der Junge kam zu ihm zurück und fragte – „Papa macht dein Auto meine Umwelt kaputt?“ – Diese Frage hat ihn beschäftigt und zum Umdenken gebracht.

Man betritt das Businesshotel und findet keine Rezeption. Sie werden von einen der netten Mitarbeiter begrüßt und an einen der drei Laptops zum Einchecken geführt, ja hier checken Sie selbst, gemeinsam mit einem Mitarbeiter, ein und dabei wird sich nett unterhalten. Keine Barriere zwischen Gast und Mitarbeitern. Es ist anders, aber schön.

Appatement 8

Beim Eintreten in mein Appartement kommt ein „wow“ über meine Lippen, eine urgemütliche kleine Wohnung, hier kann ich mich wirklich zu Hause fühlen. Der erste Raum ist in Wohnbereich mit einer richtig großen Couch zum Lümmeln und einen Koch- Essbereich mit voll ausgestatteter Küche eingerichtet. Es wurde darauf geachtet angenehme Stoffe zu verwenden, keine glatten, wo man runter rutsch, oder solche, an denen man sich die Strumpfhose zerreißt.

Appatement 7

Die Farben wurden in warmen Tönen gewählt, die beruhigen und es wurde ein tolles Lichtkonzept verwendet. Je nach Gebrauch ist das Licht hell oder dunkler, muss man Nachts mal raus, geht, sobald man den Fuß aus dem Bett nimmt, die Bodenbeleuchtung an und weist den Weg, nach 30 Sekunden geht sie wieder aus, kein suchen nach dem Lichtschalter. Die Wände sind aus Fichtenholz und arbeiten natürlich, haben auch mal ein Astloch, natürlich eben, der Fußboden ist aus Eichenholz. Eine Wand im Zimmer ist immer tapeziert, damit das Holz nicht erschlägt.

Kaffeemühle, Bohnenkaffee, Bodum

In jeden Zimmer oder Appartement gibt es eine kleine Kaffeemühle, Kaffeebohnen und einen kleinen Bodum zum Kaffee zubereiten.

Im Schlafzimmer steht ein großes Metall-freies Bett aus Eschenholz mit einer ganz besonderen Naturkautschuk-Matratze, auf der ich fantastisch geschlafen habe. Am Kopfende gibt es noch eine kleine Leseecke, wie auch im Wohnbereich sind die Regale mit gebrauchten Büchern ausgestattet. Jedes Buch erzählt seine eigene Geschichte, deshalb haben der Besitzer Thomas Schlereth und Ole Kloth, der Director of Development, über 8000 gebrauchte Bücher bei Ebay ersteigert, die man jetzt überall im Hotel findet und auch lesen kann. Ole erzählt dazu eine nette Geschichte: „Eine ältere Frau kommt seit der Eröffnung in das Hotel, kauft sich einen Orangensaft nimmt ein Buch und geht. Nach ein paar Tagen kommt sie wieder, kauft einen Orangensaft, stellt das Buch zurück, nimmt das Nächste und geht. Dies macht sie immer wieder. Am Anfang waren die Mitarbeiter erbost, die klaut ein Buch, man ließ sie aber gewähren und nun kommt sie regelmäßig.

Appatement 5

An das Schlafzimmer schließt sich ein offenes Bad, was aber auch geschlossen werden kann, Waschbecken mit Sensor und veganen Seifen. Der Schminkspiegel ist nicht fest angebracht. Es sind einfach so viele kleine Details, über die sehr viel nachdacht und dann umgesetzt wurden.

Einzelzimmer 2

Ein wahres Raumwunder sind die Einzelzimmer, da die Raumaufteilung so geschickt gewählt wurde kommen mir die gerade mal 21 qm Größe viel größer vor, auch in diesem kleinen Raum ist an alles gedacht worden, um sich wohl zu fühlen.

An den Lobbybereich schließt sich das sogenannte Wohnzimmer, der LivingRoom an. Hier sind die verschiedensten Sitzmöglichkeiten, von gemütlicher Couch, Rundecke um den Kamin, Ohrensessel, Sitzecken mit Tisch und Stühlen.

LivingRoom 2

Riesen große Bücherregale gefüllt mit gebrauchten Büchern und alten Dingen, wie Koffern, Schreibmaschinen aus Flohmarktzeiten des Herrn Schlereth. „Nehmen Sie sich einfach mal Zeit und schauen dem rieselnden Sand in den großen Sanduhren zu“ sagt Ole.

LivingRoom 6

Der Bereich ist ein Ort des Treffens, Kommunizierens oder einfach nur Entspannens, nur nicht allein, das kann man im Zimmer. Im LivingRoom gehen Jura-Steinboden in Eichenholz- und Jura-Stein ineinander über. Urgemütlich, da sitz zum Beispiel ein Gast im Schneidersitz auf der Couch und fühlt sich pudelwohl.

Thomas Schlereth und Ole Kloth 1
Besitzer Thomas Schlereth und Ole Kloth, der Director of Development

Soulmade ist anders, aber immer für den Gast gedacht und wird von jeden anders empfunden. Im LivingRoom – möchte der Eine in den Ohrensessel sitzen, der Andere am Kamin, oder zurückgezogen in der Ecke. Es hat ein bisschen das Kaffee-Ambiente, man ist nicht allein, ist dabei. Das Wohnzimmer ist Restaurant, Bibliothek, Kaffee und Kommunikationsraum oder Arbeitszimmer in einem. ¨Hier wird gemenschelt¨ sagt Ole Kloth liebevoll.

Schön ist die runde Bar, eine Idee von Ole Kloth. Hier gibt es keine Barriere zwischen Personal und Gast. Drinks werden mit dem Gast gemeinsam zubereitet. Es steht immer frischer, leckerer Eistee da, an dem sich der Gast sich selbst bedienen kann.

Lorenz Hartmann 1
Cooking Concierge Lorenz Hartmann

Am Ende des LivingRooms befindet sich eine große Kochinsel. Morgens wird hier das Frühstücksbuffet aufgebaut. Dienstag und Donnerstag von 17.00 – 22.00 Uhr kocht Lorenz Hartmann mit den Gästen oder für die Gäste. Man kann sich an der Kochinsel zu ihm setzen und zuschauen, sich unterhalten, einfach dabei sein. Er kauft auf dem Weg zum Hotel ein und dann wird dies gekocht und wenn es alle ist, gibt es nichts mehr. Eine Speisekarte gibt es nicht, da er nie weiß, was er kauft. Lorenz ist gebürtiger Münchner, hat viele Jahre in Amerika gelebt und wohnt jetzt wieder mit seiner Familie in München.

Vorspeise
Vorspeise und Hauptgericht

Hauptgericht

Als weltweit erster Cooking Concierge stellt er seine Erfahrungen und Kochkünste zur Verfügung. Im LivingRoom zaubert er Köstlichkeiten und nimmt Sie mit auf eine Genussreise. Dabei ganz ungeniert in die Töpfe zu schauen, Kochrezepte und Tricks zu erfahren gehört einfach dazu.

Der Garten im Innenhof ist als Barfußweg mit Isarkieseln in verschiedenen Größen angelegt, nach einen Spaziergang mit nackten Füßen fühlt man sich einfach richtig gut. Thomas Schlereth geht nach dem Mountainbiken immer eine Runde barfuß und fühlt sich danach, wie ausgewechselt. Daher wollte er dies nun seinen Gästen anbieten und hat den Garten anlegen lassen.

Emmashop 2

Im Emma-Shop im Lobbybereich werden innovative Produkte verkauft, so wie zum Beispiel vegane Bambuszahnbürsten, die biologisch abbaubar sind. Oder Produkte der Marke Crack. Diese stellt eine junge Münchnerin wirklich in einer Crack-Küche her, wickelt Gewürzmischungen in Cracktüten, eingelegte Chilischoten sehen aus wie Blutkonserven und werden im Kühlschank aufbewahrt. Coca Cola wird hier nicht verkauft, sondern alternative Getränke. Die Waren müssen zu dem Nachhaltigkeitskonzept von Soulmade passen.

Das Pavigym ist das erste seiner Art überhaupt, ein Fitnessraum ganz ohne Geräte. Mit Videos wird man zu bestimmten Übungen angeleitet, von Yoga, Pilates und, und, und, egal ob als Gruppe oder allein. Hier können Sie sich auf eine ganz andere Art fit halten. Die Gäste können sich aber auch die hauseigenen Segways ausleihen und die Gegend erkunden.

Waschraum

Toll ist auch die Waschküche eingerichtet, nicht wie eine Abstellkammer, denn wer über Wochen oder Monate im Hotel ist muss auch mal waschen.

Soulemade 1

Hier im Soulmade geht es nicht um Perfektion, sondern um das Menschsein, Wahrhaftigkeit und Authentizität. Ein Ort, an dem sich gerade Gäste, die aus beruflichen Gründen über mehrere Wochen oder Monate ein Zuhause auf Zeit in München brauchen, mehr als wohlfühlen können, es ist einfach möglichst nah am eigenen Zuhause. „Wohnen auf Zeit“! Das Soulmade ist ein Haus geworden, das ganz bewusst in jedem Winkel und in jeder Ecke einen sehr achtsamen und nachhaltigen Gedanken einschlägt und dabei doch ein hochmodernes Haus darstellt.

LivingRoom 1

Fazit: Ich war überrascht und total begeistert, ein Hotel bei dem man gar nicht merkt, dass es eins ist, einfach zum wohl fühlen.

Fotos: Gabriele Wilms

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About Author

Gabriele Wilms

Seit vielen Jahren beschäftige ich mich intensiv mit der Tätigkeit des Reisejournalistin und Bloggerin. Ich betreue Toureal als verantwortliche Chefredakteurin. Gut ein Drittel des Jahres bin ich daher für unser Reisemagazin unterwegs in den schönsten Hotels Europas.

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