Puppenmutti mit Leib und Seele

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Ulrike Küppers´s Sammelleidenschaft für Puppen begann bereits mit Ihrer ersten und auch ihrer Lieblingspuppe „Bärbel“, die zur damaligen Zeit etwas Besonderes gewesen sei. Als Kind habe sie vier Puppen gehabt, die sie als junge Frau verschenkte. Bei einem Flohmarktbesuch 1977 stieß sie auf eine ähnliche Puppe. Seitdem habe sie der Gedanke getrieben, das kleine Mädchen aus Zelluloid wieder zubekommen, mit Erfolg. Es blieb nicht bei Bärbel. Hunderte historische Puppen hat sie inzwischen angesammelt, wie viele genau kann sie es nicht sagen, sie ist gerade dabei, sie mit Fotos zu katalogisieren. „Bärbel ist die Chefin aller Puppen, aber ich glaube, sie ist eine liebe Chefin“ meint Ulrike Küppers.

Lieblingspuppe Bärbel

Lieblingspuppe Bärbel

Gefunden hat die Sammlerin die Puppen auf Flohmärkten und Puppenbörsen, denn dort lassen sich noch solche Unikate auftreiben. Mit ihrer rein privaten Puppensammlung hat sie ein Puppenmuseum „Ulis Puppenstube“ im Bürgerhaus Alte Schule, im Ortskern von Niederlangen eröffnet. Das Gebäude wurde Frühjahr 2011 nach aufwendigen Sanierungsarbeiten wiedereröffnet. Uli Küppers liebt alle ihre Puppen, doch ihre Bärbel im blauen Mäntelchen ist und bleibt ihre Lieblingspuppe. Diese Puppe aus der Manufaktur Schildkröt hat ihr das Christkind 1947 gebracht. Der bunte Stoff des Kleidchens war derselbe, wie der der Vorhänge, aber es war kein Loch in den Vorhängen, damit stand fest, das Kleid hat das Christkind genäht.

Alle Puppen hatten vor dem Kauf oder Erwerb eine „Puppenmami“ und haben auch noch ihre Namen, die diese ihnen gegeben hatten. Einige der Puppen haben schon einen Namen von der Firma aus. So gehörten in den 30-iger und 40-ziger Jahren zum Beispiel Bärbel, Hans und Baby Strampelchen und natürlich Inge zum Stamm der Firma Schildkröt. „Jeder hatte eine Inge mit roten Strickkleid und Innerrolle“ sagt Uli Küppers.

Die Püppchen sind in dem Museum liebevoll zu bestimmten Themen in Vitrinen und aufgebaut. Sie finden Puppen aus der Zeit um 1840 bis 1960, aus allen möglichen Materialien, wie Holz, Wachs, Pappmaschee, Zelluloid, Muschelkalk und Porzellan, einfach alles was damals üblich war. Von allen renommierten Puppenherstellern, wie zum Beispiel Schildkröt, Käte Kruse, Kämmer & Reinhardt, sowie Reinhard Kestner, den Rolls Royce unter den Herstellern. Uli hat eine Kestner Puppe, die Liselotte auf dem Arm und weitere sitzen im roten Samt-Jäckchen und blauen Kleid in der Vitrine.

Puppenmuseum 31
Oma´s 100. Geburtstag

Putzens 1. Geburtstag 1930

Putzens 1. Geburtstag 1930

In den Vitrinen werden Szenen wie „Oma´s 100. Geburtstag“, „Kaffeekränzchen um 1900“, „wir bitten zu Tisch“ und „Putzens 1. Geburtstag 1930“ dargestellt, so macht das Anschauen gleich noch mehr Spaß. Putz – die Figur soll einen einjährigen Jungen darstellen. Frau Küppers hat ein Geburtstagsszenario drumherum aufgebaut: „Er feiert in diesem Jahr zum 86. Mal seinen ersten Geburtstag“ – so alt ist Putz nämlich in Wahrheit, so wie die zwei im Kasten nebenan, wo ebenfalls tagtäglich Geburtstag gefeiert wird: „Oma und Enkel sind beide 101 Jahre alt.“ Im Frühjahr 2015 übrigens hat Ulrike Küppers ihren Hans, eine der vier Puppen aus Kindertagen, wiedergefunden. Sie hat ihn gesucht und kann einfach nicht anders: „Ich habe ein Puppenherz, immer schon gehabt. Bei mir ist eine Schraube nicht nur locker, die ist doll gedreht“.

Puppenmuseum 33 mit Käthe Kruse Puppe

Käte Kruse Puppen haben bestimmte Merkmale erklärt uns Frau Küppers, sie haben eine Naht und sind in einer ganz bestimmten Farbe bemalt, da war nicht die Farbe alle, das ist so original. Bei der Ersten war das Däumchen extra angenäht.

Eigentlich war die leidenschaftliche Sammlerin „nur auf der Suche nach drei verlorenen Puppen aus Kindheitstagen“, doch dann gesellten sich immer mehr dazu und die antike Sammlung wuchs auf diese, heute zu sehende Sammlung an. Das Museum war nicht geplant, doch daheim wurde es mit der Zeit zu eng für die Puppen. Zu Beginn waren die Puppen auf dem heimischen Sofa platziert und mussten, wenn Besuch kam, zur Seite geräumt werden. Bald hatte sich die Sammlung über das Sofa hinaus ausgebreitet und die Puppen erhielten einen eigenen Raum, der dann aber auch nicht mehr ausreichte. Die Emsland-Gemeinde Niederlangen suchte einen kulturellen Anziehungspunkt und Ulrike Küppers suchte eine dauerhafte Bleibe für ihre Puppenkinder und somit fanden diese im Januar 2011 ein neues zu Hause und können kostenfrei bestaunt werden.

Jede ihrer Püppchen erzählt eine Geschichte, „sie sind stumme Zeugen aus längst vergangenen Tagen, sie schauen mit wachen Auge in unser Herz, zuweilen lächeln sie, mitunter wecken sie Kindheitserinnerungen“ so Ulrike Küppers. Man merkt, dass sie ein ganz besonderes Verhältnis zu ihren Puppen hat. Sie ist vor einigen Jahren von Wanne-Eickel nach Niederlangen gezogen. Hat angefangen die Geschichten der Puppen aufzuschreiben und hat als Buchautorin die Puppengeschichten geschrieben, aber auch eine Autobiografie herausgebracht. Sie wurde von Besuchern dazu angeregt die Geschichten aufzuschreiben, denn wenn sie nicht mehr kann, weiß keiner über die Puppen Bescheid.

Die Puppen gewähren den Besuchern einen Einblick in Mode und Stil der vergangenen Jahrzehnte. Die Puppe am Eingang des Museums trägt einen Schultornister, wie ihn vielleicht noch viele Ältere aus ihrer Schulzeit kennen.

Puppenmuseum 22

Ulrike Küppers weiß unheimlich viele Geschichten zu ihren Puppen zu erzählen, es macht einfach Spaß ihr zuzuhören. Auf die Frage nach einer ulkigen Geschichte, sagt sie spontan, dann erzähle ich meine eigene: „Es war Winter, ich war vielleicht 5 oder 6 Jahre alt, im Jahre 1948/49 und es gab Rührei mit Speck, das war zu dieser Zeit etwas Besonderes. Ich hatte gesehen, wie meine Mutter den Speck ins Ei tat und machte dann Theater beim Essen. Meine Mutter schmiss mich aus der Küche mit samt dem Teller und ich musste in der kalten Schlafstube essen. Ich hatte das auch brav gemacht und kam mit leeren Teller Freude strahlend in die Küche. Mutter stellte die ganze Stube auf den Kopf, weil sie sicher war, das Plach hat das nie gegessen. Wo ist das denn jetzt. Dann kam der Frühling und es stellte sich heraus, wo ich das Ei gelassen hatte. Meine Erika hatte einen leicht geöffneten Mund und da habe ich das Ei akribisch hinein gestopft, sie ordentlich abgeputzt. Hab das Püppchen in den Wagen gelegt und nicht mehr angefasst. Als es soweit war, das der Hausputz, Frühjahrsputz anstand, kam zum Vorschein wo das Rührei war. Die Puppe wurde bewegt und dann lebte meine Erika. Für Donnerwetter war es zu spät, aber die Schweinerei musste ich selbst weg machen. Später hatte ich eine Puppe von einer Frau bekommen und war sicher, das ist meine Erika. Doch bei genaueren Hinsehen hatte ich festgestellt, dass diese nicht meine Erika sein kann, die hatte den Mund zu, wie sollte ich das Ei da hinein bekommen.“ Sie erzählt die Geschichten so lebendig und Herz zerreißend.

„Eine ältere Dame, Luise hatte bei dem Besuch im Puppenmuseum in Niederlangen zum Beispiel ihre Puppe Annemarie wiedergefunden, die sie vor rund 65 Jahren bei der Flucht aus Schlesien zurücklassen müssen, weil die Mutter den Platz der Puppe mit Wurst und Brot für die Flucht füllte. Die Mutter versicherte ihrer Tochter, dass der Auszug nur vorübergehend sei und sie ihre Puppe bei ihrer Rückkehr unversehrt vorfinden werde.“ Bei ihren Besuch verharrte sie vor einer der Vitrinen. „Bitte, können Sie mir die Puppe einmal herausnehmen?“, habe die Frau gefragt. Uli Küppers gab ihr die Puppe, die am Bein der Stofffigur nach einem Tintenfleck zu suchen begann, den sie ihr damals versehentlich verpasst hatte. „Sie nahm das Püppchen in die Hand, hob vorsichtig das Röckchen hoch und musste sich setzen“, schreibt Küppers, die heute über diese Szene sagt: „Das war rührig hoch drei.“ Die Dame habe unter Tränen gesagt, sie wolle ihre Annemarie nun häufiger im Museum besuchen, kam aber nie mehr.

Puppenmuseum 25

Die Geschichte von Luise und ihrer Puppe Annemarie ist nur eine von 16, die Sie aufgeschrieben hat und die Sie in ihrem Buch „Geschichten aus der Puppenstube“ nachlesen können. Sie sagt, Puppen werden nicht gemacht, sondern geboren. Sie hätten einen Lebenslauf. Der Besuch ist eine Zeitreise durch die Geschichte der Puppenwelt. „Bei so vielen verschiedenen Puppen lacht ein jedes Kinderherz“, so Ulrike Küppers. Mit Jugend- und Kindergruppen führt sie ein Puppen-Such-Rätsel durch.

Der Eintritt ist frei, der Erhalt des Museums wird durch Besucherspenden finanziert. Spenden sind auch willkommen, um lädierte Puppen, die Frau Küppers aus ganz Deutschland geschenkt bekommt, liebevoll zu reparieren. Einmal im Monat findet zudem ein Puppencafé statt. Organisiert wird es von Uli Küppers und den Freunden des Puppenmuseums. Die Kaffeetafeln für Gäste können gegen Geld gebucht werden. Ein Team von insgesamt elf Frauen kümmert sich im Wechsel um die Bewirtung. Geöffnet hat das Puppenmuseum nach Bedarf, auch an Sonn- und Feiertagen nach telefonischer Voranmeldung unter 05933/923642. Das nächste Puppencafé mit Kaffee/Tee und selbst gebackenen Kuchen ist am 21.08., 11.09., 09.10., 13.11. und 11.12.2016 von 14.30 – 17.00 Uhr geöffnet.

Puppenmuseum 3

Ich hätte noch stundenlang die Püppchen betrachten und der Puppenmutti Uli mit den Geschichten über ihre Puppen zuhören können. So liebevoll und Herz erwärmend. Da fühlt man sich in seine Kindheit versetzt. Ich danke für die Unterstützung der Emsland Touristik GmbH.

Puppenmuseum 19

Fotos Gabriele Wilms

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Gabriele Wilms

Seit vielen Jahren beschäftige ich mich intensiv mit der Tätigkeit des Reisejournalistin und Bloggerin. Ich betreue Toureal als verantwortliche Chefredakteurin. Gut ein Drittel des Jahres bin ich daher für unser Reisemagazin unterwegs in den schönsten Hotels Europas.

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