ROTTAL TERME feierte 40. Geburtstag

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40 Jahre ROTTAL TERME wurde am 23. Juli 2016 mit einem Wassergottesdienst mit Heilwassersegen und Joachim Hermann als Festredner gefeiert. Mit Kannen und Kübeln fingen die Menschen im September 1973 das heiße Wasser aus den Tiefen des Urgesteins auf. Viel zu wertvoll war es, um es einfach versickern zu lassen. Denn die Heilwirkung des Wassers hatte längst die Runde gemacht.

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1618 Meter tief musste der Bohrkopf vordringen, um auf die Quelle zu stoßen. So tief, wie noch bei keiner anderen balneologisch genutzten Quelle zuvor. Dem ersten eruptiven Wasserausstoß waren Wochen des Hoffens und Bangens vorausgegangen. Doch nun eilten die Birnbacher – und viele aus der ganzen Umgebung – zur Quelle. Alle mittlerweile emotional höchst aufgeladenen Diskussionen um die 1 Million Mark (damals ein gewaltiges Vermögen) teure Bohrung waren schlagartig beendet, Freude und Erleichterung dagegen förmlich mit Händen zu greifen.

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Der heutige Ehrenbürger Hans Putz, seinerzeit an der Spitze der „jungen Wilden“, gerade ein gutes Jahr Bürgermeister und Initiator der ganzen Geschichte, betätigte sich als erster „Bademeister“, denn die Birnbacher Jugend hatte längst mit einem mausgrauen VW-Bus eigentlich ausrangierte Wannen an den Ort des Geschehens gebracht und das erste „Wildbad“ eröffnet. Es dauerte noch eine Weile, genauer gesagt bis zum 23. Juli 1976, bis das Bad Birnbacher Heilwasser aus der Chrysantiquelle in der in Form eines Rottaler Vierseithofes gebauten Rottal Terme ihr neues, natürliches Zuhause fand. Seither haben Hunderttausende hier Erholung und Linderung erfahren oder einfach nur ein Stück Lebensfreude „aufgetankt“.

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Jürgen Brauerhoch, Birnbachs Werbemann der ersten Stunde, wurde beauftragt, die Wirkungsweise des Heilwassers so zu beschreiben, dass man kein Wissenschaftler sein muss, um sie auf Anhieb zu verstehen. Er brauchte dazu keinen Aufsatz, sondern im Grunde war mit einer Überschrift alles gesagt: „Dieses Wasser hilft gegen Rheumatismus und Pessimismus“. Was sich flapsig anhört, wurde wissenschaftlich umgehend nachgewiesen und verbrieft. Nur elf Jahre brauchte der aufstrebende Ort, um zum „Bad“ geadelt zu werden – eine schier unglaubliche Geschichte, und so wurde vielerorts vom „Wunderkind der deutschen Bäderlandschaft“ gesprochen und geschrieben. Übrigens ist der Rottaler Kurort auch derzeit mit der Wissenschaft eng verbunden.

Ludwig-Maximilians-Universität München geht der Frage nach, ob man Burnout mit einem in Bad Birnbach entwickelten Präventionsprogramm vermeiden kann. Die ersten Zwischenergebnisse stimmen die Verantwortlichen mehr als zufrieden, denn sie übertreffen sogar die kühnsten Erwartungen.

Doch zurück in die jüngere Geschichte. In Birnbach ging man die Entwicklung mit großer Besonnenheit an. Ob es Zufall war, dass nur ein Jahr vor der Fündigwerdung der „Club of Rome“ die Grenzen des Wachstums thematisierte? Hier im südlichen Niederbayern wollte man jedenfalls keine grenzenlose Entwicklung. Ein ländliches Bad sollte es vielmehr werden. Eines, das nicht auf der „grünen Wiese“ stattfindet, sondern den historisch gewachsenen Ort sinnvoll ergänzt. Eines, das immer und überall Bezug auf die malerische Umgebung und die vorhandenen Strukturen nimmt statt diese zu sprengen. Nicht umsonst wurde die Keimzelle der Rottal Terme, ebenso wie zahlreiche Hotels und Pensionen, in Form eines Vierseithofes errichtet. Eines, von dem aus man in wenigen Minuten in freier Natur ist, ganz egal ob hinaus zu den flachen Rottauen oder hinaus ins sanfte Hügelland. Und eines, in dem das Heilwasser der Rottal Terme stets der Mittelpunkt ist.

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Heute, 40 Jahre nach Eröffnung der Rottal Terme, ist das ländliche Bad einer der erfolgreichsten Kurorte in der Bundesrepublik. Damals, 1986, wurde im naturbelassenen Kurpark, der in die Rottauen hinaus führt, der Löwenbrunnen errichtet. Drei steinerne, vom Birnbacher Bildhauer Gerhard Kopfhammer aus wertvollem veroneser Marmor gehauene Löwen „bewachen“ den Schatz aus den Tiefen des Urgesteins. Heute ist dieser Brunnen auch Bestandteil des Meditationsweges, der insgesamt sieben Stationen umfasst. „Quellen des Lebens“ heißt dieser Wegpunkt.

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Mit einem Wassergottesdienst, den der Bad Birnbacher Dekan Dr. Wolfgang Schneider und die evangelische Pfarrerin Pia Werner zelebriert wurde, wollte man daran erinnern, dass ein Bad im Heilwasser keine bittere Pille darstellt. Vielmehr kann das Heilwasser nicht nur körperliche Blessuren heilen oder lindern, sondern auch Balsam für die Seele sein. Die Kurseelsorge spielt deshalb von Anbeginn eine große Rolle im ländlichen Bad. Gleichzeitig soll es Mahnung sein, mit dem Heilwasser sorgsam und nachhaltig umzugehen, damit auch kommende Generationen davon profitieren können. Am Ende des Wortgottesdienstes werden die Geistlichen den Heilwassersegen spenden.

Fotos Gabriele Wilms

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Gabriele Wilms

Seit vielen Jahren beschäftige ich mich intensiv mit der Tätigkeit des Reisejournalistin und Bloggerin. Ich betreue Toureal als verantwortliche Chefredakteurin. Gut ein Drittel des Jahres bin ich daher für unser Reisemagazin unterwegs in den schönsten Hotels Europas.

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