Genusswandern in den Naturschatzkammern – den Herzkammern der Wandertrilogie

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Bei meinem Wanderbesuch im Allgäu zur Wandertrilogie, dem neu geschaffenen Netz von Wanderrouten, die den gesamten Allgäu wandertechnisch verbinden, hab ich verschiedene Etappen der Wiesengänger-Route besucht und erwandert. Ein Trilogieraum der Wiesengänger-Route sind die Naturschatzkammern und Bad Wurzach ist der Portalort für diesen Trilogieraum.

Tafeln der Wandertrilogie 1

Dies ist die entspannteste Route, da die Wanderwege fast immer auf der gleichen Ebene verlaufen und somit perfekt für Wanderanfänger und ältere Wanderer sind. „In den Naturschatzkammern des Allgäus verbirgt sich der Energiespeicher, den der Gletscher hinterließ: das Moor. Es ist nicht nur vielseitig einsetzbar, sondern auch Lebensraum für zahlreiche seltene, tierische wie pflanzliche Überlebenskünstler. Die Naturschatzkammern sind ein Reich der Extreme.“

In jedem Partnerort finden Sie ein unterschiedliches Wahrzeichen der Wandertrilogie auf dem Start- und Willkommensplatz. Die unterste Ebene stellt den Gletscher in Form eines Findlings aus Nagelfluhgestein, dem „Herrgottsbeton“, dar. Der untere blaue Würfel stellt das Segnet, das Symbol der Wandertrilogie, ein Steinmännle, was auch als Beschilderung der Wanderwege benutz wurde, dar. Darauf ruht der dunkelbraune Trilogieraum-Würfel der Naturschatzkammern, der das jahrtausende alte Mooreichenholz symbolhaft darstellt. Den Abschluss bildet der gläserne Ortswürfel von Bad Wurzach, der das blühende Wollgras des Wurzacher Rieds visualisiert.

Eingangsstele 2

An den Übergängen in eine neue Wanderetappe stehen die Eingangsstele, die dem Wanderer symbolisieren, dass eine neue Geschichte auf ihn wartet. Im hinteren Kurpark von Bad Wurzach besteht die Stele aus dem gleichen Material, wie der Trilogie-Würfel aus dem symbolischen Mooreichenholz und oben drauf thront die kleine Ausgabe des Ortswürfels mit dem Wollgras.

Petra Misch erklärt die G´schichtenbank

Jeder Trilogieraum hat eine eigene Bank, die sich durch den gesamten Raum hindurch zieht. In den Naturschatzkammern sind das die „G´schichtenbänke“, diese besteht aus verschiedenen Holzsorten, die die Schichten der Torfentstehung darstellen. Unten drin gibt es einen Sandstein mit einer eingefrästen Relief, die das Barock symbolisiert und damit die Verbindung der Schichten aus dem Wurzacher Ried und dem Stein, als Symbol für die Stadt, dem Barock in Bad Wurzach.

Nadeln am Trilogieplatz

An bestimmten Punkten, dem Trilogieplatz sind drei sogenannte Nadeln mit drei Geschichten aufgestellt. Dabei sind immer drei Geschichten, die sich hier verbergen, aufgepickt. Zum Beispiel in Bad Wurzach stehen zwei Trilogieplätze an der Wanderetappe. Im hinteren Kurpark erzählt die Stadt seine prägende Stadt- und Naturgeschichte: das Wurzacher Ried, ein Bad im Moor und der barocke Schatz Wurzach. Am Torflehrpfad am hinteren Riedsee des Wurzacher Ried steht die Geschichte des Moores auf den Nadeln: die Entstehung des Moores, das Europadiplom und der Torfabbau. Dabei ist jede Geschichte einmal in der langen Form, als erlebte Geschichte, einmal als Kurzform in Fakten und mit Bildern dargestellt. Die Geschichten der Wandertrilogie, des Trilogieraumes, sind in der Ich-Form eines selbst erlebten Erzählers sehr emotional geschrieben.

Bad Wurzach 1

Wir starten unsere Wanderung der Naturschatzkammern am Start- und Willkommensplatz in Bad Wurzach, hier geht es natürlich um das Thema Moor, was den Ort durch das Hochmoor Wurzacher Ried und seine Moorbadkultur prägte und heute noch prägt. Petra Misch, Leiterin der Tourist-Info erzählt uns als erstes die Geschichte.

Petra Misch erklärt das Wurzacher Ried

Geschichte der Naturschatzkammern

„Entdecken Sie die Schätze, die millionen Jahre geschaffen haben, die Naturschatzkammern sind die Herzkammern der Wandertrilogie. Sie hüten das reiche Vermächtnis der Gletscher in denen alles begann, das schwarze Gold – das Moor. Es geht hinein in die Natur auf den Spuren von Extremen, denn wer hier lebt, egal ob Tier oder Pflanze, muss ein einzigartiger Überlebenskünstler sein. Die Naturschatzkammern führen zurück zu kindliche Neugier, lassen Freude finden am Flug der Libelle, an den Farben einer untergehenden Sonne, die sich im Moorsee spiegelt, an der bunten Pracht an Blüten, die einem sonst nie begegnet sind. Schicht für Schicht dringt man tiefer in das Heiligtum der Schatzkammer ein, wandert durch das Wurzacher Ried. Es ist das größte intakte Hochmoorgebiet in Mitteleuropa. Es lohnt sich, seine Sinne zu aktivieren und sich allein auf das Sehen und Riechen zu konzentrieren oder auf das Fühlen, wenn das Moor in Form von Bädern und Packungen den eigenen Körper erwärmt. Neben dem Vermächtnis der Gletscher hat auch Kultur reiche Spuren in der Naturschatzkammer hinterlassen. Barocke Pracht lässt sich in den Schlössern und Kirchen von Bad Wurzach und Kißlegg finden. Sie vollendet damit das Meisterwerk, das die Natur einst begonnen hat.“

Die Wanderung führt uns am Kurpark vorbei zum Wurzacher Ried, am Ende des Kurparks finden wir die Eingangsstele aus dem Mooreichenholz und dem Würfel mit dem blühenden Wollgras, was wir im Moor dann noch in den ersten Zügen entdecken.

Hier finden wir auch den ersten Trilogieplatz mit den drei sogenannte Nadeln, die drei Geschichten der Stadt seine prägende Stadt- und Naturgeschichte erzählen, das sind Wurzacher Ried, ein Bad im Moor und der barocke Schatz Wurzach.

Wandern im Wurzacher Ried 1

Weiter geht unsere entspannte Wanderung zum noch intakten Hochmoor, dem mystischen Wurzacher Ried. Im Moor angekommen wandern wir auf den gekennzeichneten Wegen, dem Torflehrpfad und wir können verfolgen, wie sich die Natur, das Moor seinen Lebensraum zurück erobert. Früher wurde hier Torf gestochen, was man im Torfmuseum anschaulich verfolgen kann. Aber auch an mehreren Stellen im Ried sieht man noch Zeitzeugen, wie Loren des kleinen Torfbähnle, Werkzeugen und Schautafeln. Jetzt steht das Wurzacher Ried unter Naturschutz und es darf kein Torf mehr gestochen werden.

Es gibt heute noch am hinteren Riedsee, der durch das Torfstechen entstanden ist, ein Moortretbecken und gegenüber ein Kneipptretbecken, die man noch nutzen darf.

Am Riedsee finden wir den zweiten Trilogieplatz mit den drei Nadeln, die die Entstehung des Moores, das Europadiplom und der Torfabbau darstellen.

Moorsee 3

Gleich daneben auf der Ruheplattform kann man sich auf den G´schichtenbänken ausruhen, den Blick übern See oder das Ried schweifen lassen. Die Bänke haben extra keine Lehne, weil man den Gast keine Sitzrichtung vorschreiben möchte. Diese Bänke und besonders dieser Platz ist sehr beliebt zum Picknicken.

Wir gehen weiten und entdecken im Moor das blühende Wollgras, es fängt gerade erst an, aber ist schon richtig gut zu sehen. Wenn das Wollgras in voller Blüte steht, verwandelt sich das Moor in einen weißen Blütenteppich. Nun erklärt uns Petra anhand des Tormooses, wie eigentlich das Moor entsteht. Hochmoore entstehen durch das Wachstum des Torfmooses, die Wasser wie ein Schwamm speichern können, während sie an der Spitze ständig wachsen, sterben sie an der Basis ab und bilden Torf. Intakte Moore bedeuten CO² – Speicher und damit ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz.

Torfwirtschaft

Damit der Genuss nicht zu kurz kommt, sind wir nach unserer Wanderung in die urige Torfwirtschaft am Wurzacher Ried eingekehrt und haben uns regionale Köstlichkeiten schmecken lassen.

Als Übernachtungstipp in Bad Wurzach kann ich das Kurhotel Reischmann empfehlen, es wurde aus der ehemaligen Moor-Kur-Klinik in das Kurhotel umgebaut. Man kann hier tolle Mooranwendungen, wie zum Beispiel ein Moorbad im Holzzuber buchen, eine tolle Erfahrung.

Wollgras 4

Fotos Gabriele Wilms

Über den Autor

Gabriele Wilms

Seit vielen Jahren beschäftige ich mich intensiv mit der Tätigkeit des Reisejournalistin und Bloggerin. Ich betreue Toureal als verantwortliche Chefredakteurin. Gut ein Drittel des Jahres bin ich daher für unser Reisemagazin unterwegs in den schönsten Hotels Europas.

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