Weininsel im Wallis feiert – Weinwanderung, Weinstampfen und Weinfest

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Das walliser Weindorf Varen mit seinen 650 Einwohnern wird vom Weinbau dominiert und deshalb feiert es jedes Jahr seine Weinwochen. Der krönende Abschluss ist das Pfyfoltru – Weinfest, feuchtfröhlich feiern Einheimische und Gäste in den Weingütern mit Lifemusik. Es könnte die Walliser Antwort auf die Römischen Bacchanalien sein.

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Wanderung auf dem ¨Pfyfoltru-Weg¨

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Doch vor dem Feiern steht erst einmal eine Wanderung auf dem ¨Pfyfoltru-Weg¨, der 2004 eröffnet wurde, dem Thematischen Weinwanderweg auf dem Programm. Die Wanderung startet in Varen am Aussichtspunkt und so genießen wir einen traumhaften Blick über das Flußbett der Rhone und das Schutzgebiet. Unser Guide erzählt uns die wichtigsten Fakten zum Schutzgebiet, den Naturpark und den Wein. Hier fließt die Rhone etwas wild und bekommt noch etwas Land dazu, um sich frei zu bewegen, sich hin und her zu schlängeln zu können. Mit dem Naturpark schützen sie den Flußlauf, die Auenzonen am Fluss. Immer wieder wachsen Pflanzen, wie zum Beispiel kleine Pappeln am Ufer und dann kommt die Rhone und schwemmt es wieder weg, ein Kreislauf der Natur. Über allem schwebt der Pfyfoltru – der Schmetterling, als Symbol für Varen – die Weininsel im Wallis.

Wir starten zur Wanderung und es geht mitten in die Weinberge der Pfyfoltru-Winzer. Pfyfoltru ist keine neue Rebsorte, sondern das Symbol der örtlichen Winzer von Varen, es ist das Wallisische Wort für Schmetterling. Damit drücken die Pfyfoltru-Winzer ihre Naturverbundenheit aus. Mit den natunahen Weinen garantieren die Winzer des schweizer Weindorfes integrierten Anbau mit Begrünung, Mengenbeschränkung und einem naturnahen Anbau, der nur mit natürlichen Produkten erfolgen darf. Früher war es Ackerland und es gab vielleicht 2-3 Reben, als Anfänge für den Weinbau. Heute wird auf 132 Hektar Rebfläche Wein angebaut, davon 85% rot Trauben. Es ist das zweitgrößte Weinbaudorf im Oberwallis.

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Mit war bis zu dieser Wanderung nicht klar, dass in der Schweiz so viel Wein angebaut wird. Es geht auf dem Asphaltweg, was nicht ganz so schön, aber nicht zu ändern war, immer stetig bergauf und ich komme doch recht gut ins schnaufen. Dabei genießt man einen tollen Blick auf den Pfynwald uns das Rhonetal. Wenn ich mit die Weinhänge so anschaue, stelle ich doch fest, dass diese richtig steil sind und wir fragen uns, wie diese bearbeitet werden. Später erfahre ich dann, dass das garnicht so steil sei, man beginnt oben und geht zum Beispiel bei der Ente rückwärts nach unten. Naturnahe Beareitung ist zum Beispiel die Bekämpfung des Trauenwicklers auf natürliche Weise, es werden Kapseln mit einem Sexualwirkstoff aufgeängt und der bringt die Tiere durcheinander und sie können sich nicht fortpflanzen. So werden Vögel, wie der Gartenrotschwanz angesiedelt, dieser frießt gewisse Schädlinge der Reben.

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Dank der begrünten Rebberge und der gepflanzten Hecken und Sträucher finden Insekten, Käfer und Schmetterlinge ein zu Hause und können beobachtet werden. Gegen Essigfliegen werden die Trauben mit einer Kalkfarbe weiß angestrichen. ¨Es werden keine Pestiziede verwendet, denn das Gift geht in die Traube und dann natürlichh in den Wein, wer hat schon Lust Pestiziede zu trinken¨, so unser Guide Armin Christen. Er ist als Projektleiter für Umwelt, Bildung im Naturpark zuständig. Diese Wanderungen kann man beim Tourismusverein Leukerbad anmelden. Der Naturpark hat 274 Quadratkilometer.

Unter dem Motto ¨Mit Walliser Winzern wandern und mehr über den edlen Tropfen erfahren¨ organisieren die Varner Weinauern jede Woche bis zum Weinfest eine Rebwanderung und Fachgespräche unter Experten. Diese Wanderung bietet auch der Winzer Andy Varonier vom Weinkeller C. Varonier und Söhne an. Ein tolles Angebot von den Winzern ist ¨Wein und Kultur¨, da werden nicht nur Wanderungen, Degustatiionen, zeigen den Umgang mit alten Werkzeugen, Besuch der Winzer und mit Ihnen arbeiten. Der „natürliche“ Rundweg, der ¨Pfyfoltru-Weg¨ verläuft an der Kirche vorbei, durch die Rebberge, entlang einer Wasserleitung, durch Flaumeichen- und Föhrenwäldchen und zurück ins Dorf Varen. Es ist ein Lehrpfad, der diese Naturvielfalt von allen Interessierten hautnah erleben lässt.

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Auf 900 Meter angekommen, dies ist der höchste Teil der Weinberge, empfängt uns ein Winzer mit einer ¨Wimdersuppe¨ – einer Weinlesesuppe, die nach all der Anstrengung richtig gut tut und sie hat zudem auch noch gut geschmeckt. Die Reben werden über zentrale Wassersammler gewässert, dies erfolgt über Tropfenwässerung, wobei man den Reben tropfenweise das Wasser zuführt. In dieser Region ist Kalkboden, das Wasser geht in den Boden und kommt ca. 100 m tiefer wieder raus, das heißt die Wurzel bekommt kein Wasser. Das Wasser wird über Suonen zugeführt, die schönste Suone ist Varner Zwone. Sie holt das Wasser im Tal von der Rasti und führt es auf etwa 1000 m über 20 km. Suonen sind ein ganz altes System, Wassergräben. Es gibt auch Suonenwanderungen, bei dennen man einfach an den Wasserleitungen, den Suonen entlang läuft, diese sind schön gemütlich auf einer Ebene.

Weinwanderung mit irischen Sänger.jpg

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Bei dem wunderschönen Abstieg, also wieder ins Wandern, habe ich den traumhaft schönen Blick genossen. Die Wanderung war etwas anstrengend, aber wunderschön.

Traditionelles Weinstampfen auf dem Dorfplatz

Weinstampfen 2

Im Weindorf Varen angekommen ging es gleich zum tratitionellen Weinstampfen auf dem Dorfplatz. Zwei Gruppen, eine Schweizer und eine Russische, stampften mit je drei Mädels in einem Bottich die frisch geernteten Trauben zu Saft. Der der den meisten Saft mit den Füßen aus den Trauben gestampft hat, hat am Ende gewonnen. Sieger dieses Wettkampfes war am Ende das russische Team.

Degustations-Workshop

Nächster Programmpunkt war ein Degustations-Workshop mit dem Winzer Andy Varonier aus Varen.

Degustations-Workshop 2 Andy Varonier

Wie degustiert man Wein? Zuerst mit dem Auge, der Nase und der Gaumen. Das Auge schaut, ob der Wein klar ist, dann den Wein riechen und schmecken – drei Phasen der Degustation.

Degustations-Workshop 1

Als erstes werden uns zwei Weinproben der gleichen Frucht, dem Johannes, lokaler Silvaner. Kaum eingeschenkt wollen die ersten Gäste gleich trinken, gleich protestiert der Winzer und alle lachen. Nach der Probe der zwei eingeschenkten Weine habe ich einen erheblichen Unterschied festgestellt. Im Wallis werden die Weine traditionell zweimal verkoren, dadurch hat dieser Wein weniger Säure und ist nicht so fruchtig, wird eher flach. Bei nur einer Gärung ist der Wein lebendiger, frischer und fruchtiger. Bei der zweiten Vergärung verliert der Wein an Primäraromen, damit er mehr an Sekundäraromen und Tertiäraromen erhält. Primäraromen sind fruchtige und Blütenaromen, sie stammen von der Traube und hängen von der Lage und Rebsorte ab. Sekundäraromen stammen aus der alkoholischen und der Milchsäuregärung. Sie hängen von der Gärdauer und –temperatur und den eingesetzten Hefezellen ab. Tertiäraromen entstehen durch die Oxidation beim Ausbau in Holzfässern und Reduktion bei Ausbau unter Luftabschluss. Ursachen sind das Altern des Weines und die Flaschenlagerung. Bei nur einer Vergärung lassen die Winzer ein wenig Restzucker stehen, der deckt die Spitze der Säure ab und die Säure macht, dass der Wein durch den Zucker nicht klebrig wird. Die Säure wird gut kaschiert. Mit nur einer Vergärung eignet sich der Wein gut zum wegtrinken, zum Beispiel an lauen Sommentagen. Mit zwei Vergärungen ist er perfekt als Weinbegleitung zu Käsefondue. Walliser Wein ist traditionell zu 95% zweimal vergoren.

Beim Riechen von Wein unterscheidet man in fünf Gruppen: 1.den Fruchtigen Aromen, 2.die Blütenaromen, 3.vegetarischen und würzigen Aromen, 4.tierischen Aromen, 5.die Röstaromen. Wenn man an diese 5 Gruppen denkt, kann man einfacher ausschließen, wonach es nicht riecht und somit besser den Geruch des Weines bestimmen. Ich muss zugeben, das fällt mir immer besomders schwer, genau wie oich kaum eine Frucht beim Wein heraus schecken kann. Mir schmeckt Wein oder eben nicht.

Als weiterer Schritt wird versucht Aromen zu schmecken, an Hand von Listen kann man dies bestens bestimmen, was schmeckt man, wonach könnte dies schmecken. Sehr schwierig.

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Zum Schluß der Mythos ¨kleines Glas – großes Glas¨ mit dem Aushängeschild von Varen, der Pinot Nior. Im kleinen Glas wirkt der Wein intensiver, es ist eine größere Konzentration der Alkoholdämpfe vorhanden. Im großen Glas hat man dies weniger, es können mehr Aromastoffe an die Luft gelangen, die Alkoholdämpfe verfliegen etwas. Dadurch schmeckt der Wein im großen Glas eindeutig besser. Man sollte zum Wein immer Wasser trinken, denn der Alkohol entzieht dem Körper Wasser und wenn man zu wenig Wasser trinkt hat man am nächsten Tag Kopfweh.

Varener Pfyfoltrufest – Weinfest

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Beim Varener Weinfest zieht man von Weinkeller der ortsansässigen Winzer, alle haben Lifemusik und jeder bietet eine andere Walliser Spezialität an, dazu Pfyfoltru-Weine. Insgesamt beteiligen sich 8 Weinbauern an dem Fest. Das Fest ist sehr familiär, ist klein und soll klein bleiben. Bereits seit 1992 setze die Varener Weinbauern auf naturnahen Anbau und schufen d „Pfyfoltru-Pinot-Noir“, einen Wein mit höchsten Ansprüchen. Jedes Jahr prüft eine Kommission die eingereichten Weine und nur der der den Ansprüchen genügt, darf unter dem Label verkauft werden.

Man kann auf dem Fest mit den Winzern sprechen, da diese alle vor Ort sind. So nutzten wir dies zum Beispiel mit dem Jungwinzer Andy Varonier vom Weingut C. Varonier und Söhne. Der Familienbetrieb Weingut C. Varonier und Söhne wurde am 1. Oktober 1969 als eine der ersten Kellereien in unserem Weindorf gegründet. Die Kellerei ist vom Gründer Cäsar Varonier sen. ins Leben gerufen, welcher damals viel Elan, Fachwissen und den allseits geschätzten Umgang mit Traubenproduzenten und Weinkonsumenten an den Tag legte. Mit unermüdlichem Fleiß und viel Liebe zur Rebe und dem Wein hat er sein Lebenswerk geführt und zu einem erfolgreichen Betrieb aufgebaut. Diese florierende Kellerei durften dann seine vier Kinder übernehmen. Und heute führt es sein Enkel Andy Varonier in seinem Sinn weiter. Sie produzieren Qualitätsweine, aus fruchtigem Traubengut, herangewachsen an bestgelegenen Hängen, golden und aromatisch gereift durch Einwirkung der vielgepriesenen Walliser Sonne. Ein Erlebnis der ganz besonderen Art ist der alte, urchige Walliser Wein-Keller mitten im Dorf Varen. Er befindet sich in einem der ältesten Häuser im Dorfkern und ist in seiner urtümlichen Art belassen.

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Andy Varonier ist das Winzerblut in die Wiege gelegt worden. Er ist die dritte Generation, der Enkel des Firmengründers und wollte den Winzerberuf eigentlich nicht machen. Nach der Karriere als Profifußballer, die er 1998 beendete, studierte er in Dänemark Betriebswirtschaft mit dem Schwerpunkt int. Marketing. Von 2001 bis 2010 war er bei einem japanischen Autohersteller im Europäischen Hauptsitz in Deutschland in Leverkusen tätig. Im Juli 2010 kehrte er in die Schweiz zurück und übernahm die Geschäfte der C. Varonier und Söhne in Varen. Der Pfyfoltru-Wein des Winzers ist richtig gut und süffig, wie man so schön sagt. Die Livemusik am Keller macht richtig Stimmung, die Gäste tanzen und feiern, Wein fließt in Strömen, es macht einfach Spaß.

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Wir besuchen noch andere Kellereien, so wie das der Wenger Weine. Hier sahen wir den Iren, der auch bei der Weinwanderung dabei war. Er sang mit der Gitarre live und hat die Gäste fantastisch unterhalten. Die Gäste haben mit gesungen und dazu getanzt, eine tolle Stimmung. Zum Schluss fährt ein Bus nach Leukerbad die Gäste des Festes zu festen Zeiten heim.

irischer Sänger auf dem Weinfest in Varen

irischer Sänger auf dem Weinfest in Varen

Fotos Gabriele Wilms

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Über den Autor

Gabriele Wilms

Seit vielen Jahren beschäftige ich mich intensiv mit der Tätigkeit des Reisejournalistin und Bloggerin. Ich betreue Toureal als verantwortliche Chefredakteurin. Gut ein Drittel des Jahres bin ich daher für unser Reisemagazin unterwegs in den schönsten Hotels Europas.

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