Iguazú: Das wahrscheinlich schönste Naturdenkmal der Welt Teil 2

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Im Park und bei den Wasserfällen (argentinischer Teil), zum Nationalpark Iguazú („Parque Nacional Iguazú“) sind es von der Stadt Puerto Iguazú rd. 18 km, keine 15 Minuten mit Taxi oder Bus. Nach den üblichen Formalitäten – Tickets kaufen, sich mit ordentlich! Wasser eindecken, den Parkplan studieren – kann man, und dies sollte vielleicht vorher überlegt werden, verschiedene Wege wählen, um zu den Hauptfällen zu kommen.

(14) Cover Buch Cataratas del Iguazú

Gut: Alles ist hervorragend organisiert, gut angelegt, sauber gewartet. Die Parkwächter sind sehr freundlich, hilfsbereit und aufmerksam. Allerdings sind spanische oder portugiesische, mindestens englische Sprachkenntnisse unumgänglich, wenn man sich etwa im Besucherzentrum Yvyrá Retá („Land der Bäume“ auf Guaraní) mit angeschlossener Erste Hilfe-Station erkundigen will.

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Eingang zum argentinischen Nationalpark Iguazú

Ivan vom Tourismusbüro erklärt die Wege im Park

Besucherströme. Natürlich sollte man sich klar darüber sein, dass es immer Tausende von erlebnishungrigen Menschen sind, die das gleiche Motiv wie man selbst verfolgen – sie wollen dieses einzigartige „Bauwerk“ der Natur bewundern – und fotografieren oder filmen, oder beides, mit Hilfe aller möglichen technischen Medien. Im Jahr 2015 kamen sage und schreibe 1,5 Millionen Besucher allein zum argentinischen Teil der Fälle! Man hat die Katarakte also definitiv nicht für sich allein, es sei denn, man geht sehr sehr sehr früh dorthin, und einige viele andere Menschen könnten natürlich auf die gleiche Idee kommen. Der Park öffnet jedenfalls um 9.00 Uhr, Eintritt umgerechnet rd. 20 €.

Wann auch immer man in den Park geht, ab Mittag wird es sehr heiß und eine Stunde später sogar unerträglich heiß, und so viel Sonnenschutz mit Faktor 50 kann man gar nicht nachtragen, dass man nicht doch einen Sonnenbrand riskiert. Mindestens genauso wichtig wie der Sonnenschutz ist der Schutz vor den Insekten, die von Haus aus stech- und sauglustig sind. Dagegen gibt es einheimische Produkte, deren Beschreibung von Inhaltsstoffen man vielleicht nicht so genau anschauen sollte, jedenfalls sind sie sehr wirksam…

UNESCO. Dem Nationalpark wurde schon 1984 von der UNESCO der Titel Welt(nature)erbe verliehen. Kriterien dafür waren und sind u.a., dass es sich um “überragende Naturerscheinungen oder Gebiete von außergewöhnlicher Naturschönheit und ästhetischer Bedeutung” handelt und um “außergewöhnliche Beispiele der Hauptstufen der Erdgeschichte dar, darunter der Entwicklung des Lebens, wesentlicher im Gang befindlicher geologischer Prozesse bei der Entwicklung von Landschaftsformen oder wesentlicher geomorphologischer oder physiogeografischer Merkmale”. – Das kann man für den Fall von Iguazú nur unterstreichen.

(19) Park ARG Map

Insgesamt nimmt der Nationalpark eine Fläche von beeindruckenden 68.000 Hektar ein. Der interessanteste Teil ist natürlich die Region um die weltberühmten Wasserfälle. Das sind 20 größere und über 250 kleinere Wasserfälle, zwischen 64 und 82 Meter hoch. Das Einzigartige aber ist die enorme Länge der Wasserfälle, sie erstrecken sich nämlich über einen Bereich von rd. 2.700 Meter. Ungefähr drei Viertel der Fälle liegen auf argentinischem Staatsgebiet.

Alles dieses kann man beim besten Willen im Rahmen eines normalen Besuches nicht erkunden. Also macht es Sinn, sich auf den empfohlenen Routen zum Zentrum durchzuschlagen. Der Vormittag im Parkgelände sollte daher dem „Unteren Rundgang“ (Circuito Inferior) gewidmet sein, der etwa 1.400 Meter oder anderthalb Stunden durch dunkelgrüne Wald- und Berglandschaften an ‚einfachen’ Wasserfällen mit Namen wie Salto Alvár Nunze, Salto Lanusse vorbei führt – auf nicht immer problemlosen Wegen. Die sind aus dem Felsen herausgehauen und häufig glitschig.

an vielen kleineren und mittleren Wasserfällen vorbei

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Aussichtsplattform auf dem Weg zu den Cataratas

Endlich an den Cataratas angekommen

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Blick auf den Rio Iguazú und die Wasserfälle

Nach etwa anderthalb Stunden erreicht man den Fluß Iguazú. Dort wartet eine gut organisierte Mannschaft der Firma Iguazú Jungle Boat Tours, um die erlebnishungrige internationale Besucherschaft in 20 Personen fassenden Booten auf einen heißen Ritt, eigentlich eher kühlen Ritt, durch kleine und schließlich größere Strudel so nahe an die Fälle, genauer: an den Wasserfall der Drei Musketiere (Salto Tres Mosqueteros) heranzubringen, dass die Sache doch etwas beängstigend wird und unmittelbar einleuchtet, warum jeder Mitfahrende life-jackets bekommt – und auch einen seefesten Sack für alle Sachen und Wertsachen, die man dabei hat. Brillenträger sind aus nahe liegenden Gründen etwas benachteiligt.

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Anlegestellte der Boat Tours, Ausgabe der Regenschutzbekleidungen

Fotos machen ist möglich, aber nicht ganz einfach und Wasserspritzer auf der Kamera sind garantiert. Je nach Wasserstand landet man auch die kleine Insel Isla Martin an. Die Wassertour, spannender als jeder Waterride in den Freizeitparks, geht alle 20 Minuten von 9 bis 17 Uhr los und dauert rd. 12 Minuten. Kranke (neurologische, orthopädische, kardiologische Probleme), Schwangere oder behinderte Personen dürfen verständlicherweise nicht mitfahren.

Start der Boat Tour

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ADVENTURE BOAT TOUR auf dem Rio Iguazú

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Rückweg von der Tour

Danach ist eine Mittagspause im großen, schattigen, kühlen, aber fast immer vollbesetzten Bufett-Restaurant El Fortin angebracht, bevor es zum Bahnhof Teufelsschlund (Estación Garganta del Diablo) geht.

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Snackpause am Bahnhof

Dort nimmt man einen Snack zu sich, während man auf die kleine, alle 20 Minuten fahrende Bimmelbahn Tren de las Cataratas oder Tren Ecológico de la Selva wartet. Der Preis ist im Parkeintritt inbegriffen, das Bähnchen viersitzig, hat etwa 10 Wagons, alles ziemlich gemütlich-rustikal, oder anders formuliert, eher zum Einschlafen, und damit geht es zum Highlight, dem argentinischen Teil der Fälle, die über 80 Meter hoch sind.

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Station Estación Garganta del Diablo und Bimmelbahn Tren

Nach den unumgänglichen Vorbereitungen (Regengewand anlegen, Kamera schützen) auf dem Paseo Garganta del Diablo, einem künstlich angelegten, etwa 1,1 kilometerlangen gegitterten, übrigens behindertengerechten Weg über erst träge dahinfließendes Wasser und dann immer weitere und wildere Ströme gelangt man nach etwa einer drei Viertel Stunde zum End- und Aussichtspunkt, und jetzt gibt es eine echte Belohnung: den Teufelsrachen oder Teufelsschlund. Die fantastische Sicht auf hunderttausende Tonnen von Wasser, die in einem riesigen Loch irgendwohin verschwimmen, hat nur einen Nachteil: tausende anderer Menschen wollen genau das gleiche Erlebnis haben, und von diesen wollen geschätzt 190% die üblichen Fotos einschließlich der nervigen Selfies machen, was immer wieder zu regelrechten Staus führt. Aber so ist das Leben, „asi es la vida“, man muss sich damit abfinden.

Auf dem Weg zum Teufelsschlund werden die Gewässer zunehmend wilder

keine Angst, die Wege sind gut ausgebaut

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der teuflische Schlund

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einzigartig der Teufelsschlund

Fotografieren vor dem Teufelsschlund in den verrücktesten Posen

Der „teuflische Schlund“ (auf Spanisch: Garganta del Diablo), ist sehr beeindruckend, aber auch sehr beängstigend und es wird unmittelbar erklärlich, warum die indigenen Einwohner, die Guaraní, überall, nur nicht hier wohnen wollten – das konnte schließlich nur ein Ort von sehr bösen Göttern sein, die sich so was ausgedacht hatten.

Auf diesen Park-Infos sieht man die Länge der Wasserfälle und Bild rechts (25) den Teufelsschlund

Der Weg zum Teufelsschlund ist zweifellos der spektakulärste von allen. Wer aber will, kann sich dann am Frühnachmittag noch auf einen weiteren Trail (den Circuito Superior oder Oberen Weg) machen, der 650 m lang ist und zu den äußeren Fällen (mit Namen Bosetti, Adam & Eva, Bernabé Mendez und Mbigua) führt, mit dem Nachteil, dass man natürlich auch wieder zurück gehen muss. Noch einmal: Wer die Idee hat, alles sehen zu wollen, sollte bedenken, dass es präzise 275 kleine und große, schmale und breite Wasserfälle sind, die verzeichnet sind.Die meisten Leute sind aber mit dem Erlebnis Garganta del Diablo überaus zufrieden – und außer¬dem auch so durchgenässt, dass sie gerne zum Ausgang gehen. Natürlich gibt dort Souvenirshops.

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Achtung, verfressene Nasenbären!

Achtung, verfressene Nasenbären! Vor einer Gefahr wird zurecht besonders im Park gewarnt: den Affen und den Coatí(e)s (südamerikanischer Nasenbär). Beide sind absolut nicht menschenscheu, überaus verfressen und betrachten viele Gegenden im Park als ihr Revier, mit anderen Worten, sie neigen nicht unbedingt dazu, Besitzverhältnisse der Parkbesucher an deren Essen zu respektieren. Es wird eindringlich geraten, vor allem die Coatís (30 cm groß, 40-70 cm lang) nie und nimmer zu füttern, und schon gar nicht zu ärgern, auch, weil sie sehr scharfe Zähne haben, die sie hemmungslos einsetzen können.

(40) _The Mission_ PLAKAT“MISSION”: Viele Leute kennen die Wasserfälle womöglich auch von einem Spielfilm her, mit Jeremy Irons und Robert de Niro in den Hauptrollen, Regie Roland Joffé: “(The) Mission” (1986).

Das “2001 Filmlexikon” schreibt darüber: “Das Schicksal einer 1750 von Jesuiten im südamerikanischen Urwald errichteten Missionsstation vor dem Hintergrund politischer Machtkämpfe und der taktischen Position eines von Rom entsandten Kardinals. In epischer Breite langsam entwickeltes Drama, das deutlich ethische Ansprüche formuliert und seine filmischen Mittel auf bemerkens¬werte Weise beherrscht. Erstaunlich differenziert in der Darstellung des inneren Konfliktes.” Die Dreharbeiten fanden am argentinischen Bereich der Iguazú-Wasserfälle statt. (Eine besonders eindrucksvolle Szene zeigt, wie ein Missionar von den Indios an ein Kreuz gebunden und die Fälle hinuntergeworfen wird. Das kommt aber heute nicht mehr häufig vor..)

Text und Fotos Manuel Stephan

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