Raffinierte neue Radl-Ideen – beim „Fahrradsommer 2016“

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Radwandern, Radurlaub, Radtourismus ist in. Ein Rückgang des Interesses ist überhaupt nicht festzustellen. Das Wichtigste dafür und dazu sind die Räder. – Gibt es denn noch was Neues bei Fahrrädern? Aber ja, – und eine Menge!

My Afram Speedhub Bambusrad, Foto © Manuel Stephan

My Afram Speedhub Bambusrad, Foto © Manuel Stephan

Die beste Gelegenheit, eine kluge Auswahl der Neuheiten kennenzulernen, ist die Presse-veranstaltung Fahrradsommer von Gunnar Fehlaus pressedienst-fahrrad. Sie gilt als Geheimtip unter den münchener Sport- und Freizeitjournalisten, weil Gunnar Fehlau nun wirklich ein ebenso authentisches wie unterhaltsames Talent ist und es mit wenigen Worten schafft, die zentralen Features der Novitäten rüberzubringen. Die Veranstaltung findet immer kurz vor der Friedrichshafener Fahrradmesse EuroBike statt, in München auf dem Außengelände der Pizzeria RIVA (die, um das mal gleich zu sagen, einige der besten Pizzen bereitet, die man in München finden kann).

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Aber nun zu den Novitäten, und weil wir auch nicht alles anführen können, hier eine subjektive Auswahl:

Das Stadtrad „My Afram Speedhub“

Das erste Fahrrad aus nachwachsendem Rohstoff ! wurde vorgestellt. Sein Rahmen besteht nämlich aus Bambusrohren (geringes Gewicht!). Die Fertigung geschieht per Hand (!) in Ghana, und die Reinverdienste kommen einem sozialintegrativen Projekt (Schulstipendien) zugute. Das Rad wird importiert und ist nun nicht, wie man finanziell denken könnte, das absolute Schnäppchen, weil es nämlich ungefähr 80 Arbeitsstunden braucht, bis der Rahmen fertiggestellt ist. Und die schlagen auch in Schwarzafrika zu Buche. Die Endmontage findet in Kiel beim kleinen Startup My Boo statt.

My Afram Speedhub Bambusrad, Foto  © Manuel Stephan

My Afram Speedhub Bambusrad, Foto © Manuel Stephan

Für umweltbewusste Konsumenten ist es eine interessante Alternative. 14-Gang-Nabenschaltung von Rohloff und Scheibenbremsen; auf Wunsch LED-Lichtanlage von Busch & Müller, Schutzbleche und Gepäckträger. Jedes Rad ist ein Unikat und kostet ab 3.199 Euro. Lieferbar ab Januar 2017 (Rahmenhöhen 48, 52, 55, 58, 61 cm); Gewicht: ab 13,5 kg Hersteller: My Boo, Kiel. „Mit Bambus werden Gerüste gebaut, ganze Häuser. Warum nicht auch Fahrradrahmen?” (Gunnar Fehlau)

Xduro Downhill Pro

Ständig werden neue Arten von elektrifizierten Mountainbikes entwickelt und eine neue GANZ spezielle Art ist das Xduro Downhill Pro von Haibikes. Dazu Arne Bischoff vom pressedienst-fahrrad: „Das „Xduro Dwnhll Pro“genießt eine Sonderstellung auf dem Markt der E-Mountainbikes. Denn ein Downhill-MTB mit den fahrdynamischen Möglichkeiten, die eine Doppelbrückengabel und 200 Millimeter Federweg bieten, über längere Strecken entspannt bergauf zu bewegen, war bis dato absolut undenkbar. Zu schwer, von der Übersetzung zu eingeschränkt, von den Winkeln zu abfahrtsorientiert. Der elektrische Rückenwind ändert nun alles. Er ermöglicht, die Abfahrtsleistung eines reinrassigen Downhill-Rades auch ohne Liftunterstützung oder Shuttle-Fahrzeuge zu genießen. Haibike festigt damit die Bedeutung des E-Mountainbikes als gleichberechtigter Spielart neben dem klassischen Geländevelo.” So etwas hat natürlich seinen Preis. Ziemlich genau 8000 Euro muss man anlegen, wenn man diesen besonderen Fahrspass geniessen will. (Ab Herbst 2016 erhältlich)

Xduro Downhill Pro © Christoph Hain

Die „Laube“

Achtung! Zum ersten Mal wird es möglich, ein Fahrrad im ICE mitzunehmen – und das ist höchst nützlich, weil man in diesem Zug ordentlich Zeit sparen kann, wie man kaum auszuführen braucht. Möglich macht das eine spezielle, sagen wir vereinfacht, Tragetasche, die in der Terminologie der Bahn als eine Art Gepäckstück metallischen Inhaltes aufgefasst wird und von daher auch im ICE zulässig ist. Die Transporttagetasche heißt „Laube“, wiegt nur 460 Gramm, ist gefertigt aus schwarzem Polyester (Größe 170 x 107 cm) und in leerem Zustand schnell zusammenrollbar – ein nützliches Zubehör für Falträder aller Art. Ab Frühjahr 2017 für 89 Euro erhältlich. Hersteller: Fahrer Berlin.

Faltrad in die „Laube“, Fotos © Christoph Hain, Manuel Stephan

„OI BICYLCLE BELL“

Was braucht der coole Radfahrer von heute, damit er bemerkt wird (und die Verkehrspolizei bei ihren Kontrollen nichts zum Beanstanden findet) ? Richtig, eine ordentliche Klingel. – Nein, eine elegante, eben coole Klinge! Hier ist dem australischen Hersteller Knog eine interessante Innovation geglückt mit der neuen elektronischen „OI BICYLCLE BELL“; sie ist nur 15 mm schmal und ringförmig. Ab Oktober 2016 in fünf Farben und zwei Durchmessern erhältlich und kann damit an allen gängigen Lenkerdurchmessern und -formen montiert werden. Praktisch für Freunde des Rennlenkers ist die Aussparung im Klemmbereich, so kann die Klingel fest montiert werden, ohne Schalt- oder Bremszüge einzuklemmen. Preis 19,90 Euro – “Nie fügte sich eine Klingel so dezent ins Cockpit ein. Wir sind Zeugen bei der Geburt eines Design-Klassikers. Der Platz im MoMa oder in der Pinakothek kann jetzt schon einmal freigeräumt werden. Diese Klingel wird eine Stilikone werden!” (Gunnar Fehlau)

Oi-Klingel, Foto © Christoph Hain

Oi-Klingel, Foto © Christoph Hain

Packster

Das Interesse an E-Bikes nimmt (sehr stark zu), alle möglichen Typen sind schon oder kommen auf den Markt. Ein neues Thema sind E-Cargo-Bikes. Der Darmstädter Hersteller Riese & Müller hat mit dem “Packster” ein Long-John-Lastenrad vorgestellt. Bei diesem Typ ist die Ladefläche zwischen Lenker und Vorderrad. Es gibt zwei Varianten mit größeren Ladeflächen, die sich werkzeuglos an unterschiedliche Transporteinsätze anpassen lassen. Die Grundfläche der größeren, für den profess-sionellen Einsatz gedachten Langversion nimmt quer sogar eine Europalette auf. Weil die Ladefläche des Packsters keine seitliche Begrenzung durch Rahmenrohre aufweist, sind zwei großzügige Kindersitzplätze nebeneinander möglich. Der Wendekreis ist relativ klein. Das Packster ist in beiden Längen als 25- und 45-km/h-Pedelec mit zwei verschiedenen Ausstattungen ab Herbst 2016 und ab 3.999 Euro erhältlich, die Langversion kostet jeweils 100 Euro Aufpreis. – Multioptional verwendbar, entweder um Kinder zu transportieren oder professionell Lasten zu bewegen. Eindrucksvoll.

Das „Packster“, Foto  © Manuel Stephan

Das „Packster“, Foto © Manuel Stephan

Überhaupt ist das Thema Cargo ein kleiner Schwerpunkt in diesem Jahr. Viele Hersteller haben sich Gedanken darüber gemacht, wie man der Menschheit helfen kann, die immer mehr irgendwelches Gepäck mit sich rumtragen, besser gesagt, rumtransportieren muss. (Und das meint nicht nur Kindergartenkinder – um das derzeit gefühlt häufigste „Gepäck“ zu nennen.) Da gibt es zum Beispiel den hübschen neuen „Cargo Touring Cover“ vom Anhängespezialisten Croozer mit 110 Liter Volumen.

Anhänger Cargo Touring Cover, Fotos © Christoph Hain, Manuel Stephan

Bei voller Last braucht der Touring natürlich eine gute Zugmaschine, wie z.B. das Alltags-/Reiserad „Cross 7005 Pinion“ des süddeutschen Herstellers Velotraum – ein schönes prototypische Beispiel für ein möglichst wartungsarmes Alltags- oder Reiserad. Bemerkenswert: Die 18 Gänge des Pinion-Stirnradgetriebes werden im Gehäuse in der Mitte des Rahmens geschaltet, wo es geschützt vor äußeren Einflüssen seine Arbeit tun kann. Die dort gewählte Übersetzung wird per Gates-Carbonriemen an die Hinterradnabe übertragen, der, anders als ein Kette, nicht geölt oder nachgestellt werden muss und deutlich länger lebt als der Gliederstrang aus Stahl. Gewicht ab 13 kg.“Das Cross 7005 Pinion dokumentiert in dieser Ausstattung, was möglich ist beim Fahrrad. Von dieser Funktionalität, Wartungsarmut, Effizienz und Haltbarkeit konnten wir vor zehn oder 20 Jahren nur träumen”, meint Gunnar Fehlau, pressedienst-fahrrad). Das Rad ist bereits verfügbar, individuell konfigurierbar und startet preislich bei 3.750 Euro.

Fotos © Velotraum, Christoph Hain

Die „Rack-Box“

Noch mal zum Thema Lasten: Die „Rack-Box“, eine neue Kühl-Cool-Box von Ortlieb, isolierende und lebensmittelecht, natürlich wasserdich, hat 18 Ladevolumen und nimmt bis zu 10 Kilogramm Ladung auf. Dieses Utensil für Einkauf und Picknick lässt sich mittels eines speziellen Adapter auf nahezu jedem Gepäckträger mit einer Plattformbreite zwischen 60 und 160 mm befestigen. Schwarz und ist für 99,95 Euro, ab Frühjahr 2017 im Handel. 
„Man kennt diese Boxen vom rasenden Pizzaboten – nun gibt es sie auch für den privaten Gebrauch. Für Familien, die wie wir ausschließlich per Rad einkaufen, sicherlich eine Überlegung wert. “ (H. David Koßmann, pressedienst-fahrrad)

Rack-Box, Fotos © Christoph Hain

Die „Bike Packing“-Serie

Auch sehr praktisch und fast schon niedlich die „Bike Packing“-Serie vom Radtaschen-Pionier Ortlieb, neu in diesem Jahr. Man spart Gewicht und schaut viel sportlicher aus. Die Idee ist, dass man seine Taschen ohne diese altbekannten Gepäckträger eng direkt am Rad – Rahmen, Sattel oder Lenker – raffiniert verzurrt und diesen ganzen Gepäckträgerkram nicht mehr braucht, egal ob beim MTB oder Sporträdern. Könnte ein Trend werden. Verschiedene Größen, natürlich alle wasserdicht. Preise: zwischen 55 und 130 Euro.

Bike Packing, Rahmentasche,  Foto © Manuel Stephan

Bike Packing, Rahmentasche, Foto © Manuel Stephan

Die Begeisterung für Rad und Radfahren hierzulande schlägt sich in einem immer erweiterten Angebot zum Teil wirklich raffiniert ausgedachter Novitäten nieder. Immer mehr zeigen auch kleine Startups tolle Ideen. Man darf schon jetzt darauf gespannt sein, was beim nächsten Fahrradwinter präsentiert werden wird. Informationen zu allen hier genannten Produkten über: pressedient-fahrrad GmbH, www.pd-f.de, eMail: gf@pd-f.de

Text: Manuel Stephan, Fotos: Christoph Hain, Manuel Stephan

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