Winterparadies – wo noch g’scheit g‘rodelt, busselt und gewandert wird

In Lenggries finden Familien und Genussurlauber ein vielseitiges Winterparadies. Rodeln, sogar bergauf, einen Hirsch küssen, über unberührte Hänge und durch stille Täler Schneeschuhwandern. Aber auch Langlaufen in Sonnen- oder Mondschein, nach dem Pistenspaß im Whirlpool unterm Sternenhimmel sitzen, im luxuriösen Bergcamping nächtigen und natürlich reichlich Schlemmen auf einer der vielen Hütten am Brauneck.

Alternativen zum reinen Alpin-Ski bietet Lenggries reichlich. Und begeistert damit vor allem Eltern und Kinder sowie Genießer. Der perfekte Wintertag im Isarwinkel? Ist ein Mix aus rasantem Skifahren am Morgen sowie Abenteuer und Romantik abseits der Piste am Nachmittag.


Rehe auf der Reiseralm

„Mogst a moi?“, fragt Lois Oswald. Der herausfordernde Blick des Oberbayern lässt im Grunde kein Nein zu. Wer gibt sich schon gern die Blöße, besonders vor neugierigem Publikum? Also flugs die Kastanie zwischen die Zähne geklemmt, die Augen zugekniffen und schön stillgehalten. Routiniert schlabbert Hirsch „Husse“ das nussige Schmankerl weg und fordert sogleich Nachschub. „Koa Angst! Sie folgen mir“, verspricht Lois. Seit 2007 hält der 58-jährige Wirt den „Husse“ und das Rotwild auf seiner oberhalb von Lenggries gelegenen Reiseralm. Jeden Tag im Winter um 15.30 Uhr steigt er ins Gehege, füttert die Tiere und bekommt dafür, sehr zur Freude der zahlreichen Zuschauer, feuchte Dankesbusserl vom sechsjährigen Platzhirsch, der mit stattlichem Geweih und ebensolchem Selbstbewusstsein ausgestattet durch den Tiefschnee um die Futterkrippe stapft.

Wer dem innigen Schauspiel zwischen Hirsch und Herrchen beiwohnen will, wandert eine gute halbe Stunde durch den verschneiten Winterwald. Die Reiseralm mit der großen Sonnenterasse und Blick auf den wilden Geierstein, auf Roß- und Buchstein liegt auf 900 Metern am Fuße des Brauneck, des Lenggrieser Hausbergs. Abwärts geht’s nach einer heißen Schokolade und einem Stück Streuselkuchen am besten mit dem Rodel.

Die Mutigsten wählen den Zipfelbob, der auf der kurvig-knackigen Bahn immer mal wieder die Bodenhaftung verliert. Egal, ob hartgesottene Großmütter, die Sohn und Enkel davondüsen; eng an die Mama gekuschelte Babys, die die rasende Reise glatt verschlafen, oder veritable Rodelprofis, die ihre Schlitten mit lauten Schellen aufgerüstet haben – sie alle schießen die 1,5 Kilometer lange Rodelstrecke hinab und kommen kurz vor der Talstation der Bergbahn lachend und schnaufend zum Stehen.

Gäste ohne eigenen Rodel leihen sich einen bei der Skischule Isarwinkel. Die Holzschlitten sind recht massiv und schwer. Zum Trost sei gesagt: Das Heraufziehen erleichtert gewiss nicht nur das Gewissen, das besonders dann drückt, wenn Sandra Sanktjohanser schon zu oft zum saftigen Rib-Eye-Steak oder zum „sauguadn“ Burger geraten hat. Die und weitere Köstlichkeiten bietet die temperamentvolle Wirtin im „Jägers“ an der Talstation an. Wen jedoch auch nach wiederholter Einkehr in einer der 16 Almen und Hütten am Brauneck weder das Gewissen noch die Skihose zwackt, der wählt statt der beiden Naturrodelbahnen (die zweite befindet sich im Ortsteil Wegscheid) wohl eher den praktischen Rodellift am Zielhang.


Rodellift

„Die Rodel haben eine spezielle Ankervorrichtung, in die sich der Liftbügel kinderleicht einhaken lässt“, so Heiko Fröhlich von der Skischule Montevia, die die Bergaufrodel verleiht. Also schnell, den Bügel umgelegt, gut festhalten und schon geht’s „auffi“ mit dem Schlitten. Alle Exemplare sind mit einer Handbremse ausgestattet, am Ende müssen auf den 500 ordentlich steilen Metern aber doch die eigenen Schuhsohlen als Brems- und Lenkhilfen dienen. Eine Mordsgaudi ist‘s allemal. Zumal den Zielhang donnerstags und freitags von 12.00 bis 16.00 Uhr, am Wochenende von 10.00 bis 16.00 Uhr ausschließlich die „Kurvenkufer“ hinabsausen dürfen, und man sich so nicht mit Ski- und Snowboardfahrern ins Gehege kommt. Der Leihrodel kostet pro Abfahrt vier Euro, 15 für fünf und 25 Euro für zehn Abfahrten.

Nur ein paar Meter weiter, am Hochseilgarten, hat Betreiber Axel Berger seinen nagelneuen Whirlpool unter einem riesigen Schneehaufen hervorgeschaufelt. Wer keine Lust auf Stau oder einfach nur kalte Füße hat, reserviert sich den beheizbaren Außenpool. „Bis zu neun Leute finden Platz“, sagt Berger, „nächstes Jahr gibt’s auch eine Sauna.“ Besonders günstig gelegen ist der Pool für Gäste des Bergcampings, befindet der sich doch direkt unterhalb von Ziel- und Streidlhang. Und gleich hinter den sieben geschmackvollen Almchalets, die mit sechs Doppel- und zwei Familienzimmern sowie 24 Stellplätzen das kleine aber feine Ressort ausmachen, fädeln Langläufer ins 42 Kilometer lange Loipennetz ein.

Sobald ab 17.00 Uhr die Nachtloipe beleuchtet und am Freitag und Samstag auch der Streidlhang für den Nachtskilauf mit Flutlicht erhellt wird, ist die Atmosphäre rund um die Holzhütten und das einladende Haupthaus mit dem Restaurant „Lahnerstubn“ besonders stimmungsvoll. Der Mond, der über den Bergen des Isarwinkels steht und silbern scheint, tut sein Übriges. Und wenn morgens in der Früh schläfrige Schneeschuhwanderer am Draxllift in Wegscheid ihre „Tennisschläger-Schuh“ anlegen, dann leuchtet er noch immer fahl am Winterhimmel. Je tiefer die Frauen und Männer durchs Weiß stapfen, desto mehr gewinnt aber die Sonne am Firmament die Oberhand. Bis am Ende jeder Schneekristall auf den sanften Hängen glitzert.

Schneeschuhwanderung durchs Schwarzenbachtal mit Blasi Heiß c Kunz PR

Die Tour durchs verwunschene Schwarzenbachtal ist mit 2,5 Kilometern Länge und 180 Höhenmetern eine der kürzeren, die Blasius Heiß, ausgebildeter Berg-und Schneewanderführer aus Lenggries, im Repertoire hat. Auf knisterndem Harsch kommen die „Big Foots“ gut voran. Und das, obwohl die Schneedecke bald einen Meter hoch ist. „Wir laufen gerade über den Stacheldraht zwischen den Wiesen“, sagt Blasi. Zu ahnen ist das nur an den Pflöcken, die den Schnee nach oben wölben. Anfangs führt Blasius, der 68-jährige Jungspund, seinen Trupp entlang der Loipe, dann geht’s rechts weg über die Wegscheider Traten – das sind Bergheuwiesen – bis auf den höchsten Punkt der Wanderung. Auf 920 Metern herrscht Stille. Der Blick über das Isartal und die Voralpen ist berauschend. Oder liegt’s am Obstler, den der Tradler Bauer gebrannt hat und den Blasi nun großzügig ausschenkt? Der Rückweg jedenfalls verläuft ganz beschwingt – auch wenn’s mal ein wenig steiler wird.

Weitere Infos:
Tourismus Lenggries, Rathausplatz 2, 83661 Lenggries,
Tel.: 08042-5008 800, Fax: 08042-5008 801, info@lenggries.de, www.lenggries.de

Rodeln Reiseralm c Kunz PR

Quelle und Fotos Tourismus Lenggries, Kunz PR

Gabriele Wilms
Über Gabriele Wilms 1005 Artikel
Seit vielen Jahren beschäftige ich mich intensiv mit der Tätigkeit des Reisejournalistin und Bloggerin. Ich betreue Toureal als verantwortliche Chefredakteurin. Gut ein Drittel des Jahres bin ich daher für unser Reisemagazin unterwegs in den schönsten Hotels Europas.

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*