Das Pitztal – das Dach Tirols

Entdeckungstouren im Pitztal, dem Dach Tirols, welches mit dem höchsten Gletscher fasziniert, während im Tal wunderbare Wasserwelten den Ton angeben.

Exakt 67 oder doch nur gut 50? Das hängt offenbar von der Zählweise ab. Aber egal, denn es kommt aufs Erlebnis an – und das ist einfach überwältigend. Schon wer von Imst ins Pitztal hinein fährt, dass sich bescheiden zwischen Ötztal und Kaunertal versteckt, sieht beidseits immer wieder, wie sich die Wassermassen von den steil aufragenden Felsriesen zu Tal stürzen. Und vernimmt das große Rauschen, sobald er den Motor abstellt und der Pitze lauscht, die alles aufnimmt und Richtung Inn transportiert.

„Wir sind das Tal der Wasserfälle“, sagt Stefan Santeler (48), dem Zahlen nicht ganz so wichtig sind. Er führt Gäste bereits seit 21 Jahren durch seine Heimat und freut sich, dass er neue Highlights präsentieren kann. Denn der Tourismusverband hat die Wasserfälle in Szene gesetzt und an den ersten vieren Aussichtsplattformen errichtet, um das gewaltige Erlebnis noch spürbarer werden zu lassen. Santelers Lieblings-Wasserfall ist der Stuibenfall bei Jerzens, der größte im vorderen Pitztal. Vom Dorf aus erreicht man ihn in einer Stunde. Stuiben heißt auf Pitztalerisch so viel wie Stäuben und meint die Millionen von Wassertröpfchen, die sich beim Aufprall auf den Fels in der Luft verteilen und eine angenehme Abkühlung an heißen Tagen versprechen. Ob man von der Aussichtsplattform nun 100 oder vielleicht sogar 150 Meter nach oben blickt? Stefan Santeler lässt seine Gäste gern schätzen – und grinst derweil. „Was sind schon Zahlen“, fragt er und bei der Einkehr im mehrere Jahrhunderte alten Gasthof Schön möchten es sogar detailverliebte Deutsche irgendwann nicht mehr so genau wissen.

Die inszenierten Wasserfälle bei Eggenstall, Bichl und Wiese sind nur wenige Gehminuten von den Ortszentren entfernt – und auch für Gäste zu erreichen, die eher Spaziergänge als Wanderungen gewöhnt sind. „Wir wollen unsere Naturschönheiten allen zugänglich machen – nicht nur durchtrainierten Cracks, die im Pitztal hochalpine Herausforderungen suchen und finden“, erklärt Tourismusdirektor Gerhard Gstettner. Und ergänzt, dass das Piller Hochmoor inzwischen barrierefrei ist. Hier wachsen 150 Blütenpflanzen und Moose, darunter mehr als 50 teilweise geschützte Arten. Ein Lehrpfad erklärt die Entstehung von Mooren, die Vegetation und den Torfabbau.

Trittsicher muss man dagegen sein, wenn man Stefan Santeler zum Großsee folgt, der sich weit hinten im geschützten Riegetal verbirgt – und ein absolutes Kleinod irgendwo im Nirgendwo ist. „Ein paar Kühe und Schafe gibt’s schon, aber keine bewirtschaftete Alm, einfach nur Natur pur“, schwärmt er. Mit etwas Glück zeigen sich sogar Gämsen und Steinböcke. Der Einstieg ist mit Stahlketten gesichert, irgendwann rückt der See ins Blickfeld, dahinter türmen sich die Gipfel von Wildgrat und Gemeindekopf auf. Ein ordentliches Picknick, dann weiter zum 2540 Meter hohen Hochzeiger, der dem bekannten Skigebiet oberhalb von Jerzens den Namen gegeben hat. „Das ist eine ordentliche Tagestour, wobei wir die Gondelbahn am Hochzeiger nutzen, um uns die ersten und letzten Höhenmeter zu ersparen.“

Ein bisschen Schummeln geht auch am Rifflsee, den man mit der Gondelbahn von Mandarfen aus erreicht. Er liegt auf 2232 Metern inmitten des gleichnamigen Skigebiets und ist damit der größte Naturbergsee in ganz Österreich. Wer die majestätische Atmosphäre hier oben einmal aus einer ganz besonderen Perspektive erleben möchte, kann neuerdings auf einem Floß einchecken. Es bietet Platz für bis zu 60 Personen und gleitet nahezu geräuschlos mithilfe eines Elektromotors dahin. Das Erlebnis dauert ca. 45 Minuten und wird von 20. Juni bis 13. Oktober täglich angeboten. Auf dem Rückweg ins Tal wird man vom Rauschen der Wassermassen begleitet, die sich ihren Weg nach unten suchen. Als Einkehr eine halbe Stunde vor dem Ziel bietet sich die Taschachtalalm an – mit selbstgemachtem Käse und dem besten Kaiserschmarrn, den das Pitztal zu bieten hat.

Aber auch, wer ins ewige Eis möchte, kann’s bequem haben. Mit der Gletscherbahn auf 2840 Meter, ein kleiner Spaziergang zur Kapelle, in der sich das Licht durch farbiges Glas zauberhaft spiegelt und anschließend in der höchsten Konditorei Österreichs einkehren. Oder vielleicht mit der Wildspitzbahn noch weiter hinauf zum Café 3.440, dem höchsten in ganz Österreich, dass wie ein Adlerhorst am Fels klebt und den Blick auf die Bergriesen bis nach Italien und in die Schweiz freigibt.


Wildspitze

Manchen genügt der Anblick alpiner Herausforderungen, andere möchten gleich ins Abenteuer starten. Vom Pitztaler Gletscher führt die kräfteschonendste Route hinauf zur Wildspitze, dem mit 3774 Meter höchsten Berg Nordtirols – wobei man sich auch hier auf eine Ganztagestour einstellen muss, die jede Menge Kondition erfordert und sogar an der Seite von Bergführern Erfahrung und Geländegängigkeit voraussetzt. Wer trittsicher ist, aber lieber bergab läuft, kann vom Café 3.440 über einen Steig hinab zum Taschachtalgletscher und hinunter ins Tal wandern. Sicherheitshalber mit Bergführer, der die Gletscherspalten kennt wie sein eigenes Wohnzimmer. Nicht, dass dem Ötzi irgendwann ein Pitzi folgt.

Pitztal Hochzeiger

Über das Pitztal:

Pitztal Rifflsee

Das Pitztal gilt als eines der schönsten und wildesten Seitentäler der Ostalpen. Es liegt zwischen Ötztal und Kaunertal und besticht durch familiäre Atmosphäre ebenso wie durch die Abgeschiedenheit seiner Bergwelt. In den vier Gemeinden Arzl, Wenns, Jerzens und St. Leonhard leben insgesamt 7400 Einwohner. Neu ab diesem Jahr ist die Pitztal Sommercard, die man automatisch beim Einchecken in über 50 ausgewählten Unterkünften erhält. Mit ihr ist die kostenlose Nutzung der Bergbahnen ebenso inklusive wie der Eintritt in zahlreiche Freizeiteinrichtungen. Kletterhallen, Museen, Boulderstadel, Steinbockzentrum, XP Abenteuerpark und vieles mehr.

Weitere Infos: Tourismusverband Pitztal, Unterdorf 18, A-6473 Wenns,
Tel. +43 (0) 54 14 86999, info@pitztal.com, www.pitztal.com

Quelle Tourismusverband Pitztal, Fotos Gabriele Wilms

Gabriele Wilms
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Seit vielen Jahren beschäftige ich mich intensiv mit der Tätigkeit des Reisejournalistin und Bloggerin. Ich betreue Toureal als verantwortliche Chefredakteurin. Gut ein Drittel des Jahres bin ich daher für unser Reisemagazin unterwegs in den schönsten Hotels Europas.

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