Auf den Spuren des Heiligen Wolfgangs durchs Salzkammergut

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Der Wolfgangsee ist nicht irgendeiner der 76 Seen des Salzkammergutes. Schon seit vielen hundert Jahren übt er eine magische Anziehungskraft auf Reisende, Wallfahrer und Pilger aus aller Welt aus.

Hotel „Weisses Roessl am Wolfgangsee“

Die hohen Berge spiegeln sich im glasklaren See. Bedächtig schnürt der Mann seine Bergstiefel und setzt seinen dunkelgrünen Filzhut auf. Er greift nach dem Rucksack mit Regenjacke und Wasser. „Wer zu Fuß unterwegs ist, erlebt Land und Leute viel intensiver als mit dem Auto. Zeit ist dabei unwichtig. Der Weg ist das Ziel!“, sagt Helmut Peter, Altwirt vom Hotel „Weisses Rössl am Wolfgangsee“ in St. Wolfgang. Regelmäßig wandert er mit seinen Gästen auf den Spuren des Heiligen Wolfgangs durchs Salzkammergut. „Pilgern ist für mich ein intensives Naturerlebnis und eine besondere Art der Begegnung mit den Menschen, die hier leben.“ Damit liegt er im Trend, denn „Beten mit den Füßen“ hat Konjunktur. So hat sich das Buch von Hape Kerkeling „Ich bin dann mal weg!“ über drei Millionen Mal verkauft. Ob aus gesundheitlichen oder spirituellen Gründen, die Zahlen sprechen für sich. Dabei muss es nicht gleich Santiago de Compostela sein. St. Wolfgang im österreichischen Salzkammergut ist ebenfalls eine gute Adresse um sich neu zu besinnen. Schon im Mittelalter zählte der 2800-Seelen-Ort neben Rom, Einsiedeln und Aachen zu den zu den wichtigsten Pilgerzielen in Europa.

Heute ist die VIA NOVA von Regensburg bis nach St. Wolfgang eine der bekanntesten europäischen Pilgerrouten: 320 km lang, gut ausgeschildert und für Geübte in zehn Tagen zu bewältigen. Wer weniger Zeit hat, kann sich auch auf den Wolfgangsee und seine Umgebung konzentrieren: „Der Falkenstein ist genauso heilig wie der Kailasch und der Mosesberg im Sinai“, weiß Peter. „Die meisten Pilger kommen aus Österreich und Bayern, einige sogar aus Südkorea.“ Ausgangspunkt ist St. Gilgen am Wolfgangsee, wo am 25. Dezember 1720 die Mutter von Wolfgang Amadeus Mozart, Anna Maria Walburga Pertl, geboren wurde. An der Straßenseite des Hauses befindet sich ein Doppelrelief, das sie mit ihrer Tochter Nannerl darstellt. Innen kann man die Ausstellung „Maria Anna Mozart, eine Künstlerin am Wolfgangsee“ sowie „Die Mozarts und St. Gilgen“ besuchen. St. Gilgen hat jedoch nicht nur die Familie Mozart zu bieten. Um 1880 entdeckten Prominente wie der Arzt Theodor Billroth den malerischen „Brunnwinkl“ und errichteten eindrucksvolle Villen.

Dichtergrößen wie Marie von Ebner-Eschenbach ließen sich von der Umgebung inspirieren, Nobelpreisträger Karl Ritter v. Frisch erforschte die Sprache der Bienen und Künstler gründeten die „Zinkenbacher Malerkolonie“, der heute ein kleines Museum gewidmet ist. Mediales Interesse zog der Ort vor allem in den 80er Jahren auf sich als Helmut Kohl dort mit seiner Familie Urlaub machte. 1985 wurde er sogar zum Ehrenbürger von St. Gilgen ernannt. Enge Kontakte pflegte Kohl vor allem zum Europakloster Gut Aich, wo Benediktiner nach dem Evangelium und den Regeln des Heiligen Benedikts leben. Wer will, kann hier fasten, schweigen oder Yoga machen. „Wir nennen uns „Benediktiner für Europa“, weil wir durch unser gemeinsames Leben bewusst ein Zeichen sein wollen für ein Europa, in dem die Vielfalt von Menschen und Völkern nicht Hindernis, sondern Chance für ein erfülltes Leben ist“, betont Bruder Elija. Dieser Gedanke habe Kohl so gut gefallen, dass er den Apostelkranz und ein Jesus-Porträt in der Kirche des Klosters gestiftet hat. Außerdem unterhält die Gemeinschaft einen eigenen Kräutergarten und produziert verschiedene Liköre. „So hilft Thymian gegen Halsschmerzen, Hollunder stärkt das Immunsystem, Nüsse fördern die Verdauung und Johanniskraut ist gut für die Seele“, weiß Elija. Für den ehemaligen deutschen Bundeskanzler wurde ein klassischer, goldgelber Kräuterlikör aus Arnikablüten, Anis, Angelikawurzel, Koriander, Pfefferminze und Melisse kreiert. Er heißt „Der Kanzler“ und wird im Klosterladen verkauft.

Von Fürberg bei St. Gilgen führt der Pilgerwege über den Falkenstein-Sattel (772 m) und die Ortschaft Ried nach St. Wolfgang. Um 976 verbrachte Wolfgang, Bischof von Regensburg, einige Zeit im nahegelegenen Benediktiner Kloster Mondsee, welches zu seinem Bistum Regensburg gehörte. Der Legende nach lebte Wolfgang als Einsiedler in der Falkenstein-Wildnis. Entlang des Aufstiegs befindet sich heute ein Kreuzweg. Die erste Pause machen die Pilger meistens an der Kapelle „Steine gegen Sünden“. Neben und ihr gegenüber liegt ein großer Steinhaufen. „Wer als Pilger den heiligen Berg bestieg, hatte immer einen Stein dabei, der seine Sünden symbolisierte und die er los werden wollte“, erzählt Peter. „So mancher absolvierte den Weg sogar nackt, mit einem eisernen Ring um den Hals oder mit Linsen in den Schuhen.“ Oben angekommen, geht man in die Falkensteinkirche aus dem 17. Jahrhundert. Sie wurde auf einem alten, heidnischen Kultplatz errichtet und steht an der Höhle, in der der heilige Wolfgang der Legende nach fünf Jahre gelebt hat. Sie. Das Altarbild zeigt ihn vor der Madonna. Durch einen niedrigen Eingang gelangt man in eine kleine Kammer mit drei ausgetretenen Felsstufen, die in einer engen Spalte endet. „Das Durchkriechen ist ein Akt spiritueller Reinigung und hilft gegen Kreuzschmerzen und Unfruchtbarkeit“, weiß Peter. Für einen durstigen Laienbruder schuf Wolfgang in der Nähe der Kirche eine Quelle, indem er mit seinem Stab in den Falkenstein stieß. Wer ein Gefäß dabei hat, kann sich das wertvolle Nass, das gegen Augenkrankheiten und Schulterschmerzen helfen soll, abfüllen. Rund 500 m weiter steht noch die Beilwurfkapelle mit einem alten Steinmonument aus dem 15. Jahrhundert.

Von hier aus soll der heilige Wolfgang seine Axt ins Tal geschleudert haben – mit dem Gelübde, eine Kirche an der Stelle zu errichten, wo er sie wieder findet. Dieser Ort war, oh Wunder, die Kirche von St. Wolfgang. „Zum ersten Mal erblicken die Pilger hier den Zielpunkt ihrer Wallfahrt, wenn auch noch in weiter Ferne“, so Peter. St. Wolfgang ist natürlich auch nach seinem Gründer – dem heiligen Wolfgang – benannt. Mit seinen eigenen Händen soll er die Kapelle errichtet haben. Dabei bot ihm der Teufel seine Hilfe an. Als Lohn verlangte er das erste lebende Wesen, das die Kirche betreten sollte – es war ein Wolf! Der Teufel fuhr voller Wut durch die Decke davon… Nach der Heiligsprechung Wolfgangs 1052 trugen zahlreiche Wundertaten und Heilungen zur Verbreitung der Volksfröm

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Über den Autor

Sonja Schön

Astrologie-Expertin Sonja Schön arbeitet als Autorin für verschiedene Portale, Magazine und Zeitungen. Ihre Schwerpunkte sind Wirtschaft, Lifestyle, Spiritualität & Astrologie. Für Toureal schreibt Sie regelmäßig das Wellness-Horoskop.

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