Gartenreise der Sinne durch den Aromagarten Gidosa in Salchendorf

0

Der Aromagarten „Gidosa“ in Salchendorf bei St. Michael/Gurk weckt die Sinne und hat vielerlei Attraktionen zu bieten. Neben mehr als 150 Pflanzen kann man bei Brigitte und Adolf Hudelist auch noch handgeschöpftes Hanfpapier bestaunen und sogar selbst herstellen. Der Aromagarten liegt in Salchendorf bei St. Michael ob der Gurk, am Nordrand des Jauntals in bäuerlich geprägter sanfter Hügellandschaft.

Aromagarten Gidosa 2

Heute erstreckt sich der in Blätterform angelegte Garten mit mehr über ein Areal von 5000 m². Obwohl die Bezirksstadt Völkermarkt und die Landeshauptstadt Klagenfurt nahe sind, liegt die kleine Ortschaft sehr ruhig und abgeschieden, eingebettet zwischen Äcker, Wiesen und Wald. Der Garten wird nach Norden durch einen bewaldeten Hügelkamm geschützt. Nach Süden ist die Landschaft zum Drautal hin geöffnet, und der Blick wird vom Hochobir-Massiv angezogen, das im Süden über dem Tal thront. Der Garten ist Teil einer Biolandwirtschaft.

Bis vor einigen Jahren verschrieb sich der etwa 25 ha große Betrieb von Adolf Hudelist noch der Ferkelproduktion und dem Ackerbau. Eine Krebserkrankung bewegte den Landwirt zum Umdenken. Durch die Krankheit hatte er wieder bewusst „sehen gelernt“ und sich zum Ziel gesetzt, dieses „Sehen lernen“ auch für andere Menschen greifbar zu machen. Statt Massenproduktion von Futtermitteln strebte er eine eher kleinräumige Struktur mit mehr Möglichkeiten und größerer Entscheidungsfreiheit an. Schritt für Schritt gingen Hudelist und seine Frau Brigitte nun daran, dieses Vorhaben in die Tat umzusetzen. Die beiden Hauptbetriebszweige wurden aufgegeben, stattdessen begann man, „Lebens-Mittel“ für den Menschen in Form von Kartoffeln, Tomaten und ähnlichem zu produzieren. Vor vier Jahren erfolgte dann die Umstellung auf Bio, zwei Jahre später begann der Bau des Aromagartens.

Aromagarten Gidosa 11

Heute erstreckt sich der in Blätterform angelegte Garten mit mehr als 150 verschiedenen Pflanzen über ein Areal von 5000 m². Dabei steht nicht die Heilwirkung, sondern die Duft- und Farbstoffnutzung im Vordergrund. Außerdem gibt es einen Vermehrungsgarten, einen Weingarten und Felder, auf denen verschiedenste alte Kürbis-, Mais- und Kartoffelsorten wachsen. Da es keine Beregnungsanlage gibt und Hudelist seinen Pflanzen nur „Geburtshilfe“ gibt, sie also nur gießt, wenn sie frisch angepflanzt sind, bedeutet das zwar weniger Ertrag, aber auch bessere Inhaltsstoffe. Der Wert der „Lebens-Mittel“ steigt, Qualität geht vor Quantität.

Auch der Hanfanbau wird in Salchendorf erfolgreich betrieben. Die zuerst abgeernteten Körner mit etwa 30% Fettgehalt liefern wertvolles Hanföl, aus den Pressrückständen entsteht Hanfmehl. Das Hanfstroh wird abgemäht und liegen gelassen, meist sogar über den Winter (Feldröste). Die Mikroorganismen im Boden schließen die einzeln mit Lignin ummantelten Fasern der Rinde auf. Das innere Material dient der Wärmedämmung. Die Fasern werden geschnitten und gemahlen, dann mit Wasser angerührt. Aus dieser „Suppe“ kann dann das Papier geschöpft werden. Dabei sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt. Blütenblätter, Gräser, Stroh und ähnliches machen aus jedem der Einzelstücke ein kleines Kunstwerk. Auch mit Duftölen und Farbstoffen aus den Pflanzen wird gearbeitet. So entstehen originelle Einladungen, Verpackungen, Lampenschirme und noch viel mehr.

Aromagarten Gidosa 9

Interessant ist, dass der Betrieb komplett ohne ÖPUL oder ähnliche Förderungen auskommt. „Förderungen gehen Hand in Hand mit Forderungen. Unter Förderungen leidet die Kreativität“, sagt Hudelist dazu. Auf dem Hof werden Führungen angeboten, die immer mittwochs ab 16 Uhr stattfinden. Auch Gruppen jeglichen Alters sind herzlich willkommen. Außerdem gibt es gegen Voranmeldung Färbe-, Hanfpapier- und Kräuterverarbeitungsworkshops, Bioverkostungen und Einkaufsmöglichkeiten. Mit den weiteren geplanten Veranstaltungen und Projekten wie dem Kartoffelfest im Herbst, dem Bau einer Mühle, eines Lehmbackofens und eines Hofladens gibt sich Hudelist aber nicht zufrieden: „Das alles wird niemals abgeschlossen und vollkommen fertig gestellt werden. Wir sind wie die Natur: Wir entwickeln uns ständig weiter!“

Ein Gartenbesuch eignet sich für Menschen jeder Altersgruppe mit Interesse an naturnahen Gärten, an Kräutern und Kräuterverarbeitung, insbesondere an Duft-, Faser- und Färbepflanzen, an der Hanf-Papier-Manufaktur, am Bio-Weinanbau, an Kartoffelsorten und an Saatguterhaltung hat der Aromagarten besonders viel zu bieten. Der interessanteste Zeitraum für einen Gartenbesuch ist von Juni bis Oktober. Das Gelände ist leicht ansteigend und sehr sonnig, die Besucher/innen gehen auf gemähten Graswegen. Der Rundweg ist ca. 300 m lang und mit dem Rollstuhl befahrbar. Gezeigt werden auch ein Bio-Weingarten, ein Schau-Bienenstock und die Saatguterhaltung seltener Acker- und Gartenpflanzen im Rahmen von Arche Noah, der Gesellschaft zur Erhaltung der Kulturpflanzenvielfalt.

Führungen: jeden Mittwoch, 16 Uhr, EUR 6.- pro Person, nach vorheriger tel. Anmeldung.

Fotos Landwirtschaftskammer Kärnten

Booking.com

Über den Autor

Gabriele Wilms

Seit vielen Jahren beschäftige ich mich intensiv mit der Tätigkeit des Reisejournalistin und Bloggerin. Ich betreue Toureal als verantwortliche Chefredakteurin. Gut ein Drittel des Jahres bin ich daher für unser Reisemagazin unterwegs in den schönsten Hotels Europas.

Hinterlassen Sie einen Kommentar