Das venetische Po-Delta überraschend anders

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Das berühmte Po-Delta ist jedem für seine wunderschöne Natur, Flora und Fauna bekannt. ist eine sehr spezielle Landschaft, die von einer besonderen Landwirtschaft geprägt wird. Früher reichte das Wasser des Podelta´s reichlich 20 km weiter ins Landesinnere, zurück geblieben ist ein äußerst fruchtbares Land, da sich die wertvollen Mineralien in dem Boden festgesetzt haben.

Bootstour auf dem Po 6

Das venetische Podelta ist reich an Faszination und Charme, dessen symbolische Tür die Adria ist und ein magisches Aufeinandertreffen venetischer, etruskischer und griechischer Kultur bietet. Es ist ein kleines Mesopotamien, wo die Vögel tiefer fliegen als die Fische, das Land jeden Tag vom Wasser neu modelliert wird. Wie eigenwillige Künstler formt es mit ihren Strömen Landzungen, Biegungen und Haffs. Bauernhäuschen, große Bauernhöfe und Herrschaftsvillen prägen das Bild. Das Podelta ist 380 Quadratmeter groß und verzweigt sich in fünf Hauptarme, den Po di Maistra, Po della Pila, dem Po di Tolle, Po della Gnocca und dem Po di Goro.

„Die Augen des Polesine sind die des ehrlichen, naiven Bauern, die sich über Fremde wundern, aber mit Wärme empfangen. Die Stimme des Polesine sind das Glockengeläut, der Gesang der unzähligen Vögel, die Freude der feiernden Plätze. Das Haar des Polesine ist das Blattwerk der Pappeln in den Auen. Der Leib sind die vollen Kornfelder. Die Seele des Polesine sind die Menschen. Das Blut ist das Wasser, das die Region durchfließt. Der Geschmack sind die zahlreichen Früchte, die dieser lehmige Boden den Menschen schenkt. Die Erinnerung liegt in der Tradition, den Museen, den Generationen, die aufeinander folgen.“ Genau diese Beschreibung passt perfekt auf diese wunderschöne Region, mit allem was sie zu bieten hat.

Podelta 4

Da sich der Po kilometerweit ins Landesinnere zurück gezogen hat, blieben salzhaltige Nutzflächen zurück. Somit hat das Gemüse, der weiße Knoblauch dieser Region einen ganz speziellen, leicht salzigen Geschmack, echt lecker. Besonders der Radicchio aus Chioggia ist eine wahre Delikatesse. Hier wächst aber auch ein besonderer Reis, der für seinen Risotto über die Grenzen hinaus berühmt ist. In vielen Restaurants können Sie diesen in den verschiedensten Variationen genießen. Bei meinem Besuch konnte ich mich auf verschiedenste Weise davon überzeugen, besonders der Radicchio und Risotto sind ganz hervorragend.

Ich habe noch keine so wohlschmeckende und frische Muscheln gegessen, für mich als Liebhaber dieser Delikatesse ein Schlaraffenland. In der Lagune Scardovari ist das Restaurant „Maina 70“ besonders zu empfehlen. Schön war es, mal die Muschelfarm in Scardovari und die Muschelwaschanlage zu besuchen, echt interessant.

Die schön gelegene Bucht von Scardovari ist der ideale Standort für die Miesmuscheln, sie sind fleischig, weich, geschmackvoll und süßer, als jede andere Muschel. Das verdankt sie den vielen organischen und nährreichen Substanzen, sowie einen geringeren Salzgehalt des Wassers in der Lagune. Sie werden per Hand geerntet und in einem zertifizierten Prozess gereinigt.

Bootstour auf dem Po 9

Das Podelta ist der ideale Ort, um Natur hautnah und mit allen Sinnen zu erleben, den Duft, die Stille oder die Geräusche, das Singen und Kreischen der Vögel, einfach Natur pur. Eines der bedeutendsten Feuchtgebiete Europas, reich an Flora und Fauna, einfach traumhaft schön. Es beherbergt 400 verschiedene Arten von Säugetieren, Reptilien, Amphibien und Fischen, sowie 380 Arten von Vögeln. Sie können das Podelta zu Fuß, per Rad, auf dem Wasser oder auf dem Pferd erkunden, entsprechende Wege sind reichlich vorhanden.

Auf unserer Bootstour in dem Podelta habe ich dann die wahre Schönheit des Deltas gesehen. Unberührte Natur, eine vielfältige Vogelwelt, von Flamingos, über Haubentaucher, spezielle Entenarten bis hin zu mir unbekannten Vogelarten. Ein Ausflug zur Vogelbeobachtung ist ein absolutes Highlight.

Man fährt durch die unzähligen Seitenarme und kann überall Fischer bei ihrer ganz eigenen Art des Fischens beobachten. Riesen Netze an vier Seilen werden abgelassen und nach gewisser Zeit wieder mit Schwung rauf geholt.

Bootstour auf dem Po 5

Wunderschöne, bunte Fischerhütten säumen die Ufer und die Fischer zeigen stolz ihren Fang, sie sind alle sehr nett. Wir machen einen Stopp auf einer kleinen Insel und genießen die Ruhe. Diese wird, wie man unschwer erkennen kann, oft besucht, zum Grillen, baden, Ball spielen, einfach zum Erholen.

Der Po mündet hier in die Adria und wenn man auf dem Po eine Bootstour macht und dabei genau aufpasst, kann man das Zusammentreffen von Süß- und Salzwasser, wie eine Grenze im Wasser sehen. Unser Kapitän fährt uns genau zu dieser Stelle, wo der Po in die Adria fließt und so konnten wir, nur anhand der Farbe des Wassers, das tolle Schauspiel beobachten. Eine solch eine Bootstour durch das Po-Delta kann man bei der Touristeninfo buchen.

Das Po-Delta gehört Ferienregion Polesine, die von den größten Flüssen Italiens, dem Po und dem Etsch begrenzt wird. Die Poebene ist ein ganz interessanter Landstrich, den es stets neu zu entdecken gilt. Polesine oder auch Provinz Rovigo ist die südlichste Provinz Veneziens. Geografisch teilt sie sich in drei Zonen, der westlichen Spitze – Alt Polesine, dann Medio Polesine, die sich um Rovigo herum befindet und die dritte, vom langen Flussarm des Po´s und der Adria begrenzt, das venetische Podelta.

Villa Badoer

Villa Badoer 8

Neben Museen, besonderen Kirchen und einigen Villen, sollten Sie unbedingt die Palladinische Villa Badoer und die angrenzende Villa Molin-Avezzú in Fratta Polesine besuchen. Sie spüren den Zauber der klassischen Reminiszenz und der hektischen Betriebsamkeit, was diese „Smanie per la villeggiatura“ – „Sommerfrische“ erzeugte und der große venezianische Komödiant Carlo Goldoni in seiner berühmten Komödie unsterblich machte. Die beiden Villen sind wunderschön erhalten und man fühlt sich in die Zeit zurück versetzt.

Die Villa Badoer ist eine der schönsten Villen Venetien. Die erste Villa, bei der große Vicentiner Architekt AndraPalladio, einer der bedeutendsten Baumeister Italiens des 16. Jahrhunderts, die Vorhalle mit Giebel in die Fassade integrierte.

Kirche Beata Vergine del Soccorso in Rovigo 7

Die Stadt Rovigo, ist die Hauptstadt und das Herz von Polesine und sollte unbedingt auf dem Besuchsplan stehen. Der schöne Altstadtkern im historischen Ambiente macht einen kleinen Stadtrundgang Geschichte erlebbar. Gigantisch die eigentümlich wirkende, achteckige Kirche Beata Vergine del Soccorso in Rovigo, die auch „La Rotonda“ genannt wird.

Ein wahres Meisterwerk und im Innern wunderschön, mein erstes Wort beim Betreten, war einfach wow. Man sollte sich hinein setzten und den Blick schweifen lassen, um die Schönheit der Gemälde, der Kirche aufnehmen zu können. Mit der Pinakothek an der Piazza Vittorio Emanuele II. beheimatet Rovigo, neben der Kirche, eine der größten Gemäldesammlungen Venetiens. Die netten Straßencafés Rovigos laden zum Verweilen ein.

„Museo dei Grandi Fiumi“ -Museum der großen Flüsse-

Sehenswert ist auch das „Museo dei Grandi Fiumi“ -Museum der großen Flüsse- im Monastero Olivetano, welches im April 2001 eingeweiht wurde. Es ist im renovierten Olivetanerkloster untergebracht und stellt die Geschichte des Lebens zwischen den beiden größten Flüssen Italiens anschaulich und plastisch, sowie das umweltbewusste Leben im Podelta dar. Gehen Sie auf eine Fantasiereise durch die wichtigsten Stationen der Geschichte, Vitrinen mit historischen Funden, Multimediashows, virtuelle Darstellungen und Plastiken führen Sie in eine andere Welt.

nationale Jahrmarktsmuseum in Bergantino

Das Schönste war das nationale Jahrmarktsmuseum in Bergantino. Klein, aber echt einen Besuch wert. Und noch dazu waren wir abends um 23.00 Uhr im Museum, es hat aber um Mitternacht nicht gespuckt. Es beherbergt eine Sammlung von Spieluhren, Fahrgeschäften, Musikinstrumente und Karussells. Da fühlt man sich nochmal wie ein Kind.

fritierte Meeresfrüchte

Das spannende Podelta ist so vielseitig und kulinarisch absolut zu empfehlen, es ist auf jeden Fall eine Reise wert und das Beste ist, es war nicht von Urlaubern so überlaufen. Kleine Dörfer mit tollen Pensionen bis hin zu Feriendörfern und das tolle, moderne Hotel Capo Nord, direkt am Strand der Adria auf der Insel Albarella bieten für Jeden die richtige Unterkunft.

Nur zu empfehlen ist die Ferieninsel Albarella, zur Übernachtung und als Ausgangsort um das Podelta zu erkunden ist sie ideal. Man kann sie hervorragend mit dem Rad erkunden, was wir auch bei fantastischem Licht gemacht haben. Ein Bad in der Adria ist besonders schön, kann aber auch recht aufregend sein. Wenn zum Beispiel Flut ist und man sich kaum auf den Beinen halten kann, sollte man echt aufpassen, das Wasser trägt einen sehr schnell dahin, wo man eigentlich gar nicht hin will. Aber wenn man da ist, gehört ein Bad in der Adria zum Pflichtprogramm, jedenfalls für mich.

Insel Albarella 16

Fotos Gabriele Wilms

Über den Autor

Gabriele Wilms

Seit vielen Jahren beschäftige ich mich intensiv mit der Tätigkeit des Reisejournalistin und Bloggerin. Ich betreue Toureal als verantwortliche Chefredakteurin. Gut ein Drittel des Jahres bin ich daher für unser Reisemagazin unterwegs in den schönsten Hotels Europas.

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