Bodie – Von der Goldgräberstadt zur Geisterstadt

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Im US-Bundesstaat Kalifornien, an der Grenze zu Nevada in der Nähe des Mono Lake auf einem Hochplateu der Sierra Nevada findet man die wohl am besten erhaltene Geisterstadt der USA. Früher Boomtown und größte, verruchteste und berüchtigste Goldgräberstadt des Wilden Westen, heute „State Historic National Park“ – Staatlicher Historischer Nationalpark.

Bodie, Kalifornien - Geisterstadt und Staatliches Museum

Bodie, Kalifornien – Geisterstadt und Staatliches Museum

Der Fluch des Goldes

Die Stadt Bodie hat Ihre Wurzeln in der Goldgräberzeit von 1859 und wuchs binnen weniger Jahre zu einer der größten, aber auch gefährlichsten Städte im Land heran. Zur Blütezeit gab es hier mehr als 10000 Einwohner, 65 Saloons, 15 Bordelle, Eisenbahn und Zeitschriften und natürlich Kirchen jeder Religion – sogar einen taoitischen Tempel im Chinesischen Viertel.

Über den Namensgeber der Stadt ist einiges bekannt, und irgendwie doch nicht viel. Entdeckt hat diesen einsamen Ort Willam S. Bodey. Glaubt man den offiziellen und wahrscheinlichsten Versionen, stammt er aus dem Bundesstaat New York und zog nach Kalifornien um Gold zu suchen, wie tausende andere auch. Eine 100% sichere Überlieferung über seinen Ursprung gibt es nicht. Der Fluch des Goldes holte ihn allerdings auch all zu schnell ein: Nachdem Bodey mit 2 weiteren Gefährten an dieser Stelle Gold fand und die Siedlung gründete, verstarb er bereits im folgenden Winter. Laut Angaben seiner Begleiter kam er in einem Schneesturm um als er sich auf dem Weg in den Nachbarort befand um Verpflegung und Material einzukaufen. Im Jahr 1861 begann seine nachgereiste Familie mit dem Graben nach Gold und nannte den Ort offiziell „Bodie“ – Ob die Schreibweise ein Fehler war oder beabsichtigt um eine Verwechslung mit „Body“ (engl.: Leiche) zu vermeiden, ist heute noch immer unklar.

„Goodby God, i’m going to Bodie“

(Auf Wiedersehen Gott, ich gehe nach Bodie)

Ein Satz aus dem Tagebuch eines kleinen Mädchens, der die Situation früher (und selbst heute) nicht besser beschreiben könnte.  Bodie war berüchtigt, galt als extrem gefährliches Pflaster und wurde weithin auch als „Meer der Sünde“ bezeichnet. Bis in die Boomjahre hinein gab es hier keinerlei Kirche, aber jede Menge Saloons und Bordelle. Die Stadt war gefährlich und es gab so gut wie keinen Tag ohne Verbrechen, Raub oder Mord.

Die letzten Einwohner in Bodie

Die letzten Einwohner in Bodie

Im Jahre 1932 zerstörte ein großes Feuer den Stadtkern und unzählige Gebäude. Die Stat hatte ihre besten Jahre bereits hinter sich, von den damals 10.000 Einwohner gab es nur noch wenige hundert. Viele Einwohner verliessen schon zuvor den mittlerweile ohnehin trostlosen Ort. Das Feuer gab Bodie den Rest.  Die zerstörten Gebäude wurde nie wieder aufgebaut. Zuvor wurde bereits im Jahre 1917 die Eisenbahn demontiert und die Schienen verschrottet, die Goldmine warf auch schon lange keinen nennenswerten Gewinn mehr ab. Die Mine lief zwar weiter, die Arbeiter kamen jedoch aus benachbarten Städten.

Im Jahr 1942 schloss auch das Postamt und die letzten Einwohner flohen aus der Stadt in bessere Regionen.  Alles neigte sich dem Ende. Die Stadt verkam zur Geisterstadt, verlassen und ohne Perspektive. 1962 wurde die Mine komplett stillgelegt, die letzten 10 Einwohner zogen davon und Bodie wurde zum „State Historic National Park“ ernannt – Einem historischen Freiluftmuseum. Mit dem Status eines Nationalparks wurde die Zeit quasi eingefroren in Bodie. Alles wurde so erhalten, wie es die Menschen hinterlassen haben, das trockene Klima trägt dazu bei, das zuvor zurückgelassene Maschinen und Gebäude noch bis heute relativ gut erhalten sind. In einigen Gebäuden steht sogar noch das Geschirr auf dem Tisch, als kämen die Bewohner gleich zurück.

Trockenes Klima herrscht in Bodie im Sommer, im Winter wird die Sierra Nevada von Schneestürmen heimgesucht

Trockenes Klima herrscht in Bodie im Sommer, im Winter wird die Sierra Nevada von Schneestürmen heimgesucht

Lage der Geisterstadt

Bodie ist ca. 400km von San Francisco entfernt. Keine große Entfernung, wenn man so will. Wer also sowieso von der Westküste kommend, den Yosemite Nationalpark durchquert, kann also locker einen Abstecher riskieren. Die Geisterstadt liegt nördlich des Mono Lake an einer etwa 20 Kilometer langen Seitenstraße, die auf halber Länge zwischen Lee Vining und Bridgeport vom U.S. Highway 395 abzweigt. Hier führt die Bodie Road (Hwy 270) direkt in das verlassene Örtchen. Die letzten 5km zum Park sind jedoch nicht mehr asphaltiert sondern eine reine Schotterpiste, hier ist also Vorsicht geboten mit dem Mietwagen. Da auf Grund der Höhenlage von über 2550m ü.NN. und den damit hartem Winter selbst Allradfahrzeuge mit Schneeketten im Winter hier stecken bleiben, ist es ratsam den Park nur bei gutem Wetter zu besuchen. Die Saison von Mai bis Oktober bietet sich an.

Eine Reise in eine andere Zeit.

Nach dem verheerenden Feuer 1932, dem fast die halbe Stadt zum Opfer fiel, sind nicht viele Gebäude erhalten geblieben. Ca. 168 sind noch mehr oder weniger vorhanden. Bodie ist ein ursprünglicher Ort und man versucht hier alles zu erhalten. Während andere „Geisterstädte“ mitunter zu Attraktionen alá Disneyland verkommen und immer mehr ausgebaut werden, versucht man hier den Charme der Goldgräberzeit zu erhalten. Kein Kiosk, kein Souvenierladen, nichts verschandelt das ursprüngliche Stadtbild. Ein Besuch in Bodie gleicht einer Reise in eine andere Zeit, die Zeit der Goldgräber im Wilden Westen.

Vom (einzigen) Parkplatz kommend, hat man bereits einen wundervollen Blick auf die charmanten Gebäude. Zu sehen gibt es das, was die Einwohner damals zurückliessen und die Zeit verschont hat. Verstaubtes Geschirr, vergammelte Möbel, zerfletterte Tapeten. Auf manchen Esstischen wartet das gute Besteck noch immer auf die heimkehrende Familie.

Von der Hauptstraße gelangt man zunächst zur noch erhaltenen Methodistenkirche, die auch bereits vom Parpkplatz aus gut zu sehen ist dank Ihres kleinen Turms. Weiter die Straße runter findet man auch das verlassene Bodie Hotel (Hollis Hotel), welches ein Blick in das Wirtszimmer und Rezeption gewährt. Gegenüber finden sich ein paar übrig gebliebene Zapfsäulen samt Oldtimer und weitere, verlassene Wohnhäuser. Jedes Haus erzählt seine eigene, kleine Geschichte. Einige kann man sogar betreten und sich die Hinterlassenschaften aus nächster Nähe anschauen.

Im Nordosten, ca. 200 Meter entfernt sieht man am Fuße des Berges die auffällige, aschgraue „Standard Mine & Mill“. Hier wurden zu Glanzzeiten Gold & Silber im Wert von (damals) über 14 Millionen US-Dollar in 25 Jahren abgebaut. Auf Grund der Instabilität und erhöhter Gefahren ist die Mine und das angrenzende Gelände für die freie Erkundung gesperrt, was durch einen hohe Umzäunung und diverse Warnschilder auch unübersehbar ist. Während der Sommersaison werden aber zumindest 2x täglich kostenpflichtige Führungen durch die Parkranger angeboten.

Bodie ist definitiv ein Ort, den man gesehen haben sollte. Keine „Westernstadt“, kein Freizeitpark und kein Hollywoodfilm können diese Atmosphäre und das unbeschreibliche Gefühl einfangen, welches bei dem Spaziergang durch die Stadt entsteht. Eine Reise durch die Zeit, authentische Gebäude und unverfälschte Eindrücke.

 

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Über den Autor

Sirko Wolfram

Bei Toureal ist meine Hauptaufgabe die Betreuung von Technik & Design sowie Umsetzung von Ideen & neuen Konzepten. Außerdem bin ich auch als Redakteur weltweit unterwegs und berichte und fotografiere exklusiv für das Reisemagazin.

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