Erste Glockengießerausstellung im Pillerseetal öffnet

Heiliger Bimbam in Waidring – im Pillerseetal öffnet die erste Glockengießerausstellung die seine Pforten. Filme, Klänge, Fotos und verschiedenste Ausstellungsstücke machen den 360°-Rundgang zu einem abwechslungsreichen Erlebnis für die ganze Familie

Rufen, Hören, Feiern, Gießen – das sind die unterschiedlichen Themenfelder der multimedialen Ausstellung. Für Besucher wird das traditionelle Handwerk ganzjährig erlebbar. Sie erfahren, wie Glocken als alternatives Rauchsignal dienten, wie sie sich anhören, was für eine Rolle sie in den Weltkriegen spielten und worauf es bei der Herstellung ankommt. Wer nicht genug bekommt, geht zum Schaugießen in einer der drei letzten Kunst- und Glockengießereien Österreichs.

„Die Idee, eine Attraktion rund um das Thema Glockeanzubieten, gab es schon länger“, erzählt Wolfgang Olivier, Mitglied des Glockendorfvereins und Inhaber der Lugmair’s Metallgießerei, einer der zwei Kunst- und Glockengießereien in Waidring. „Allein ein schönes Kirchengeläute reicht nicht. Mit allen Sinnen sollen Urlauber verstehen, was die Glocken für uns Waidringer bedeuten“, führt er fort. 2017 konkretisierte sich die Idee, es erfolgte die Vereinsgründung und der Ausstellungsort wurde auch schnell gefunden: Das Biatron, ein riesiger futuristischer Schneeball. Ursprünglich für die Biathlon-Weltmeisterschaft 2005 angefertigt, wird es nun zu neuem Leben erweckt.

Rufen
Die Glocke als Vorläufer des Telefons? Welche Aufgaben sie wirklich hatte zeigt sich gleich zu Beginn der Ausstellung. Beispielsweise wenn ein Feuer Kilometer weit entfernt auf einem Feld ausbrach, läutete der erste Bauer, ein anderer hörte es und betätigte ebenfalls seine Glocke. Das ging so weiter bis die Feuerwehr im Dorf dadurch alarmiert wurde. Das Highlight hier sind jedoch die fünf historischen Glockentürme. Sie sind zwischen 80 und 100 Jahre alt und bis zu 3,5 Meter hoch. Alle stammen von Bauernhöfen aus Waidring und drohten in Vergessenheit zu geraten. „Die Landwirte stellten sie uns gerne zur Verfügung. Sie hatten eh keinen Verwendungszweck mehr“, so Wolfgang Olivier. Sie wurden im Nachgang mit viel Mühe restauriert.

Hören
Besucher begeben sich hier mit Hilfe multimedialer Technik auf eine Reise zu den Hörenswürdigkeiten Waidrings. Sie lernen die Unterschiede zwischen Alm-, Dorf,- und Kirchengeläute kennen und noch dazu das Lebenswerk von Josef Hauser. 30 Jahre arbeitete der Waidringer an dem 3,8 Meter großen Dom aus Holz. Er war Uhrmacher und entwickelte sein Meisterwerk so, dass durch Federn und Zahnrädern der beeindruckende Dom eine halbe Stunde ohne elektrische Hilfe läutet – natürlich auch mit Klängen aus dem Pillerseetal.

Feiern
In den beiden Weltkriegen wurden Glocken aus Mangel an Rohstoffen für die Waffenherstellung eingeschmolzen. Der wohlhabende Alexander Kreuter, ursprünglich aus Frankfurt, verliebte sich in das kleine Örtchen Waidring und wollte etwas zurückgeben. Er spendierte einmal nach dem ersten und dann noch einmal nach dem zweiten Weltkrieg für alle Kirchen neue Glocken. 1958 feierte das ganze Dorf mit einer pompösen Glockenweihe. Ein Schwarzweißfilm zeigt, wie die bis zu fünf Tonnen schwere Geschöpfe auf Kutschen durch Waidring fahren.

Gießen
Die letzte Attraktion des Rundgangs ist eine traditionelle Glockenwerkstatt, die originalgetreu nachgebaut wurde. Wie das Gießen funktioniert und auf was zu achten ist, zeigt ein Film: Größe und Form beeinflussen die Tonlage, auch das Mischverhältnis (86% Kupfer, 14% Zinn) sowie die Reinheit des Materials spielen eine ausschlaggebende Rolle. Wer es dann wirklich ganz genau wissen will, stattet Wolfgang Olivier Werkstatt einen Besuch ab. Der Familienbetrieb wurde vor 150 Jahren gegründet. Olivier, der den Betrieb in der 5. Generation führt, bietet Schaugießen an und erklärt dabei, wie er den Klangkörpern den letzten Schliff verleiht. In diesem Arbeitsschritt bringt der Mann mit dem guten Gehör, alle mitschwingenden Töne in Einklang zum harmonischen Gesamtton. Eine frisch gegossene Glocke gibt’s je nach Größe für 7 oder 14 Euro mit dazu.

Die Glockengießerausstellung eröffnete am 16. September und kann bis zum 31. Oktober montags, mittwochs und freitags von 13 bis 17 Uhr besucht werden. Zwischen 4. November und 10. Dezember können Urlauber sich die Ausstellung nach Absprache zu individuellen Terminen ansehen. Von 11. Dezember bis April 2020 ist das Biatron regulär dienstags und freitags zwischen 13 und 17 Uhr geöffnet. Erwachsene zahlen fünf Euro, mit der Gästekarte Pillerseetal nur vier. Kinder bis sechs Jahren sind gratis unterwegs, alle Älteren für drei Euro. Das Schaugießen ist direkt bei Wolfgang Olivier zu zahlen und kostet 3 Euro, für alle Kinder unter acht Jahren kostet es nichts. Sonderöffnungszeiten können telefonisch unter +43 664 994 910 72 vereinbart werden.

2020 wird dann der Glockenerlebnisweg eröffnet. Auf einem Rundgang durchs Dorf werden alle interessanten Anekdoten der Waidringer Glockengeschichte erzählt. Endpunkt des Erlebnisweges ist ein großes Glockenspiel mit 12 Klangkörpern. Hier spielt das „Waidring-Lied“, das extra für das Glockendorf komponiert wurde. glockendorf.tirol

Weitere Infos: Tourismusverband PillerseeTal – Kitzbüheler Alpen, Dorfplatz 1, A-6391 Fieberbrunn, Tel. +43 (0)5354 / 563 04, info@pillerseetal.at, www.pillerseetal.at

Quelle und Fotos Glockengießerausstellung

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Gabriele Wilms
Über Gabriele Wilms 1015 Artikel
Seit vielen Jahren beschäftige ich mich intensiv mit der Tätigkeit des Reisejournalistin und Bloggerin. Ich betreue Toureal als verantwortliche Chefredakteurin. Gut ein Drittel des Jahres bin ich daher für unser Reisemagazin unterwegs in den schönsten Hotels Europas.

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