Mittelalter hautnah in Rothenburg ob der Tauber

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Rothenburg ob der Tauber im romantischen Franken ist weltweit bekannt, hier kann man das Mittelalter hautnah erleben und ganz besonders, wenn die Reichsstadt-Festtage veranstaltet werden. Bei meinem Besuch wurden diese gefeiert und ich habe mich in eine andere Zeit zurück versetzt gefühlt.

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Rothenburg ob der Tauber ist eine der am besten erhaltenen Mittelalterstädte, die wir in Deutschland noch haben. Fast jeder Stein kann eindrucksvoll und lebendig von der Geschichte, von Königen und Kaisern, von den Geheimnissen und dem Zauber des Mittelalters erzählen.

Was macht Rothenburg ob der Tauber so besonders?

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Eine 3,5 km lange komplett erhaltene Stadtmauer umschließt die Stadt und genau das macht eine Mittelalterstadt aus. Der Stadtmauer folgt der Zwinger, der Graben und Schütt, weil man da noch einmal aufgeschüttet hatte.

Auf dem Wehrgang der Stadtmauer kann man rund herum gehen. Oben sind Gedenktafeln angebracht. Diese erinnern an Spender, die gleich nach dem Krieg zum Wiederaufbau und zur Erhaltung je 1 Meter Stadtmauer gekauft haben, damals lag der Preis bei 40 – 50 Mark. Es ist auch heute noch möglich, für die Erhaltung zu spenden, jedoch liegt der Preis jetzt bei rund 1200 € für 1 m Mauer. Es waren sehr viele internationale Spender, man sieht sehr viele Tafeln aus der USA.

Es sind noch alle 9 Stadttore mit ihren Türmen erhalten, ja bis zu 42 Türme sind in Rothenburg zu finden. An den Toren sind der Reichsadler und das Stadtwappen angebracht.

Mittelalterhäuser sind Fachwerkhäuser, so wie in Rothenburg in vielen verschachtelten Gässchen und deshalb steht die gesamte Altstadt unter Dankmalschutz. Es dürfen zur Dachdeckung nur rote Biberschwanzdachziegel verwendet werden, das sieht besonders schön aus, wenn man sie von oben betrachtet, dafür reicht schon der Wehrgang.

Noch besser sieht man dies vom 52 m hohen Rathausturm. Das Rathaus besticht durch seine Renaissance-Fassade mit barockem Arkadenvorbau und dahinter der gotische Teil mit dem Turm. Für solch eine Turmbesteigung sollte man schwindelfrei sein, es sollte man sich aber bei einem Besuch Rothenburgs auf keinen Fall entgehen lassen. Um ans hoch ersehnte Ziel zu gelangen, müssen Sie über das Hauptportal des Rathauses und dann 220 Stufen erklimmen.

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Aufdem Rathausturm

Bei fantastischen Wetter haben wir diesen höchsten Aussichtspunkt der Stadt erstiegen, besonders der letzte Anschnitt ist schon recht mühsam, aber man wird mit einem tollen Rundum-Blick auf Rothenburg und das Taubertal tausendfach belohnt.

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Mit 40 qkm war Rothenburg nach Ulm und Nürnberg die drittgrößte Mittelalterstadt. Sehenswert ist die Kirche St. Wolfgang am Klingentor, die dem Schutzpatron der Schäfer gewidmet ist. Die Kirche ist Teil der Stadtmauer und war als trutziges Befestigungsbauwerk mit Schießscharten, dahinterliegenden Kasematten, einem Verlies und Geschützboden zum Schutz der Stadt integriert. Innen eine ganz normale Kirche, ein kunstvolles spätgotisches Bauwerk mit drei Altäre aus der Zeit um 1500.

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Einmalig ist die Lage von Rothenburg. Wie der Name schon sagt, liegt die Stadt oberhalb der Tauber, abgekürzt „ob der Tauber“, direkt am Tal-Rand und hat deshalb auf der schönsten Seite einen unvergesslichen Blick in die Natur des Taubertals. Das Burgtor aus dem 12. Jahrhundert ist der älteste und größte Torturm mit Vorbauten aus dem 16. Jahrhundert, einfach sehenswert.

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Es ist ein Trugschluss, dass Rothenburg ob der Tauber extrem voll sein soll, ich war auch immer dieser Meinung. Sicher rund um den Marktplatz ist es richtig voll von Touristen, vor allen aus den USA und Japan. Wenn man etwas abseits durch die Gassen geht, kann man die schönsten Ecken fast allein entdecken.

Stadtführungen bei Tag und Nacht

Es lohnt sich die Stadt mit einem Stadtführer zu erkunden, er führt Sie in die schönsten Winkel und weiß sehr viele interessante Geschichten zu erzählen.

Mit unserem Stadtführer Harry Ernst machen wir einen Spaziergang durch die beeindruckende Stadt, vorbei an Toren, Türmen und mächtigen Mauern, an Renaissancefassaden sowie verwunschenen Winkeln. Gebäude, Kirchen und Plätze, Parks und Gärten sowie Museen bieten einen spannenden Blick in die Vergangenheit.

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Von April bis Oktober werden täglich 2 Stadtführungen auf Deutsch und eine auf Englisch zu festen Zeiten angeboten, man muss sich nicht anmelden, sie findet auf jeden Fall statt, egal wie viele daran teilnehmen, diese kostet 7 € in Deutsch und 8 € in Englisch.

Besonders beliebt ist die tägliche Nachtwächterführung für ebenfalls 7 €, der Nachtwächter ist einfach ein Unikat. Mit netten Anekdoten im Mittelalterstile wird durch die Dunkelheit der spärlich beleuchteten Stadt auf unterhaltsame und doch informative Weise geführt und dabei viel Wissenswertes zur Stadtgeschichte erzählt. Dabei erfahren Sie, wie die Menschen im Mittelalter gelebt haben.

Der Rothenburger Nachtwächter geht mit Ihnen durch düstere Gassen und spärlich beleuchtete Plätze. Die Stadt bei Nacht hat eine ganz besondere Stimmung.

Stadtpfarrkirche St.-Jakobs mit Riemenschneider Altaren

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Bereits seit dem frühen Mittelalter machen die Pilger auf ihrem langen Weg nach Rom und Spanien in Rothenburg halt, um in der evangelisch-lutherische Stadtpfarrkirche St.-Jakobs-Kirche zu beten. Der erste Abschnitt des Jakobswegs war der Weg von Nürnberg nach Rothenburg ob der Tauber.

Auf der Westempore befindet sich das wertvollste Kunstwerk dieser Stadt, der Heilig-Blut-Altar von dem berühmten Würzburger Tilman Riemenschneider. Er hatte ihn zwischen 1500 und 1505 für eine Heilig-Blut-Reliquie geschnitzt. Es soll sich um einen verschütteten Tropfen aus dem Kelch während des Abendmahls handeln, der durch die Wandlung zum Blut Christi wurde und damit zur Heilig-Blut-Reliquie. Sie wird im Gesprenge in einer Bergkristallkapsel des Reliquienkreuzes aufbewahrt.

Dieser Altar ist ein ganz besonderes Kunstwerk, das Abendmahl ist nicht wie üblich, sondern ganz anders dargestellt. Alle sitzen um den Tisch herum, nicht nur dahinter und die zentrale Figur ist Judas, nicht, wie sonst üblich, Jesus selbst. Hinter Judas ist kaum sichtbar Apostel Johannes, der erst durch das Herausnehmen des Judas sichtbar wird, er hat den Kopf auf seine Arme gebettet und schläft.

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Einen kleinen Ludwig-von-Toulouse-Altar von Riemenschneider finden Sie im Kirchenschiff.

Kurz zur Geschichte von Rothenburg

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Am 15. Mai 1274 erfolgte durch König Rudolph von Habsburg die Erhebung von Rothenburg zur Reichsstadt. Als Zeugen dieser stolzen Zeit erleben wir die geschlossene Stadtmauer und das imposante Rathaus. Der erfolgreiche Bürgermeister Heinrich Toppler (ca. 1340–1408) brachte der Stadt Wohlstand und Macht, noch heute erinnert das Toppler Haus an ihn. Im Jahre 1408 starb er geheimnisumwittert im Verlies des eigenen Rathauses. 1544 wurde in Rothenburg die Reformation eingeführt. Der Deutsch- und der Johanniterorden blieben katholisch, mussten aber ihre Kirchen St. Jakob und St. Johannis abgeben. Mit dem 30-jährigen Krieg (1618 – 1648) verlor die Stadt ihre wirtschaftliche Bedeutung und nach der Eingliederung in das Königreich Bayern im Jahre 1802 war es endgültig mit der einstigen Herrlichkeit vorbei. Die Stadt wurde im Zweiten Weltkrieg zu 45% zerstört, aber mit viel Aufwand in alten Antlitz wiederhergestellt, dank der vielen Spender.

Museen in Rothenburg

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In Rothenburg gibt es eine Reihe von bedeutenden Museen, wie zum Beispiel das Reichsstadtmuseum, das Handwerkerhaus. Wir haben uns das Weihnachtsmuseum und das Kriminalmuseum angeschaut, ich werden in einem anderen Artikel später mehr darüber berichten.

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Nur kurz zum Kriminalmuseum, es ist das bedeutendste deutsche Rechtskundemuseum, das einen Einblick in das Rechtsgeschehen der letzten 1000 Jahre gibt. Sie finden hier Ausstellungsstücke wie Folter- und Hinrichtungsinstrumente, Halsgeigen, Schandmasken, Richtschwerter, Richträder, mittelalterliche Gesetzestexte und Anleitungen zu Hexenprozessen, echt interessant. Für zart besaitete vielleicht etwas gruselig.

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Weihnachtsmuseum Käthe Wohlfahrt

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Unweit des Marktes findet man die Weihnachtswelt der Käthe Wohlfahrt, hier ist das ganze Jahr Weihnachten, was besonders die ausländischen Gäste freut und heute ein ganz wichtiger Anziehungspunkt für die Touristen ist. Das ist auch der Hauptgrund, warum es rund um den Marktplatz so voll von Touristen ist, viele wollen deutsche Weihnacht sehen und kaufen.

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In der Altstadt von Rothenburg wurden zahlreiche Filme gedreht, darunter auch „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes“ Teil 1. Die Szene, `in der Grindelwald den Elderstab stiehlt´, wurde in Rothenburg gedreht und ist auch im Film zu sehen. Der Abspann des Films enthält sogar eine Danksagung an die Stadt.

Kulinarik in Rothenburg

In Rothenburg kann man fantastisch essen, zahlreiche traditionelle Gasthöfe bieten echte fränkische Speisen und herzliche Gastfreundschaft. Wir konnten uns von der Vielfalt der landestypischen Gaumenfreuden überzeugen. Besonders begeistert hat mich der frische Karpfen im Restaurant Reichsküchenmeister mitten in der Altstadt.

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Im Gasthof Rappen Rothenburg vor den Toren der Stadt bietet Spezialitäten der Rothenburger Pfannkuchen-Kuchel, von natürlich herzhaften oder auch süße Pfannenkuchengerichte, ob fränkisch, raffiniert oder exotisch, Sie finden garantiert einen Pfannenkuchen nach Ihrem Geschmack. Ich hatte mich für eine indische Variante entschieden, einfach köstlich.

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Kartoffel Cordon Blue

Auch die Kartoffelstube im Gasthof Rödertor ist nur zu empfehlen. Haben Sie schon einmal Kartoffel Cordon Blue gegessen. Ein Kartoffelteig gefüllt mit Schinken und Käse, paniert und ausgebacken, es war riesig, aber richtig gut. Ein köstliches, süßes Dessert sind die Rothenburger Schneeballen aus Mürbteig. Zahlreiche Gasthöfe aus dem Raum Rothenburg sind übrigens Mitglied der Initiative „Regionalbuffet“. Diese fördert die fränkische Küche und gewährleistet die Verwendung regional erzeugter Lebensmittel.

Die Reichsstadt-Festtage

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Im September präsentiert sich die Stadt an den Reichsstadt-Festtagen wie ein lebendig gewordenes Geschichtsbuch. Die gesamte Stadtgeschichte blättert sich an diesen Tagen auf und erinnert an die Zeit zwischen 1274 und 1802, als Rothenburg noch eine Reichsstadt war.

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Vorstellung der teilnehmenden Historiengruppen

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Zur Eröffnung des Spektakels am Freitagabend gibt es einen großen Fackelzug und der Vorstellung der teilnehmenden Historiengruppen.

Das historische Rathaus mit seinen Arkaden bildet anschließend die Kulisse für ein musikalisch umrahmtes Fassadenfeuerwerk.

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Wir hatten das Glück dabei zu sein und das Ganze von einem Logenplatz aus verfolgen zu können. Ein Wahnsinns Feuerwerk hat das Rathaus ganz toll in Szene gesetzt.

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Am Samstag konnte man auf den Plätzen der Altstadt verschiedene Epochen hautnah erleben, denn über 1.000 Einwohner spielten in Kostümen ihre Geschichte nach. Das Lager der Ritterschar vor dem Rödertor zeigte mittelalterliches Handwerk, Musik, Gaukelei, Showkämpfe und ein buntes Familienprogramm mit Geschicklichkeitsspielen und Streichelzoo erwarteten die Besucher.

Die Rothenburger Altstadt wurde zum Schauplatz wechselnder historischer Szenen, an verschiedenen Standorten begegnete man den Pikenieren, der Schwarzen Schar des Bauernkrieges, dem Mittelalterlichen Bürgerleben oder am malerischen Rothenburger Plönlein den Künstlerinnen des frühen 20. Jahrhunderts. Von Rothenburger Münzern wurde am Marktplatz gezeigt, wie man Geld selbst prägt. Überall hörte man umherziehende Gruppen, wie die Rothenburger Stadtpfeifferey mit höfischen Reigen und Weisen aus dem Mittelalter und der Renaissance, die Gauklergruppe Mummenschanz mit Spiel und Gesang sowie Beutelschneider, Marketenderinnen und die Junge Schar. Krönender Abschluss des Tages ist das Feuerwerk und die anschließend durch bengalische Feuer hell erleuchtete, „brennende“ Stadtsilhouette. Am nächsten Tag geht die Feier weiter und endet mit der abschließenden Versammlung der Historiengruppen auf dem Marktplatz.

Ich danke Tourismusverband Franken e.V. und Rothenburg Tourismus Service für die Unterstützung.

Fotos Gabriele Wilms

Über den Autor

Gabriele Wilms

Seit vielen Jahren beschäftige ich mich intensiv mit der Tätigkeit des Reisejournalistin und Bloggerin. Ich betreue Toureal als verantwortliche Chefredakteurin. Gut ein Drittel des Jahres bin ich daher für unser Reisemagazin unterwegs in den schönsten Hotels Europas.

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