Seltsame Dinge in Uruguay – Wellenbrücke „Puente Leonel Viera“

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Wer durch das kleine, noch ziemlich unbekannte, angenehme und freundliche süd-amerikanische Ländchen Uruguay fährt, trifft immer wieder auf Besonderheiten. Nehmen wir Punta del Este, den ziemlich mondänen internationalen Badeort an der Atlantikküste, etwa 140 Kilometer östlich der Hauptstadt Montevideo gelegen.

Man fährt gemächlich mit dem Mietwagen oder Taxi darauf zu, auf der Nationalstraße 10, und freut sich der Dinge, die da kommen, und sieht plötzlich eine Brücke über einen kleinen Fluss. Brücken sind meist nichts Besonderes, aber diese ist etwas, sagen wir, merkwürdig. Sie lässt unmittelbar den Gedanken aufkommen, hier habe sich der Architekt unter dem Einfluss des landestypischen Rotweins in seinen Berechnungen ziemlich enorm vertan. Es könnte auch eine konzertierte Protestaktion der beauftragten Bauunternehmen gewesen sein, denen man ja überall alles zutraut.

Jedenfalls ist diese kleine Brücke über die Mündung des Arroyo Maldonado wellig. Ziemlich wellig sogar, und wenn man drüber fährt, hat man ein bisschen den Eindruck, in einen Ride in einem Freizeitpark geraten zu sein – was ein Grund dafür ist, dass Fremde gerne mehrere Male hinüber und zurück fahren, bevor sie sich ins mondäne Badevergnügen von Punta del Este stürzen.

Es hat alles seine Gründe; offensichtlich haben frühere Brückenkonstruktionen aus Holz und Zement der Natur nicht standgehalten, weshalb man diese Spannbandkonstruktion aus Zement wählte, die nicht nur stabil ist, sondern mittlerweile auch eine zusätzliche Sehenswürdigkeit. Zwei dreieckige Pfeiler stützen die Brücke „Puente Leonel Viera“, von den Einheimischen auch „Puente ondulante“ (wogende, wellende Brücke) oder „Puente curvo“ genannt, weil sie in ungewöhnlicher Wellenform errichtet worden ist.

1965 eingeweiht, 150 m. lang, verbindet sie seither die Badestädte La Barra und Punta del Este. Ihr Name kommt von ihrem Erbauer, einem Architekten, der etwas Originelles schaffen wollte. Das ist ihm auch gelungen.

Also, wer hier in der Gegend herumreist, sollte sich das kleine preiswerte Vergnügen gönnen, und unbedingt diese Brücke erfahren…

Wellenbrücke „Puente Leonel Viera“

Und, etwas, das nicht jeden Tag vorkommt: einer der berühmtesten Dichter der Welt hat der Wellenbrücke sogar ein Poem gewidmet. Pablo Neruda, Chilene, Nobelpreis-träger von 1971, schrieb über sie, nachdem er sie auf einer seiner Reisen gesehen hatte:

„Al Puente Curvo de la Barra Maldonado, en Uruguay“

Entre agua y aire brilla el Puente Curvo:
entre verde y azul las curvaturas
del cemento, dos senos y dos simas
con la unidad desnuda
de una mujer o de una fortaleza,
sostenida por letras de hormigón
que escriben en las páginas del río.
Entre la humanidad de las riberas
hoy ondula la fuerza de la línea,
la flexibilidad
a la dureza,
la obediencia impecable
del material severo.
Por eso, yo, poeta
de los puentes,
cantor de construcciones,
con orgullo
celebro
el atrio
de Maldonado, abierto
al paso pasajero,
a la unidad errante de la vida.
Lo canto,
porque no una pirámide
de obsidiana sangrienta
ni una vacía cúpula sin dioses,
ni un monumento inútil de guerreros
se acumuló sobre la luz del río,
sino este puente que hace honor al agua
ya que la ondulación de su grandeza
une dos soledades separadas
y no pretende ser sino un camino.

– PABLO NERUDA –

Ein kleiner Platz am einen Ende der Brücke, mehr Picknickgelegenheit als wirkliche Verkehrsregulation, trägt den Namen des Dichters – ein kleiner Beleg dafür, dass und wie seine literarische Befasstheit mit der Brücke hier in Uruguay erfreut hat.

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Über den Autor

Dr. H. Jürgen Kagelmann Kagelmann

Dr. H. Jürgen Kagelmann, Diplom-Psychologe, Hochschuldozent für Gesundheitstourismus und Freizeitpsychologie, Reisejournalist, Buchautor, Verleger. Letzte Bücher: „Gesundheitsreisen und Gesundheitstourismus. Grundlagen und Lexikon“ (2016) „Das Beste, was man vom Reisen nach bringt, ist eine heile Haut. Kluge, ironische und böse Bemerkungen zu Reisen, Urlaub und Tourismus.“ (2015, beide zusammen mit Dr. Walter Kiefl). Länderinteressen: Lateinamerika, vor allem Mexiko, Peru, Uruguay; ferner Florida, Spanien, Nordseeküste. Spezielle Interessen: Themenparks, Wasserparks und andere Erlebniswelten, sowie Psychologie des Reisens und des Tourismus.

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