Auf den Spuren der Flößer

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Der Luftkurort Lenggries ist eine alte Flößersiedlung im Herzen des Isarwinkels, am Nordrand des Karwendelgebirges, wo die Isar den Alpenraum verlässt. Im Jahre 2009 wurde der Gemeinde Lenggries von der Internationalen Flößervereinigung das Prädikat „Flößerdorf“ verliehen und damit zählt sie zum erlesenen Kreis von acht europäischen Orten, deren Historie mit dem Flößerhandwerk verknüpft sind.

Der Ortsname Lenggries leitete sich vom „langen Gries“, den langgestreckten Kiesbänken an der Isar, ab. In Lenggries war die Flößerei eines der ältesten Gewerbe mit dem die Lenggrieser Handwerker und Händler Handel bis in die Donauländer trieben. Es war das bedeutendste Gewerbe dieser Zeit. In den 1780er Jahren ging von Lenggries viel Baumaterial nach München, wie zum Bau der Isarbrücke, des Mautgebäudes und eines Biberbassins. 1783 lieferten Lenggrieser Flößer 122 Marmorsteinflöße zum Bau der kurfürstlichen Schlösser Nymphenburg und Schleißheim an.

Bis zum Bau der Isar- und Reisbach-Ableitung für das Walchenseekraftwerk (1918-1925) waren die Flößer die Fuhrunternehmer für Rohstoffe und Handwerkszeug, besonders aber für Holz, was auf dem Wasserweg transportiert wurde. Dabei war die Blütezeit der Flößerei im zweiten Drittel des 19. Jahrhunderts. Damals landeten zum Beispiel 10.000 Floßtafeln, so nannte man die Flöße, im Jahr in München, wobei es teilweise zu Überfüllung an den Ganterplätzen in München kam. An den Ganterplätzen wurden die Holzstämme mit Pferdegespannen, Baumaschinen und Ketten aus dem Wasser gezogen und zu Gantern aufgeschichtet. Da am Ganterplatz Flöße angebunden und zum Anlanden genutzt wurden, war jede Lände zugleich Lagerplatz. Länden waren zu der Zeit der Wasserstraßen mit Bahnhöfen vergleichbar, jeder Ort im Fluss hatte seine Haltestelle. Die ursprüngliche Lände mit großen Lagerplatz in München befand sich an der Kohleninsel, wo heute das deutsche Museum steht. Später zum Jahrhundertwechsel war die Lände Thalkirchen vor München die zentrale Floßlände Münchens. Noch heute landen hier Flößer, bauen ihre Floßtafeln aber auseinander und nehmen sie wieder mit, um sie wieder zu verwenden.

Für den Dachstuhl der Münchner Frauenkirche wurden allein 140 Floßtafeln mit 2.500 Baumstämmen von Lenggries in die Landeshauptstadt geflößt, wohl die größte Holzfuhre.

Floßfahrt auf einem der groeßten Floeße Europas_c_Tourismus_Lenggries

Die Flöße waren mit kleinen Hütten ausgestattet, die den Flößern Schutz boten. Diese waren sehr gläubig und hatten immer eine kleine tragbare Flößerkapelle dabei. Sie verehrten den heiligen Nikolaus und den Johannes Nepomuk als Schutzheiligen.

Floeßer bei der Arbeit, c_Tourismus_Lenggries

Bis heute wird die Tradition der Flößerei von dem Holzhacker- und Flößerverein Lenggries gepflegt. Matthias Mederle, Vorsitzender des Holzhacker- und Flößerverein hat uns bei einer Führung durch den Ort und das Heimatmuseum die Geschichte der Flößer näher gebracht.


Kalkofen Lenggries

Teil der Führung war der Kalkofen in Lenggries, ein lebendes Denkmal. Bereits 1347 wurde die Kalkbrennerei im Isarwinkel das erste Mal erwähnt, denn es soll zu dieser Zeit bereits Kalk von Tölz nach München auf Flößen geliefert wurden sein. Es wurde immer mehr und Ende des 18. Jahrhunderts fuhren bereits mehr als 800 Flöße pro Jahr die Kalkfracht in Fässern oder Blöcken auf der Isar nach München und weiter die Isar abwärts. Ab Ende des 19. Jh. wurde Kalk industriell hergestellt und somit fiel der Nebenerwerb der Flößer, das Kalk brennen, weg. Der Kalkofen in Lenggries ist sehenswert, die aufgestellten Tafeln zeigen anschaulich, wie er gearbeitet hatte.

Im Heimatmuseum haben die Vereinsmitglieder liebevoll die Darstellung der Flößerei in einer Ausstellung mit Bilder und auch Flößen bildlich dargestellt. Somit kann man sich in die Zeit zurück versetzen und der Matthias Mederle hat uns am Modell auch gezeigt, wie geflößt wurde, die Technik. Der Holzhacker- und Flößerverein hatte 2015 sein 150-jähriges Jubiläum gefeiert.

Bei unserem Rundgang durch Lenggries haben wir auch der Kirche einen Besuch abgestattet, wie die Bilder zeigen.

„Laternenwanderungen mit dem Flößer“

Als besonderes Angebot bietet Lenggries ab Dezember 2017 eine „Laternenwanderungen mit dem Flößer“ an. Am 2.12. findet diese zum ersten Mal statt, weitere folgen im Dezember immer samstags ab 17 Uhr, insgesamt fünf Mal. Treffpunkt mit Herrn Mederle ist an der Tourist Information. Der Rundgang durch den Ort beinhaltet Kalkofen, Kirche und Heimatmuseum.
Dauer: 2h
Mindestteilnehmerzahl: 4 Personen.
Auf Anfrage gibt’s für Gruppen noch Sondertermine. Bei guter Resonanz ist eine Fortsetzung 2018 geplant.
Anmeldung zur Laternentour ist unbedingt erforderlich! Bis 17 Uhr am Vortag (=Freitag) unter 08042 5008800, Tourismusinformation Lenggries
Preise: Erwachsene 4 €, Kinder 4-16 Jahre 2 €
Mit Lenggrieser Gästekarte kostenlos

Ich danke Tourismus Lenggries, besonders Ursula Grottenthaler, Matthias Mederle, Vorsitzender des Holzhacker- und Flößerverein und Susanne Böllert von KunzPR für die tolle Unterstützung. www.lenggries.de

Fotos Gabriele Wilms

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Über den Autor

Gabriele Wilms

Seit vielen Jahren beschäftige ich mich intensiv mit der Tätigkeit des Reisejournalistin und Bloggerin. Ich betreue Toureal als verantwortliche Chefredakteurin. Gut ein Drittel des Jahres bin ich daher für unser Reisemagazin unterwegs in den schönsten Hotels Europas.

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