Mit Yogatherapie auf allen Ebenen glücklich

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„Aus yogischer Sicht entstehen die meisten Krankheiten aus einer Stress-Situation heraus“, so Mahashakti Uta Engeln, Leiterin der Yoga-Therapie bei Yoga Vidya.

Yogatherapie

„Wir ruhen nicht in unserer Mitte und sind dann leicht durch Störungen zu beeinflussen. Dass kann auf den verschiedensten Ebenen stattfinden. Durch Bakterien oder Viren, aber auch energetisch, psychisch oder emotional. Heutzutage leben wir gegen unsere natürlichen Rhythmen, sind widersprüchlichen Situationen ausgesetzt, schwimmen in einer Informationsflut mit konstantem Lärmpegel und nutzen unsere Freizeit für Weiterbildung, anstatt einfach mal los zu lassen.“ Das fördert eine permanente Weiterentwicklung von Verspannungen über Jahre und Jahrzehnte hinweg, bis in die Tiefen der Organsysteme hinein. Der Nährboden für Krankheiten aller Art ist gelegt.

In einem Krankenhaus wollte Ärztin Kalima Frank nicht länger arbeiten. Innerhalb der festen Strukturen konnte sie nicht ändern, dass vor allem Symptome behandelt wurden, und nicht die oft zugrunde liegenden Ursachen. Um Menschen wirklich helfen zu können, fehlte ihr dort ein ganzheitlicher Ansatz. Im Frühjahr 2009 entschloss sie sich dazu, sich einem Team von Yoga-Therapeuten in Bad Meinberg anzuschließen. In einer ehemaligen Kur-Klinik begann sie dort mit anderen Heilpraktikern und psychologischen Therapeuten ein neues Konzept zu entwickeln; basierend auf den Lehren des klassischen Yoga.

Unser Sein hat viele Ebenen

Yoga-Therapie beginnt damit, dem Teilnehmer zu helfen, Stress auf allen Ebenen abzubauen. Gemäß dem Modell der fünf Koshas (Hüllen) aus der Lehre des Vedanta, gibt es immer mehrere Ansatzpunkte, Verspannungen und stressbedingte Disharmonien zu beseitigen. Das alte Indische Philosophiesystem betrachtet den Menschen als ein aus unterschiedlichen Ebenen bestehendes Wesen.

Körperliche Verspannungen setzen sich in unserem System langfristig immer tiefer fest. Stress führt zunächst zur Aktivierung des sympathischen Nervensystems. Der Muskeltonus steigt, Herzfrequenz und Blutdruck gehen nach oben und die Atmung beschleunigt sich. Verdauungs- und Reparaturprozesse des Körpers hingegen werden heruntergefahren, die Durchblutung der Haut reduziert, und es kommt zum Tunnelblick. All diese Belastungen der Annamaya Kosha, der physischen Hülle, haben dann Konsequenzen für unseren Energiehaushalt, die Pranamaya Kosha.

Wenn wir uns verspannen, trennen wir uns von unserer Lebensenergie-Quelle. Dann leben wir – weil keine oder nicht ausreichende Energie nachfliest, aus der „Reserve“. Nach einiger Zeit macht sich das bemerkbar als physische oder psychische Erschöpfung. Denn diese Energie-Blockaden wirken auch weiter auf der Manomaya Kosha, der emotionalen Hülle. Wenn wir uns müde und erschöpft fühlen, wenn unsere Energie über einen längeren Zeitraum nicht aufgeladen wird, entsteht in unserem Geist eine Abwehrhaltung gegen jegliche Art weiterer Belastungen. Egal was kommt – alles scheint die Lage schlimmer zu machen. Man wehrt sich gegen jede Veränderung und kommt so in einen emotionalen Stau.

Emotionale Überreaktionen strahlen dann aus auf die Vijnamaya Kosha, die Ebene des Verstandes. Konnte unsere Intuition sonst noch mit der ihr natürlich innewohnenden Kreativität neue Lösungen finden, werden unsere Denkmuster immer mechanischer. So sind wir langfristig blockiert unseren natürlichen Zustand in der Anandamaya Kosha, unserer Wonne-Hülle zu empfinden. Statt unser Innerstes als freudvoll zu erleben und uns Eins zu fühlen, sind wir unglücklich. Neue Nahrung für Krankheit statt Heilung.

Entspannen und Energetisieren: Dem Kampf ein Ende setzen und Auftanken

Hatha-Yoga kann mit richtiger Haltung, Atmung und Entspannung viel auf der körperlichen Ebene in Bewegung bringen. Die verspannte Skelettmuskulatur wird gelockert, der Atem tiefer, und Teilnehmer lernen den natürlichen Entspannungs-Impuls (Relaxations-Response) des Körpers wieder zu erleben. Die Selbstheilungskräfte des Körpers kommen wieder in Gang.

Wenn durch Asanas die Wirbelsäule zu ihrer natürlichen Haltung zurück findet, beginnen auch die inneren Energien, das Prana wieder zu fließen. Atemübungen verstärken diesen Effekt. Und wenn wir wieder in der Lage sind tief durchzuatmen wirkt sich das auch auf unser seelisches und geistiges Befinden aus. Positive Gefühle stellen sich ein und wir lernen wieder flexibler mit Anforderungen umzugehen. Mahashakti Engeln fasst zusammen: „Die Langzeitwirkung regelmäßiger Entspannung ist freundliche Gelassenheit bei voller Leistung“.

Im entspannten Zustand können sich alte Beschwerdebilder bereits auf allen Ebenen verändern. Aber Yogatherapie geht weiter zu ganzheitlichem Wohlbefinden. Während der Therapie tanken die Teilnehmer spürbar wieder auf. Danach erarbeiten die Therapeuten für die Klienten nachvollziehbare Wege, sich weiter selbst zu stärken. Körperlich, energetisch, emotional und geistig. Das Gefühl von Selbstsicherheit kommt zurück – oder man empfindet es zum ersten Mal.

Alltagstauglich und einfach: Viele Yoga-Wege führen zu Gesundheit

Im ersten Anamnesegespräch haben Yoga-Therapeut und Teilnehmer untersucht, wo die größten Beschwerden empfunden wurden. Es ist wichtig das zu klären denn, so Kalima Frank: „Meistens ist es nicht das Thema das vordergründig angesagt wird“ Ein yogatherapeutisches Behandlungskonzept muss dann verschiedenen Anforderungen entsprechen. Es muss absolut alltagstauglich sein, und für den Teilnehmer nachvollziehbar. Das kann heißen, auch wenn nur 15 Minuten am Tag für Übungen zur Verfügung stehen, ein Programm zusammen zu stellen, das gezielt dem Teilnehmer entspricht. Dabei spielen häufig auch Alltagshilfen eine Rolle. Kalima Frank: „Hat der Teilnehmer überhaupt Zeit, eine Viertelstunde allein zu sein? Wenn nein, wie kann man unterstützen dass ein Freiraum geschaffen wird, z.B. von der Familie. Das ist dann häufig das erste Thema“.

„Wir holen die Teilnehmer dort ab, wo sie stehen.“ Es werden einfache Übungen zusammengestellt, die den Teilnehmern entsprechen. Mit Yoga-Bildern die man aus Werbemagazinen kennt auf denen junge Ballettänzer abgebildet sind haben die Übungspläne deshalb nicht viel zu tun. Variationen werden an die Möglichkeiten der Teilnehmer angepasst. Und Yoga hat viele Wege, einen Zustand von Harmonie zu unterstützen. Energetisch lernen die Teilnehmer einfache Aufladeübungen, aber auch das Wissen wie einfache Dinge die gut tun in den Alltag integriert werden können. Beim Spazierengehen bewusst den Boden unter den Füßen spüren, um sich zu erden.

Bei gutem Wetter mit Sonnenschein „auftanken“. Mahashakti Engeln findet bei genauem Hinschauen viele Wege, das Wissen aus alten Schriften lebensnah zu machen. Die Farbenlehre der Chakras zum Beispiel kann man nutzen um sich in der Wohnung mit stärkenden Farben zu umgeben. Oder am Esstisch mit farbigen Gewürzen Anregungen für die Sinne ins Spiel zu bringen. Achtsamkeit bringt ein genussvolleres Leben – in jeder Hinsicht. Emotionale Zufriedenheit kann durch Mantras oder Musik aus dem Bhakti-Yoga wachsen. Kalima Frank: „Die Teilnehmer lernen das bewusste Herbeiführen von freudigen Zuständen“. Positive Affirmationen des Raja-Yoga wirken sowohl auf den Gefühls-Haushalt als auch auf die geistige Ausgeglichenheit. Konzentrationsübungen helfen bei der geistigen Fokussierung. Man wird selbst zum Gestalter eines freudvollen Lebens. „Yoga – off the mat!“ sagt Frank. „Es ist wichtig, sich Erinnerungshilfen zu schaffen, z.B. 5 mal am Tag 5 Atemzüge tief in den Bauch atmen. Denn Yoga findet nicht nur auf der Matte statt.“

„Häufig kommen auch Leute die schon Coping-Strategien haben, teilweise z.B. seit vielen Jahren Rückentraining machen oder Yoga-Erfahrung mitbringen. Man muss dann nicht unbedingt von vorne anfangen, sondern kann schauen, was bereits funktioniert, und ggf. Hilfen bei der persönlichen Anpassung geben.“ Und wichtig ist auch, so Frank: „Manchmal gibt es Tage da fühlt man sich nicht so toll, da macht man nur wenige Übungen.“ Yogatherapie kann man immer der Tagesverfassung und der möglichen Zeit anpassen. Das gilt auf allen Ebenen. Das Ziel fasst Kalima Frank so zusammen: „Wenn man in der Lage ist, tiefe Freude aus sich selbst heraus zu empfinden, die keinen Anlass von Außen bedarf – dann ist das ein Zeichen für Gesundheit“

Info und Fotos Yoga Vidya

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Über den Autor

Gabriele Wilms

Seit vielen Jahren beschäftige ich mich intensiv mit der Tätigkeit des Reisejournalistin und Bloggerin. Ich betreue Toureal als verantwortliche Chefredakteurin. Gut ein Drittel des Jahres bin ich daher für unser Reisemagazin unterwegs in den schönsten Hotels Europas.

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