Heilkraft des Wassers in Bad Ragaz

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Nach dem Drehtor steht man plötzlich vor einem dämmrig-feuchten Schlund. Ein schmaler Weg führt zwischen zwei 70 m hohen Felsen hindurch, die über einem zusammen schlagen. Von weitem hört man das Rauschen des Wassers, das zu einem Tosen anschwellt, je näher man kommt. Nur ein kleines Holzgeländer schafft Halt- und Abstand zum Abgrund. Doch das Eindringen in diese geheimnisvolle Welt wirkt nicht bedrohlich, sondern spannend, faszinierend und wildromantisch. Eben Abenteuer pur!

Ein Stollen führt in das Innere des Berges zur fast 37 Grad warmen Tamina-Quelle. Schon seit über 700 Jahren ist die wasserreichste Thermalquelle Europas das Ziel vieler Besucher und Pilger. „An Seilen wurden die Kranken mehrere hundert Meter in Körben heruntergelassen“, erzählt Jaqueline Schwitter, Fremdenführerin aus Bad Ragaz. „Bis zu zwölf Tage am Stück hielten sie sich in den steinernen Naturwannen auf. Sie aßen, tranken und schliefen so lange darin bis das Wasser ihre Haut total aufgeweicht hatte. Davon versprachen sie sich Linderung ihrer Schmerzen.“ Entdeckt wurde die Quelle von zwei Vogeljägern im 13. Jahrhundert in der Tamina-Schlucht. Mönche des nahe gelegenen Benediktiner-Klosters erkannten als erste die heilende Wirkung des Wassers, das Körpertemperatur hat und deshalb gut gegen Rheuma ist. Hölzerne Badehäuser wurden gebaut, es entwickelte sich die legendäre Heilstätte Bad Pfäfers. 1535 arbeitete dort der berühmte Arzt und Alchimist Theophrastus Bombastus von Hohenheim, genannt Paracelsus (1493-1541).

Er bestätigte die Heilwirkung des schwach mineralisierten Wassers in seinem Bericht „Vom Ursprung und Herkommen des Bads Pfeffers in Oberschweiz gelegen“ und spricht von „seiner Tugend, Kraft und Wirkung“. Seiner Meinung nach basiert die Medizin auf Natur- und Gotteserkenntnis: „Denn der Mensch kann nur vom Makrokosmos aus universalistisch erfasst werden, nicht aus sich selbst heraus. Erst das Wissen um diese Übereinstimmung vollendet den Arzt (Opus Paramirum).“ Ursachen von Krankheiten waren für ihn Konstitution, Gestirne, Gifte, Geister und der unmittelbare Einfluss Gottes. Anfang des 18. Jahrhunderts errichtete Fürstabt Bonifaz II zur Gilgen das barocke Badehaus. In seinen Glanzzeiten beherbergte es rund 500 Gäste gleichzeitig. Behandelt wurden vor allem Kreislaufbeschwerden, Lähmungserscheinungen und Unfallfolgen. 1838 gingen nach der Auflösung der Benediktinerabtei im Zuge der Säkularisation Quelle und Anwesen in den Besitz des Kantons St. Gallen über.

Heute ist das noch teilweise erhaltene Gebäude Museum und Kulturoase mit Veranstaltungen, Ausstellungen und Konzerten.

Eine Treppe führt zu den historischen Wannenbädern im Keller. Auf den Herdplatten in der alten Küche stehen noch die schweren Töpfe und Pfannen aus Zinn. „Balsam für Körper, Geist und Seele sollte Bad Pfäfers sein“, betont Schwitter. „Deshalb gibt es auch eine Kapelle zum Beten und ein Restaurant zum Speisen.“ Wer dort ein Bier trinkt, kann an den Wänden die Namen berühmter Schriftsteller lesen, die in Bad Pfäfers gekurt haben: Hans Christian Andersen, Victor Hugo, Carl Zuckmayer, Friedrich Nietzsche, Theodor Fontane, Thomas Mann und Johanna Spyri. Seit 1840 wird das „kostbare Nass“ aus der Tamina-Schlucht in das über vier Kilometer entfernte Ragaz talwärts geleitet. Rasch entwickelte sich das Bauerndorf zu einem renommierten Kurort. Wohlhabende Reisende, darunter viele Adlige aus Russland, führten zum Bau von Luxushotels.

Federführend dabei war der Schweizer Architekt Bernhard Simon (1816-1900), der die Domäne Ragaz vom Kanton St. Gallen sowie die Konzession zur Nutzung der Thermalquelle auf 100 Jahre erwarb. Im Kauf- und Konzessionsvertrag verpflichtete er sich, „einen grossartigen Gasthof samt Garten und Parkanlagen“, eine Trinkanlage, ein Kursaalgebäude und neue Badeeinrichtungen spätestens bis zum Beginn der Saison 1870 zu errichten. Und er hielt Wort. Ende Juli 1869 wurden das Grand Hotel Quellenhof zusammen mit dem nach der russischen Grossfürstin Helene Pawlowna benannten Helenabad eröffnet. Simon gilt deshalb als Begründer des weltberühmten Kurorts, dessen Badebetrieb trotz Wirtschaftskrisen, internationalen Spannungen und Erstem Weltkrieg nie unterbrochen wurde. Heute gehört das Grand Resort Bad Ragaz einer Aktiengesellschaft.

Die Tamina Therme, das öffentliche Thermal-Heilbad von Bad Ragaz, erstrahlt seit dem Neubau vor drei Jahren in weißem lackiertem Fichtenholz. Auf 7.300 Quadratmetern befinden sich verschiedene Innen- und ein Außenbecken, zahlreiche Sprudelliegen, Whirlpools, ein Strömungskanal sowie eine Saunawelt mit eigenem Außenbereich. Besonderes Highlight sind das Sauna-Erlebnis bei Voll- und Neumond sowie für alle Liebhaber der Freikörperkultur jeweils der erste Sonntag im Monat: Da fallen ab 21:00 Uhr die Hüllen. Wer ausserdem Wert auf gepflegte Hände und Nägel legt, der findet im Nail Design Studio ein fachkundiges Team und hochwertige Produkte von „alessandro International“. Salate, Sandwiches und Pasta gibt es für den kleinen Hunger im Restaurant „La Merenda“, was auf rätoromanisch „Zwischenmahlzeit“ heisst.

Gleich neben der Tamina Therme liegt das Grand Resort Bad Ragaz, das aus den beiden Fünf-Sterne-Häusern Grand Hotel Quellenhof & Spa Suites und dem Grand Hotel Hof Ragaz besteht. Wer in den puristisch designten Spa-Tower eincheckt, kann sich auf ein ganzheitliches Erlebnis freuen: Die Spa Lofts und Spa Suiten verfügen über eigene Dampfbäder, Whirlpool und teilweise sogar Sauna. Auch aus den Wasserhähnen fliesst, wie könnte es anders sein, Thermalwasser. Highlight ist die Penthouse Suite mit Cavalli-Lampen, einem Flügel und einem traumhaften 440-Quadratmeter-Rundumblick. Tennis-Star Roger Federer soll sich hier erholt haben. Für Wellness und Beauty sorgt das 5.500 Quadratmeter grosse „Leading Spa of the World“. Es verfügt über das weltweit erste, mit Swarovski-Kristallen verzierte Kräuterdampfbad. Facials werden mit Luxusprodukten von La Prairie, Kanebo, Sisley, Carita, Ericscon und Niance durchgeführt. Für individuelle Trainingseinheiten im Fitnessstudio steht ein Personal Coach zur Verfügung, Unterricht gibt es in Pilates, Yoga, Power Plate und Zumba (afrikanischer Tanz). Besonders luxuriös geht es bei dem glitzernden Treatment „Gold Temptation“ zu. Die Behandlung beginnt mit einem Bad aus Blattgold und verschiedenen wertvollen Ölen. Anschließend folgt eine Massage, bei der hauchdünne Goldblättchen auf dem Rücken, Bauch und den Beinen sanft in die Haut einmassiert werden. „Gold beruhigt, entspannt und wärmt“, erklärt Dermatologin Dr. Claudia Steiner. Passend abgerundet wird die prunkvolle Behandlung mit einem Schokoladentörtchen, das mit Gold verziert ist. Pärchen buchen sich gerne das „Andeer Private Spa“, wo auf 100 Quadratmetern Sauna, Whirlpool, Garten, Kuschelliegen und Champagner exklusiv zur Verfügung stehen.

Ergänzt wird das Angebot durch das Medizinische Zentrum und das Swiss Olympic Medical Center in dem sich Spitzenathleten, Hobbysportler und Neueinsteiger behandeln lassen. Hier bieten Ärzte und Therapeuten in den Kompetenzzentren „Bewegung und Sport“, „Rheumatologie“, „Gewichtsreduktion und Ernährung“, „mentale Gesundheit“, „Schönheit“ sowie „Gefäße und Venen“ ihre Dienste an. Dabei stehen natürlich Treatments mit Thermalwasser im Mittelpunkt der Anwendungen. Schliesslich ist hier auch die „Ragazer Ringmethode“ zuhause, eine spezielle Wassertherapie gegen chronische Gelenkprobleme. Während man mit Hilfe von Ringen entspannt im Wasser liegt, mobilisiert und dehnt der Therapeut den Körper auf schonende Art und Weise.

Aber auch kulinarische Freuden kommen nicht zu kurz: Die Gäste des Grand Resort Bad Ragaz können zwischen acht verschiedenen Restaurants wählen. Gourmets speisen entweder in der Äbtestube (17 GaultMillau-Punkte) oder im Restaurant Bel-Air (15 GaultMillau-Punkte). Mediterrane Küche wird im „Olives d´Or“, regionale Küche wie Käse- und Trüffelfondue in der Zollstube serviert. Wer gerne thailändisch und chinesisch isst, ist im neuen asiatischen Restaurant „Namun“ (13 GaultMillau-Punkte) richtig. Danach nimmt man Cognac und Zigarre vor dem Kamin im Salon Davidoff oder geht in eine der gemütlichen Bars.

Auch Golfer kommen hier auf ihre Kosten. Als einziges Hotel der Schweiz verfügt das Grand Resort Bad Ragaz über einen eigenen 18-Loch-PGA-Championship-Course – eine traumhaft schöne Anlage mit altem Baumbestand, Teichen und Bächen. Für Biker, die von Bad Ragaz aus starten, empfiehlt sich ein gemütliches Einfahren durchs Sarganserland mit Blick auf den Gonzen. Ab Wangs beginnt der Aufstieg bis zur Alp Unter Precht. Dort hat man einen tollen Blick ins Weisstannental, während in der Ferne der Foostock, Teil des UNESCO Weltnaturerbes „Tektonikarena Sardona“, thront. Vorbei an Wälder und Weiden gelangt man zum höchsten Punkt, der Alp Gamidaur. Danach kommt man an einem eindrucksvollen Panorama aus Churfirsten, Alvier, Rheintal und der Ruine Freudenberg vorbei. Durchflutet von Glückshormonen kehrt der Pedalritter nach Bad Ragaz zurück. Wer Kraft sparen will, kann auch mit der hoteleigenen Harley Davidson herumbrausen. „Hiersein“, so der Dichter Rainer Maria Rilke, „ist herrlich“.

Infos Altes Bad Pfäfers & Taminaschlucht, Tamina Therme und Grand Resort Bad Ragaz.
Fotos Altes Bad Pfäfers, Grand Resort Bad Ragaz, Text Sonja Schön

[approved]Grand Resort Bad Ragaz AG
CH-7310 Bad Ragaz
Telefon +41(0)81 303 30 30
www.resortragaz.ch[/approved]
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Über den Autor

Gabriele Wilms

Seit vielen Jahren beschäftige ich mich intensiv mit der Tätigkeit des Reisejournalistin und Bloggerin. Ich betreue Toureal als verantwortliche Chefredakteurin. Gut ein Drittel des Jahres bin ich daher für unser Reisemagazin unterwegs in den schönsten Hotels Europas.

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