Kibbuz früher und heute – Hannah Levi erzählt ihre Geschichte

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Bei meinem Besuch im Kibbuz Hagoshrim hatte ich das Vergnügen eine sehr interessante Frau Hannah Levi kennen zu lernen. Ihr Leben war und ist sehr eng mit dem Kibbuz verbunden und deshalb erzählt sie uns Ihre Geschichte und somit erfahren wir mehr über das Leben früher und heute im Kibbuz.

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Hannah´s Geschichte

Hannah Levi ist in England geboren, zu Hause haben die Großeltern, die Eltern und die Schwester deutsch gesprochen. Hannah hat die Sprache anfangs nur gehört und wusste damit nichts anzufangen. Durch die Mama hat sie dann deutsch gelernt. Die Mutter ist in Deutschland geboren und vor dem Krieg sind sie nach England ausgewandert, sie hatte wieder geheiratet und dann ist Hannah geboren. Der Vater ist gestorben und so ist die Mutter mit den zwei Kindern 1947 nach Bolivien, da die ganze Verwandtschaft von Deutschland nach Bolivien ausgewandert war. Sie hatte immer gedacht, dass ihr Vater verstorben wäre. In Bolivien hat sie erfahren, dass er noch lebt und von ihrer Mutter geschieden war. Die Schwester von Hannah half ihrer Tochter den Großvater zu finden und sie hat ihn gefunden, er hat wieder geheiratet und hat einen Sohn, zu dem sie heute Kontakt hat.

Als Teenager, mit 14, verließ Hannah Bolivien und ist 1956 allein nach Israel gegangen, um in dem Land, in dem ihre jüdische Kultur und Religion gefeiert wurde, zu leben. Sie fuhr sechs Tage und fünf Nächte mit dem Zug nach Buenos Aires und nach zwei Monaten auf einem Schiff, kam sie in den Hafen von Haifa an.

Sie verliebte sich in mediterranen Klima des Landes wie das Gemüse, den Himmel, die Berge und den Schnee. Für ein paar Monate lebte sie in einem Zelt in einer Siedlung bei Hagoshrim, einem Kibbuz im Hula-Tal, im Norden Israels. Als Kibbuz bezeichnet man in Israel eine ländliche Kollektiv -Siedlung mit gemeinsamem Eigentum und demokratischen Strukturen. In seiner traditionellen Form war er eine utopische Gemeinschaft, auf der Grundlage der Landwirtschaft, wo das Eigentum gemeinsam war und die Bewohner an den Gewinnen beteiligt wurden. Heute hat Israel 256 Kibbuzim; teilweise sind sie noch landwirtschaftlich, während andere über High-Tech oder Industrie verfügen.

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Die Kibbuzim (Plural von Kibbuz) spielten eine Schlüsselrolle bei der Bewässerung der trockenen Wüste von Israel, verwandelten sie in fruchtbare Felder von Zitrusfrüchten und betrieben Milchviehbetriebe. Jahrzehntelang verteidigten die Kibbuz Mitglieder die Grenzen des Landes. Die Mitglieder einer Elite-Kampftruppe namens Palmach kamen von Kibbuzim.

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Der Kibbuz Hagoshrim ist im Jahre 1948 entstanden, die ersten Leute, die hier gelebt haben, kamen aus der Türkei. Früher waren die Leute vom Kibbuz Idealisten, Sozialisten, alles ist zusammen, alle haben dasselbe. Als sie 1956 in den Kibbuz kam, war alles zusammen, es gab nichts privat, es musste alles so gemacht werden, wie der Kibbuz es gesagt hat. Probleme gab es schon früher, jeder bekommt das gleiche Geld, egal was und wie lange er gearbeitet hat. Der Kibbuz umfasst eine Fläche von 1173 Hektar.

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Hannah war auch eine Idealistin, dies hat sich bei ihr mit den Kindern geändert. Früher waren die Kinder nicht bei den Eltern, sie waren separat in einem anderen Haus, dem Kindergarten, so also auch ihre Kinder. Sie durfte die Kinder nur von 16.00-19.00 Uhr sehen. Die Eltern sollten Zeit zum arbeiten haben. Sie wollte am liebsten den Kibbuz verlassen, weil sie ihre Kinder so nicht erziehen konnte, wie sie es wollte. Das kam für ihren Mann nicht in Frage, sie war mit einem der Ersten im Kibbuz verheiratet, er war einer der Gründer und absoluter Idealist.

Früher war es im Kibbuz sehr fanatisch, so wie das Beispiel ihres Sohnes zeigt. Ihr Sohn hat ein Trauma, er war 4 Jahre alt und wollte nicht im Kindergarten bleiben. Jede Nacht ist er ausgerissen und barfuß durch den Kibbuz am anderen Ende zu seinen Eltern gelaufen. Ein halbes Jahr lang ist er jede Nacht ausgerissen. Die Gemeinschaft, der Kibbuz hatte gesagt, sie hätte ein psychologisches Problem, es war aber ihr Sohn, er wollte nicht im Kindergarten bleiben. Statt zu sagen, Hannah nimm dein Kind und erziehe es bis er groß ist, haben sie jede Nacht eine andere Person ausgewählt, die an dem Bett des Jungen gesessen hatte, damit er nicht ausreisen kann. So bald die bewachte Person eingeschlafen war, ist er wieder ausgerissen. Auch das Abendbrot gab es im Kindergarten. Ihr Sohn und auch Hannah haben sehr darunter gelitten und er hat den Kibbuz verlassen, er würde nie zurück gehen.

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Im Jahr 2000 hat sich der Kibbuz gewandelt. Die jungen Leute haben festgestellt, dass sie außerhalb des Kibbuz bis zu drei Mal mehr verdienen können. Sie wollten nicht mehr im Kibbuz bleiben, sie wollte mehr Geld verdienen, frei sein. Die neue Generation hat den Kibbuz verlassen. Wenn sie den Wandel nicht vollzogen hätten, wären nur noch alte Menschen im Kibbuz und so kamen ein Teil der Jungen wieder zurück. Heute sind es 525 Leute im Kibbuz, davon sind 225 Mitglieder. Mitglieder haben Mitbestimmungsrecht, was im Kibbuz gemacht werden soll. Heute sind die Mitglieder Kapitalisten und die Anteile werden vererbt, auch wenn die Erben nicht im Kibbuz leben.

Hagoshrim Kibbutz & Resort Hotel

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Das Hotel wurde 1953 erbaut, es hat mit 20 Zimmern angefangen und 1967 begann Hannah Levi in diesem Abschnitt zu arbeiten. Es war einer der ersten Kibbuzim, der sich auf den Tourismus konzentrierte. In den letzten 20 Jahren haben viele Kibbuzim einen kapitalistischen Ansatz gewählt und rund 80 Prozent von ihnen arbeiten mit Gewinn. Zehn Prozent sind Gemeinschafts-Kollektive mit dem alten sozialistischen Modells geblieben und die restlichen 10 Prozent sind religiös. In den frühen 70er Jahren ist Frau Levi die Marketing Direktorin des Kibbuz geworden. Sie spricht Hebräisch, Englisch, Deutsch und Spanisch.

Das Hagoshrim Kibbutz & Resort Hotel liegt zwischen den Hatzbani und Banias Flüssen als eines der idyllischsten Hotels des Landes, es verfügt heute über 202 Gästezimmer, von diesen sind 7 behindertengerecht und 15 Suiten, wobei 4 Suiten mit Jacuzzi ausgestattet sind. Ein Schwimmbad, ein Country Club, eine gemütliche Bar einer typischen, großzügigen Lobby und ein wunderschöner Garten machen das Resort komplett. Sie genießen einen tollen Blick auf die Golanhöhen, dem schneebedeckten Berg Hermon, zu dem Bergrücken Naftali Hills oder in das Hula-Tal.

Der Speisesaal mit großen Fenstern und mit Holz verarbeitet bietet ein reichhaltiges Buffet zum Abendessen mit typischen Gerichte und einer Reihe von Fisch, Käse, Gemüse, Salaten und leckeren Desserts. An kühlen Abenden gibt es ein Feuer im Kamin und ein heißen Apfelwein an einer Selbstbedienungs-Station in der Lobby.

Hagoshrim, wo wir auch übernachteten, erinnerte mich an einen großen Landgasthof.
Mein Zimmer war gemütlich, sauber und mit einem großen, sehr bequemen Bett mit einem Himmel, der Kaffee- und Tee-Service war mir sehr willkommen. Das moderne Bad ließ keine Wünsche offen. Im Kibbuz Hagoshrim werden weiterhin Karpfen, Avocados, Zitronen und Orangen erzeugt, hergestellt und verkauft. Die Haupteinnahmen kommen aber mittlerweile aus dem Tourismus. Das heutige Hotel gehört den Mitgliedern, sie haben Anteile daran.

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Heute hat Hagoshrim 225 Mitglieder und 100 Kinder. Die Mitglieder erhalten angepasste Gehälter und es gibt keinen Gemeinschaftsspeisesaal oder Wäsche für die Arbeiter mehr. „Es ist schwer für ältere Mitglieder, um diese Änderung zu akzeptieren. Es tut mir leid Kapitalismus nicht zusammen vor 40 Jahren gekommen“, sagte uns Hannah. Im Kibbuz sind über 65 Prozent der Urlauber Israelis, die restlichen 35 Prozent sind Touristen aus der ganzen Welt. Das Resort-Hotel ist bei internationalen Gästen sehr bekannt, wobei die meisten Gäste aus Amerika kommen.

Das Resort ist einen wunderschön angelegten Garten eingebettet, der eine Sammlung von unzähligen Kunstwerken beherbergt. In diesem macht spazieren zu gehen besonders Spaß, die Kunst zu bewundern oder einfach nur entspannen.

Im Winter kann man am Berg Earmon, Schnee voraus gesetzt, Ski laufen. Der Berg ist ca. 3000 m hoch, auf einer Seite Israel und auf der anderen Seite Syrien. Er ist gut ausgestattet mit Liften. Seit 1967 wurde angefangen am Berg Ski zu fahren. Im Sommer kann man auf der Wasserquelle Katzpani Kajak fahren, dafür ist aber Wasser die Voraussetzung, nicht wie im Jahr 2013, da gab es kein Regen und damit kein Wasser.

Fotos Gabriele Wilms

Über den Autor

Gabriele Wilms

Seit vielen Jahren beschäftige ich mich intensiv mit der Tätigkeit des Reisejournalistin und Bloggerin. Ich betreue Toureal als verantwortliche Chefredakteurin. Gut ein Drittel des Jahres bin ich daher für unser Reisemagazin unterwegs in den schönsten Hotels Europas.

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